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Lonsee/Ulm: Polizei geht gegen Cannabis-Club vor – Betreiber widerspricht: „Verlogen, verlogen“

Lonsee/Ulm

Polizei geht gegen Cannabis-Club vor – Betreiber widerspricht: „Verlogen, verlogen“

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    Betreibern eines Cannabis-Social-Clubs bei Lonsee wird vorgeworfen, Rauschgift an Mitglieder gewinnbringend veräußert zu haben, obwohl keine Genehmigung vorlag.
    Betreibern eines Cannabis-Social-Clubs bei Lonsee wird vorgeworfen, Rauschgift an Mitglieder gewinnbringend veräußert zu haben, obwohl keine Genehmigung vorlag. Foto: Michael Kroha (Symbolbild)

    Die Mitteilung der Polizei zeichnet eigentlich ein klares Bild: Zwei Betreiber eines Cannabis-Clubs bei Lonsee sollen Rauschgift gewinnbringend an ihre Vereinsmitglieder veräußert haben, obwohl ihnen keine Genehmigung vorlag. Vor zwei Wochen sei es deshalb zu einer Durchsuchung in einem Gebäude in der Alb-Gemeinde gekommen. 1,2 Kilogramm Marihuana seien dabei sichergestellt worden, die beiden Betreiber im Alter von 47 und 41 Jahren nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Doch stimmt das alles so? Einer der Beschuldigten widerspricht im Gespräch mit unserer Redaktion: „Verlogen, verlogen“, sagt er.

    Die Rauschgiftermittlungsgruppe des Ulmer Polizeipräsidiums ermittle bereits „seit geraumer Zeit“ gegen die beiden Männer, heißt es in der Mitteilung. Als Betreiber eines eingetragenen Vereins hätten sie wohl in den zurückliegenden Monaten an ihre Vereinsmitglieder Marihuana gewinnbringend veräußert – „und das, obwohl sie keine Erlaubnis dafür besitzen“. Vor etwa zwei Wochen, am Donnerstag, 16. April, seien deshalb Beamte mit einem richterlichen Durchsuchungsbeschluss vor dem Gebäude bei Lonsee gestanden. Die Ermittler fanden nach eigenen Angaben rund 1200 Gramm Marihuana und stellten das sicher. Auf die beiden Männer kommen nun Anzeigen wegen eines Verstoßes gegen das Konsumcannabisgesetz zu.

    Cannabis-Anbau war erst im Keller geplant – doch der war einem Spielplatz zu nah

    Einer der beiden beschuldigten Betreiber widerspricht dem geschilderten Sachverhalt und ärgert sich über die Zusammenarbeit mit den Behörden: „Das ist Bahnhof“, sagt der 47-Jährige und berichtet von den Anfängen seines Cannabis-Social-Clubs: Zunächst hätten sie in einem Keller anbauen wollen. Weil die Räumlichkeiten aber keine 200 Meter zu nah an einem Spielplatz waren, sei ihnen vorgeschlagen worden, Container auf dem Hof aufzustellen. Gesagt, getan – „es hat alles gepasst“, behauptet der Betreiber. Die Anbaugenehmigung sei vom Regierungspräsidium (RP) Freiburg zum 26. August 2025 erteilt worden, kurz vor Weihnachten sei das erste eigene Cannabis an Mitglieder herausgegeben worden.

    Am 9. Januar 2026 sei dann aber ein Brief des RP gekommen, die Genehmigung von einst wurde zurückgenommen. „Wegen Sicherheitsmaßnahmen“, sagt der Betreiber und konkretisiert: Die Behörden hätten gefordert, dass an Fenstern und Türen der Container sogenannte „RC3-Gitter“ befestigt werden. „Die halten an so einem Container aber gar nicht“, sagt der Betreiber. „Das ist unlogisch.“ Also hätten sie die Container so aufgestellt und abgeriegelt, dass am Ende eine Stahlwand mit Stahltür und Siegel den Zugang regelt. Die Vorgabe sei gewesen, dass es nicht möglich ist, innerhalb von drei Minuten hineinzukommen. „Die Polizei hat mit Schlüssel eine halbe Stunde gebraucht“, sagt der Mann. Die Änderungen seien nachgereicht worden. Vor Ort habe das seitens der Behörden niemand mehr überprüft.

    Anbaugenehmigung zurückgezogen: Regierungspräsidium soll sich nicht mehr gemeldet haben

    Nachdem der Anbauvereinigung die Genehmigung entzogen wurde, hätten sie nichts mehr angebaut – und auch nichts mehr verkauft. Sie hätten sich vielmehr beim RP erkundigt, was sie nun mit dem vorhandenen Cannabis machen sollen. Verbrennen? Ein Video davon machen? Der Polizei geben? Aber eine Antwort hätten sie nicht bekommen. Stattdessen seien acht Beamte plötzlich vor der Tür gestanden und hätten die Räumlichkeiten durchsucht. „Da hat das Amt in Freiburg zu spät der Polizei Bescheid gegeben“, sagt der Betreiber mit sarkastischem Unterton. Er sei bei der Durchsuchung nicht vor Ort gewesen. Insofern stimme allein die Aussage nicht, dass beide Betreiber „wieder auf freien Fuß“ kamen. Er ist sich keiner Schuld bewusst.

    Die Polizei macht auf Nachfrage unserer Redaktion zum Verfahren keine weiteren Angaben. „Was am Ende des Verfahrens stimmt, werden die weiteren Ermittlungen zeigen.“ Jedoch wird auf Nachfrage bestätigt, dass tatsächlich nur einer der beiden Betreiber beim Einsatz vor zwei Wochen angetroffen wurde. Dass die Pressemitteilung erst jetzt, etwa zwei Wochen später, veröffentlicht wurde, begründet ein Polizeisprecher damit, dass sie erst an diesem Dienstag von den mit dem Fall vertrauten Ermittlern für „pressefrei“ erklärt wurde. Gerade bei Rauschgift-Sachen werden oftmals noch weitere Ermittlungen abgewartet, ehe sie an die Öffentlichkeit gehen. Ob es im vorliegenden Fall so war, ist unklar.

    Der Betreiber wehrt sich gegen den Vorwurf, Cannabis illegal angebaut und veräußert zu haben. „Ich habe hier zum Glück alles schriftlich vorliegen“, sagt er. „Das gewinne ich.“ Rechtlich gegen den Entzug der Anbaugenehmigung vorgehen wolle er aber nicht. Das Aus der Anbauvereinigung dürfte damit besiegelt sein – trotz getätigter Investitionen von bis zu 200.000 Euro. Die extra dafür gekauften Lampen und anderen Anbauutensilien sollen weiterverkauft werden.

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