Eine „Herzensangelegenheit“. So nennt die Wahl-Ulmerin Shaam Joli ihr neuestes Filmprojekt. In ihrer Dokumentation „Was bleibt vom Widerstand?“ richtet die 29-Jährige die Kamera auf jene Frauen, über die viel zu selten gesprochen wird: kurdische Kämpferinnen, die in Nordsyrien gegen den Islamischen Staat Widerstand geleistet haben. Frauen, die gekämpft und überlebt haben, und heute mit den Spuren dieser Zeit weiterleben müssen.
Dass sie gerade diese Geschichten erzählen will, kommt nicht von ungefähr. Shaam Joli wurde in Damaskus geboren und wuchs dort auf. Mit zwölf Jahren floh sie ohne ihre Eltern vor dem Krieg nach Deutschland. In Ulm fand sie ein neues Zuhause. Doch Syrien ist für sie nie einfach Vergangenheit geworden. Besonders das Schicksal von Mädchen und Frauen in ihrem Herkunftsland lässt sie nicht los.
Joli kämpft für internationale Anerkennung kurdischer Kämpferinnen
Schon mit ihrem Kurzfilm „The Prison“ machte sie auf Gewalt gegen Frauen in syrischen Gefängnissen aufmerksam. Für ihre Filme wurde sie bereits mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Förderpreis Junge Ulmer Kunst und dem Soroptimist-Preis bei den Filmtagen Oberschwaben.
Nun geht Joli einen Schritt weiter: Ihr erster Langfilm soll jene Frauen sichtbar machen, die im Kampf gegen den IS eine entscheidende Rolle spielten und trotzdem viel zu oft im Schatten männlicher Heldenbilder verschwinden. „Der Großteil der kurdischen Armee bestand aus Frauen“, betont sie. Dass diese Frauen international kaum Anerkennung bekommen, empfindet Joli als große Ungerechtigkeit. Gerade deshalb lässt sie nicht locker: „Ich bin hartnäckig. Ich will, dass diese Geschichte erzählt wird.“
Für ihre Recherche reiste sie bereits nach Rojava in Nordsyrien. Dort traf sie sechs Frauen, die bereit sind, vor der Kamera zu erzählen. Von Krieg, Verlust und Schmerz. Aber auch von Mut, Stärke und der Frage, wie man nach all dem wieder ins Leben zurückfindet. Einige leiden bis heute seelisch unter dem Erlebten, andere tragen auch körperliche Verletzungen davon.
Für das Filmprojekt sucht Shaam Joli Unterstützer
Im Juni will Joli erneut nach Syrien reisen, diesmal mit einem Kameramann, um dort unter ihrer Regie zu drehen. Finanziert werden soll die Dokumentation zunächst über Crowdfunding. Denn: Für junge Filmemacherinnen wie sie ist der Weg zu klassischen Fördermitteln oft, „nicht einfach“.
Der Film soll etwa 90 Minuten lang werden und im Januar 2027 fertig sein. Doch schon davor gibt es gute Neuigkeiten: Für die Dokumentation hat Joli einen Preis vom Syrischen Fernsehsenders in Stuttgart erhalten.
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