Startseite
Icon Pfeil nach unten
Neu-Ulm
Icon Pfeil nach unten
Ulm
Icon Pfeil nach unten

Neue Sonderausstellung im Ulmer Museum „Brot und Kunst“: Alles dreht sich um die Biene

Ulm

Honig der Ideen: Wie die Biene zur Leitfigur der Kunst wird

  • |
  • |
  • |
  • |
    Bärbel Rothaar ist Imkerin und Künstlerin – ihre von Bienen umgearbeiteten Wachsporträts sind ein Blickfang der neuen Sonderausstellung.
    Bärbel Rothaar ist Imkerin und Künstlerin – ihre von Bienen umgearbeiteten Wachsporträts sind ein Blickfang der neuen Sonderausstellung. Foto: Florian L. Arnold

    Am Anfang steht ein Duft. Warm, süßlich, durchdringend legt sich das Aroma von Bienenwachs in den Raum, noch bevor das Auge die Dinge ordnet. In der neuen Ausstellung „Honig für Kunst und Gesellschaft – Wie Bienen uns inspirieren“ im Museum Brot und Kunst wird die Wahrnehmung gleichsam eingestimmt: auf ein Thema, das zwischen Naturbeobachtung, Mythos und Gesellschaftsentwurf oszilliert. Optisches Zentrum dieser sinnlichen Erfahrung sind die Arbeiten von Jeanette Zippel, deren raumgreifende Installation „Wachsfacetten“ (2002) aus 2500 Honiggläsern besteht – jedes am Rand von Wachs überformt, jedes ein kleines Depot von Geruch und Materialität.

    Den Ausgangspunkt für die Ausstellung bildet die Sammlung Kraft, ein Konvolut um Joseph Beuys und sein Umfeld. Für Beuys waren Bienen weit mehr als Insekten: Er sah in ihnen Gestalterinnen eines sozialen Organismus, der Wärme, Nahrung und Organisiertheit hervorbringt und dabei stets auf das Ganze zielt. „Die menschliche Fähigkeit ist nicht, Honig abzugeben, sondern zu denken, Ideen abzugeben. Das wird jetzt parallel gesetzt“, erläutert Museumsleiterin Isabel Greschat.

    Beuys’ Blick auf die Biene: „Unterwegs zwischen Sonne und Erde“

    Honig und Wachs erscheinen hier als Metaphern einer „sozialen Plastik“, in der Kunst und Gesellschaft ineinandergreifen. Beuys’ Blick auf die Biene – „unterwegs zwischen Sonne und Erde“ – wird in der Ausstellung als ein energetisches Modell idealen (idealisierten) Zusammenwirkens lesbar.

    Eine seiner zentralen Installationen war die „Honigpumpe am Arbeitsplatz“: ein Schlauchsystem von 150 Metern Länge, durch das während der „Documenta“ 1977 Honig gepumpt wurde: eine soziale Plastik als Diskussionsforum, in dem der Künstler während der ganzen 100-tägigen Laufzeit anwesend war.

    Künstler wie Michael Buthe, Hede Bühl und Felix Droese erweitern das Spektrum der Ausstellung. Droeses „Honigpriesterin“ etwa spielt zwischen Mythos und Ironie – mit Anspielungen auf etwas krude antike Vorstellungen von der Entstehung der Biene aus dem toten Stierkörper.

    Maximilian Prüfer verweist mit einer Fotografie aus Sechuan auf eine Welt ohne Bienen, in der Menschen Blüten von Hand bestäuben müssen. Lea Grebe gießt die kostbaren Insekten in Bronze und verleiht deren Verschwinden eine beklemmende Dauer. Besonders eindrücklich sind jene Positionen, die mit den Tieren selbst arbeiten. Bärbel Rothhaar, einst Imkerin, überlässt ihre aus Wachs geformten Porträts erneut den Bienen: Die Insekten überziehen die Gesichter mit Waben, verwandeln Individualität in Struktur, Biografie in Material.

    Auch historische Dokumente fehlen nicht. Die seltene Kunst-Edition der „Rheinischen Bienenzeitung“ von 1975 versammelt Beiträge namhafter Künstler und zeigt, wie deutlich in den 1970ern ökologische Fragen in der Kunst anklangen, lange bevor sie politisch breite Resonanz fanden.

    Die Ausstellung „Honig für Kunst und Gesellschaft. Wie Bienen uns inspirieren“ läuft bis zum 20. September

    Die Ausstellung, die vom 30. April bis zum 20. September zu erleben ist, bietet auch zahlreiche Mitmachmöglichkeiten. Ein „Bienenstock“ aus Informationen und Mitwirkungsangeboten vermittelt Wissen zu Imkerei, Wildbienen und ökologischen Zusammenhängen – und stellt die offene Frage, welchen „Honig“ eine Gesellschaft heute hervorbringen kann. In Kooperation mit Umweltverbänden entstehen Workshops und Ferienprogramme für Schulklassen, die ökologische Zusammenhänge anschaulich machen. Ergänzt wird dies durch eine Matinee mit Schauspieler Gunter Nickles sowie eine Filmreihe im Kino „Mephisto“.

    Begleitend gibt es auch ein neues spielerisches Format, welches das Museum als sozialen Ort erprobt – die „Game Night: spielen, essen, kennenlernen“, eine neue Reihe für Abenteuerlustige. Museum ganz im Sinne von Beuys: ein Raum produktiver Begegnung und gemeinschaftlichen Wirkens.

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein

    Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.

    Anmelden

    Sie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren