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Kartenzahlung oder Bargeld in der Gastronomie: So entscheiden Betriebe in Ulm und der Region

Landkreis Neu-Ulm

Karte oder bar? Warum Gastronomen in der Region ganz unterschiedlich entscheiden

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    Seit sechs Jahren können Gäste im Ulmer Café Einstein nur noch mit Karte bezahlen.
    Seit sechs Jahren können Gäste im Ulmer Café Einstein nur noch mit Karte bezahlen. Foto: Horst Hörger (Archivbild)

    Im Café Einstein in Ulm geht ohne Karte nichts mehr – im „Blue Lagoon“ in Vöhringen dagegen nur bar. Was für Gäste Alltag ist, wird für Gastronomen zur Grundsatzfrage.

    Seit sechs Jahren kein Bargeld mehr: im Café Einstein in Ulm können Gäste ausschließlich mit der Karte zahlen

    Im Café Einstein gibt es seit 2020 kein Bargeld mehr. Bezahlt wird ausschließlich mit der Karte oder dem Smartphone. Für die Betreiber Manuela und Thomas Bauer war das eine bewusste Entscheidung. „Es ging uns nicht um Ideologie, sondern um Verantwortung für unseren Betrieb und unsere Mitarbeitenden“, erklären sie.

    Die Umstellung habe den Alltag spürbar verändert. Die bargeldlose Zahlung vereinfache betriebliche Prozesse und verkürze Abrechnungszeiten. Auch der Personalbedarf habe sich um rund 15 Prozent reduziert. „Bezahlvorgänge sind jetzt deutlich schneller und nahezu fehlerfrei“, sagen die Betreiber. Auch die Transparenz sei gestiegen: „Alle Transaktionen sind für Gäste und Finanzbehörden transparent und nachvollziehbar.“

    Nachteil der Kartenzahlung: Hohe Gebühren und Einschränkungen durch Internetausfälle

    Zudem sparen sich die Mitarbeiter eine zentrale Aufgabe im Tagesgeschäft: „Die früher sehr zeitaufwendige Tagesabrechnung entfällt vollständig.“ Bargeld müsse weder gezählt noch zur Bank gebracht werden.

    Ganz ohne Nachteile ist das System jedoch nicht. Technik und Gebühren verursachen Kosten – und auch die Abhängigkeit vom System bleibt. „Bei seltenen Internetausfällen kann es kurzfristig zu Einschränkungen kommen – in sechs Jahren ist das bei uns dreimal passiert.“

    „Aus wirtschaftlichen Gründen“: Im Blue Lagoon in Vöhringen wird weiterhin bewusst nur mit Bargeld bezahlt

    Ganz anders sieht es im „Blue Lagoon“ in Vöhringen aus. Dort wird weiterhin ausschließlich bar bezahlt – und das ganz bewusst. Betreiber Roland Binder nennt dafür vor allem wirtschaftliche Gründe. „Die Rechnungen sind einfach zu gering, dass sich eine Kartenzahlung lohnt“, sagt er. Sein Lokal besuchen vor allem Stammgäste, Vereine und Ältere, die eher kleinere Beträge ausgeben.

    Kartenzahlung würde für ihn zusätzliche Kosten bedeuten, die er an die Gäste weitergeben müsste. „Wenn ich jetzt noch zehn oder 20 Cent draufschlagen muss, macht das keinen Sinn“, sagt Binder. Ein Weizen kostet bei ihm derzeit 3,70 Euro – die Preise halte er bewusst niedrig. „Wenn ich die erhöhen müsste, würden eher mehr Leute wegbleiben.“

    Auch aus Sicht seiner Gäste spricht vieles für Bargeld. „In unser Lokal kommen viele Rentner“, sagt Binder. „Die haben mit Bargeld eine bessere Kostenkontrolle.“ Kartenzahlung werde kaum nachgefragt. „Ganz, ganz selten möchte mal jemand bei uns mit Karte zahlen.“

    So reagierten die Ulmer Gäste im Café Einstein auf die Umstellung zur reinen Kartenzahlung

    Die beiden Beispiele zeigen, wie unterschiedlich Betriebe mit dem Thema umgehen. Im Café Einstein berichten die Betreiber, dass die Umstellung von der Mehrheit der Gäste akzeptiert werde. „Unsere Gäste haben die Umstellung größtenteils positiv aufgenommen – rund 90 Prozent unterstützen diesen Weg.“ Ein Teil der Gäste habe sich jedoch bewusst dagegen entschieden, was sich auch in den Online-Bewertungen niedergeschlagen habe.

    Dass sich die Branche insgesamt im Wandel befindet, bestätigt auch der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga. „Kartenzahlung nimmt zu, vor allem bei der jüngeren Generation“, sagt Johann Britsch, Bezirksvorsitzender von Dehoga Schwaben und Betreiber des Landgasthofs Hirsch im Neu-Ulmer Ortsteil Finningen.

    Gleichzeitig bleibe Bargeld für viele Menschen wichtig. „Es gibt auch Jüngere, die ganz bewusst bar zahlen, weil sie so mehr Überblick über ihr Geld haben“, so Britsch. Gerade Bargeld vermittle vielen ein stärkeres Gefühl für die eigenen Ausgaben.

    Hohe Gebühren: Für die Gastronomen ist die Entscheidung bar oder Karte auch eine Kostenfrage

    Für Gastronomen ist die Entscheidung jedoch eine Kostenfrage. „Bei einer Rechnung von 50 Euro gehen schnell zwei bis drei Euro an Gebühren weg“, sagt er. Diese Kosten müssten Betriebe entweder selbst tragen oder an die Gäste weitergeben.

    Auch beim Trinkgeld zeigen sich Unterschiede. „Wer bar zahlt, gibt erfahrungsgemäß oft mehr Trinkgeld – das ist persönlicher, der Gast gibt dem Service direkt etwas für die Leistung“, sagt Britsch. Bei Kartenzahlung sei das anders: „Das wirkt anonymer, da bleibt das Trinkgeld auch eher mal aus.“

    Unterschiede zeigen sich zudem zwischen Stadt und Land. „Auf dem Land wird tendenziell noch etwas häufiger bar gezahlt“, so Britsch. Insgesamt sei die Entwicklung jedoch klar: „Die Kartenzahlung wird weiter zunehmen – Bargeld bleibt trotzdem.“ Für Gäste bleibt es oft nur eine kurze Frage am Ende des Besuchs. Für viele Gastronomen entscheidet sie inzwischen darüber, wie ihr Betrieb wirtschaftlich funktioniert – und welche Gäste er anspricht.

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