Messerangriff im Media Markt Ulm: Plötzlich schreien Mitarbeiter „Tür zu, Tür zu“
Ulm
Messerangriff im Media Markt: Plötzlich schreien Mitarbeiter „Tür zu, Tür zu“
Nach der Attacke in dem Elektrofachmarkt in der Blaubeurer Straße schwebt ein 25-Jähriger in Lebensgefahr. Der mutmaßliche Täter wurde angeschossen, er saß bis vor Kurzem in Haft.
Im MediaMarkt in der Blaubeurer Straße in Ulm soll ein 29-jähriger Eritreer zwei Mitarbeiter mit einem Messer zum Teil lebensgefährlich verletzt haben. Der Verdächtige wird später von der Polizei angeschossen.Foto: Thomas Heckmann
Wenige Stunden nach der Tat sind Blutreste noch auf dem Gehweg entlang der Blaubeurer Straße zu erkennen. Sie sind eingekreist mit einer grellen orange-roten Farbe. Vielleicht sechs Meter weiter zieren fünf weitere Kringel den Asphalt. Markierungen, die die Spurensicherung der Polizei nach dem Messerangriff im Ulmer Media Markt hinterlassen hat. Nach bisherigen Erkenntnissen verletzte ein Mann in dem Elektrofachgeschäft zwei Menschen, zum Teil schwer. Danach verließ der Mann den Laden und wurde etwa 100 Meter entfernt an einer Ampelkreuzung von Beamten niedergeschossen. Was Beschäftigte später unserer Redaktion erzählen, deutet auf eine wahllose Attacke hin. Der mutmaßliche Täter, ein 29-jähriger Eritreer, saß nach Ermittlerangaben bis vor Kurzem noch wegen Gewaltdelikten in Haft.
Zwei Mitarbeiter waren bei einem Messerangriff im Media Markt verletzt worden. Der mutmaßliche Täter wurde auf der Flucht durch Schüsse der Polizei gestoppt.Foto: Jason Tschepljakow, dpa
Die jüngste Tat ereignete sich am Mittwochmittag, gegen 12.30 Uhr. Eine Verkäuferin im benachbarten Tierfachmarkt „Kölle Zoo“ berichtet, was ihr zwei Kunden, die genau zu dieser Zeit im Media Markt eine Waschmaschine kaufen wollten, in heller Aufregung später erzählten: Mit einem durchaus größeren Messer hätten sie den Mann im Eingangsbereich gesehen. Der habe geschrien und eher wahllos um sich geschlagen. Sofort hätten jene Kunden über den Notausgang im Obergeschoss den Laden verlassen und Zuflucht im Tierfachmarkt gesucht. „Ich bin froh, dass er nicht zu uns kam“, sagt die Verkäuferin. Obwohl zwischenzeitlich Entwarnung gegeben worden war, hätten die Kunden nicht gehen wollen. Erst als die Polizei ihnen sagte, dass sie den Täter haben, hätten sie wieder vor die Tür getraut.
Messerangriff im Media Markt Ulm: Mitarbeiter benachbarter Geschäfte leisten Erste Hilfe
Beschäftigte im benachbarten Spielwarengeschäft „Smyths Toys“, die die Tat selbst nicht gesehen haben, sind „geschockt“. Etwa zehn Media Markt-Mitarbeiter seien zu ihnen geflüchtet. „Tür zu, Tür zu“, hätten sie geschrien, erzählt eine Mitarbeiterin, die einem von ihnen Erste Hilfe geleistet habe. Jener Mitarbeiter sei am rechten Arm im Bereich des Ellenbogens verletzt gewesen. Das T-Shirt zerfetzt, die Hose zerrissen. „Vor lauter Schock hat er das gar nicht bemerkt.“ Auch Kunden vor dem Geschäft, zwei Frauen und ein Kind, hätten sie zu sich hereingeholt. „Wir haben uns gegenseitig Mut zugesprochen, uns umarmt“, erzählen sie. „Wir gaben ihnen ein Glas Wasser.“ Mindestens eine halbe Stunde, vielleicht sogar eine Stunde, seien die Türen geschlossen gewesen. „Wir haben Schüsse gehört“, sagt ein Mitarbeiter des Spielwarengeschäfts, mindestens zwei sollen es gewesen sein. Angeblich soll der Täter in seinem „Erstschlag“ von hinten in den Rücken eines Mitarbeiters gestochen haben.
