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Einbruch in Ulmer Juwelier Stern vor Gericht: „Mein Leben ist auf den Kopf gestellt“

Prozess in Ulm

Transporter kracht in Juwelier-Geschäft: „Mein Leben ist auf den Kopf gestellt“

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    Ein Transporter krachte im März vergangenen Jahres in die Schaufensterscheibe des Juweliers Stern. Zwei Männer müssen sich nun vor Gericht verantworten.
    Ein Transporter krachte im März vergangenen Jahres in die Schaufensterscheibe des Juweliers Stern. Zwei Männer müssen sich nun vor Gericht verantworten. Foto: Baris Kilic (Archivbild)

    Nach dem Einbruch in ein Juwelier-Geschäft in der Ulmer Sterngasse müssen sich seit Donnerstag zwei Männer vor Gericht verantworten – doch schon am ersten Verhandlungstag bleiben viele Fragen offen.

    Ulmer Staatsanwaltschaft erhebt Vorwürfe gegen die Angeklagten aus Illertissen und Dillingen

    Die Staatsanwaltschaft wirft einem 39-jährigen Angeklagten aus Illertissen und seinem 46-jährigen Komplizen aus Dillingen unter anderem versuchten Diebstahl, versuchte Brandstiftung, Sachbeschädigung, Fahren ohne Fahrerlaubnis und Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz vor.

    Nach Darstellung der Anklage soll der 39-Jährige am Sonntagmorgen des 16. März 2025 mit einem gestohlenen Kleintransporter von Illertissen nach Dillingen gefahren sein – ohne Führerschein. Dort habe er den Mitangeklagten getroffen. Gemeinsam sollen sie Kokain und Heroin konsumiert haben. In einer Sprachnachricht sprach der Angeklagte von einem „bunten Cocktail“.

    Am Ehinger Tor kauften die beiden auf dem Weg von Dillingen nach Ulm vor der Tat Kokain

    Anschließend seien die beiden nach Ulm gefahren, hätten am Ehinger Tor weiteres Kokain gekauft und schließlich den Transporter gezielt gegen die Schaufensterscheibe eines Juweliers in der Sterngasse gesteuert – zweimal hintereinander. Wie es zu der Tat kam, schilderten die beiden Angeklagten vor Gericht aber unterschiedlich.

    Der 39-Jährige gab an, die Kontrolle über das Fahrzeug verloren zu haben, nachdem sein Mitangeklagter im Wagen mit einem Feuerzeug hantiert habe. Der 46-Jährige widersprach dieser Darstellung. Er sei von der Situation überrumpelt worden, sein Komplize habe den Einbruch geplant, er aber nichts davon gewusst.

    Maskiert mit einer Warnweste fuhren die Täter zweimal mit einem Transporter gegen die Schaufensterscheibe

    Der Illertisser habe ihm eine Warnweste zur Maskierung gegeben und ihn später aufgefordert, den Beifahrersitz anzuzünden. „Er hat nur noch ‚Feuer, Feuer‘ gesagt“, schilderte der 46-Jährige, „ich war benommen von dem Schock und habe einfach reagiert.“ Sein Versuch, seine Unschuld zu belegen, klingt so: „Wenn ich irgendwo hätte einbrechen wollen, hätte ich mich vorbereitet, Handschuhe und Werkzeug eingepackt.“

    Die Richterin hinterfragte die Aussagen detailliert, insbesondere zum zeitlichen Ablauf, zum Drogenkonsum und zur Fahrtstrecke. Als Teil der Beweisaufnahme wurden Videoaufnahmen gezeigt, die den Vorfall zeigen. Darauf ist zu sehen, wie der Transporter zweimal gegen die Scheibe fährt.

    Zudem steigen die beiden mutmaßlichen Täter aus und versuchen offenbar, durch eine beschädigte Stelle in das Geschäft zu gelangen. Ermittler fanden am Beifahrersitz Spuren, die auf einen Brand hindeuten könnten.

    Insgesamt acht Zeugen hörte das Gericht: Polizisten, Anwohner und Geschädigte

    Ein Anwohner berichtete im Zeugenstand, er habe am frühen Morgen zweimal hintereinander ein lautes Klirren gehört. Beim Blick aus dem Fenster sah er zwei maskierte Männer neben dem Transporter vor der zerbrochenen Scheibe. Einer habe „etwas Brennendes“ in der Hand gehabt.

    Polizeibeamte schilderten, dass der Transporter bei ihrer Ankunft bereits verlassen am Tatort stand, der Motor lief und ein Brandgeruch wahrnehmbar gewesen sei. Kurz darauf habe man die beiden Männer in der Olgastraße festgenommen.

    Ein Jahr nach dem Einbruch: Glasscheiben und eine neue Alarmanlage musste der Juwelier für sein Geschäft anschaffen.
    Ein Jahr nach dem Einbruch: Glasscheiben und eine neue Alarmanlage musste der Juwelier für sein Geschäft anschaffen. Foto: Alexandra Weihele

    Für den Juwelier in Ulm ist der Schaden groß – Verdienstausfall und Kosten für eine neue Alarmanlage kommen dazu

    Der geschädigte Juwelier sprach von einem Schaden von rund 35.000 Euro und weiteren Kosten, weil er mehrere Wochen keine Umsätze hatte und eine neue Alarmanlage anschaffen musste. „Zweimal gegen die Scheibe zu fahren, ist definitiv kein Unfall“, sagte er. Als sich der Angeklagte im Gerichtssaal bei ihm entschuldigen wollte, lehnte der Juwelier das ab. Sein Leben sei „komplett auf den Kopf gestellt“ worden.

    Trotz der umfangreichen Beweisaufnahme blieben zentrale Fragen – insbesondere zum genauen Ablauf und zu einer möglichen Brandlegung – unbeantwortet. Das Gericht setzte die Verhandlung deshalb aus. Fortsetzungstermin ist der kommende Freitag. Dann sollen weitere Zeugen gehört werden.

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