Nach einem Angriff mit einem Messer auf zwei Personen in einem Ulmer Elektro-Fachmarkt hat die Polizei den flüchtigen Tatverdächtigen mit mehreren Schüssen stoppen können. Er wurde schwerverletzt in ein Krankenhaus gebracht.Foto: Thomas Heckmann
Beim mutmaßlichen Täter handelt sich um einen 29-jährigen Eritreer, wie Polizei Ulm, Staatsanwaltschaft Ulm und das Landeskriminalamt (LKA) Baden-Württemberg am frühen Mittwochabend mitteilten. Die Motivlage gilt für die Ermittler noch als unklar. Der Tatverdächtige sei aber bereits in der Vergangenheit wegen Gewaltdelikten aufgefallen und verbüßte bis Dezember 2025 eine Haftstrafe. Gegen ihn soll nun ein Haftbefehl beantragt werden.
Mutmaßlicher Täter wird durch mehrere Schüsse der Polizei gestoppt
Polizeibeamte hätten den Mann auf seiner Flucht in unmittelbarer Nähe angetroffen. Als er die Einsatzkräfte mit dem immer noch mitgeführten Messer bedrohte und sich trotz Aufforderung geweigert habe, die Waffen fallen zu lassen, hätten die Beamten mehrere Schüsse auf ihn abgegeben, heißt es. Wie oft, wird nicht mitgeteilt. Der Mann kam mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus und wird dort intensivmedizinisch versorgt. Nach Angaben der Beamten bestand für die Öffentlichkeit keine Gefahr. „Kursierende Gerüchte zu einem Amoklauf können nicht bestätigt werden“, so ein Polizeisprecher.
Messerangriff im Media Markt: Die Fotos vom Polizeieinsatz in der Blaubeurer Straße
Ein 29-jähriger Eritreer soll zwei Mitarbeiter im Elektrofachmarkt in der Blaubeurer Straße mit einem Messer verletzt haben. Der Tatverdächtige wird kurz darauf in unmittelbarer Nähe von Polizisten angeschossen.
Bei den beiden Opfern handelt es sich um Mitarbeiter des Elektrofachmarktes. Ein 25-Jähriger schwebt in Lebensgefahr, er befindet sich in intensivmedizinischer Behandlung, „wobei sein Zustand als kritisch bewertet werden muss“, so die Ermittler. Ein 22-Jähriger wurde leicht verletzt. Die Geschäftsführerin der Ulmer Filiale wollte auf Nachfrage unserer Redaktion keine Angaben machen. Der Media Markt blieb am Mittwoch geschlossen. Vom Konzern war zunächst keine Stellungnahme zu bekommen, wann wieder geöffnet wird. Nach Angaben bei Google bleibt der Markt auch am Donnerstag noch geschlossen.
Mitarbeiter der Polizei sichern Spuren an der Stelle, wo mutmaßlich der 29-jährige Eritreer von Beamten niedergeschossen wurde.Foto: Jason Tschepljakow, dpa
In Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft Ulm wird die Sachbearbeitung bezüglich des Schusswaffengebrauchs, wie in solchen Fällen üblich, vom LKA übernommen. Die Ermittlungen zum Messerangriff werden durch das Polizeipräsidium Ulm geführt. Zeugen werden gebeten, eventuelle Videoaufzeichnungen des Geschehens in der Blaubeurer Straße über ein Hinweisportal der Polizei zur Verfügung zu stellen: https://bw.hinweisportal.de.
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