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Prozess: So hat der Palästina-Aktivist dem Langenauer Pfarrer zugesetzt

Ulm/Langenau

Palästina-Aktivist hat dem Pfarrer mächtig zugesetzt

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    Mit solchen und ähnlichen Plakaten hat ein Palästina-Aktivist regelmäßig vor der Langenauer Martinskirche protestiert. Jetzt steht er vor Gericht.
    Mit solchen und ähnlichen Plakaten hat ein Palästina-Aktivist regelmäßig vor der Langenauer Martinskirche protestiert. Jetzt steht er vor Gericht. Foto: Ronald Hinzpeter

    Manche Straßen, sagt der Geistliche Ralf Sedlak, vermeidet er mittlerweile einfach, denn er will nicht dem Mann begegnen, der ihn seit rund zweieinhalb Jahren piesackt. Der evangelische Pfarrer von Langenau versucht, die Konfrontation mit dem stadtbekannten Palästina-Aktivisten zu vermeiden. Doch dass das nicht so einfach ist, hat er in der Vergangenheit immer wieder erfahren müssen, denn er beschuldigt den 76 Jahre alten Israel-Kritiker, ihm hartnäckig nachzustellen. Deshalb muss sich der Aktivist vor dem Amtsgericht Ulm verantworten. Am Montag schilderte der Pfarrer als Zeuge, wie sehr das ihn und seine achtköpfige Familie belastet.

    Der Aktivist nennt den Pfarrer hartnäckig „Bäpperle“

    Wenn der Aktivist ihn anspricht, dann sagt er nicht den Namen des Geistlichen, sondern nennt ihn hartnäckig „Bäpperle.“ Warum das so ist, erklärte Sedlak nun im Zeugenstand: Nicht lange, nachdem der Aktivist lautstark einen Gottesdienst in der Martinskirche gestört hatte – in seiner Predigt war der Pfarrer auf den Terrorüberfall der Hamas auf Israel im Oktober 2023 eingegangen – hatte jemand einen Sticker an den Eingang des Pfarrhauses geklebt: Er enthielt die israelische Fahne sowie die Worte „Zionist“ und auf Englisch „Fascist“. Sedlak zeigte das bei der Polizei an. Der Aktivist tituliert ihn deshalb seither mit „Bäpperle“, dem schwäbischen Wort für Aufkleber. Offenbar tat er das sehr häufig. Der Pfarrer hat seit dem Frühjahr 2024 sämtliche Zwischenfälle mit dem Israel-Kritiker akribisch dokumentiert.

    Der Mann soll immer wieder nachts vor dem Pfarrhaus „Hallo, Hallo, Bäpperle, Bäpperle“ gerufen und mit einer lichtstarken Taschenlampe in die Fenster geleuchtet haben. Wie eine Nachbarin aussagte, nahm der Mann aber auch drastischeres in den Mund wie etwa „Kindermörder“. Gottesdienstbesucher beschimpfte er schon mal als Nazis und Faschisten. „Gefühlt“ habe der Aktivist im Sommer 2024 „bald jede Nacht“ etwas gerufen, auch mal „Arschloch. Arschloch! Shame on you (Schäm‘ dich)!“. Das habe die Familie damals sehr belastet.

    Regelmäßig tauchten in unmittelbarer Nähe des Pfarrhauses Pro-Palästina-Aufkleber auf, welche der Mesner aber recht zügig entfernen konnte. Als „irre Situation“ empfand es Sedlak, als er einmal mit seiner zwei Jahre alten Tochter über die Straße ging und der Angeklagte mit seinem Wagen auf die beiden zuhielt, stoppte und sein „Bäpperle, Bäpperle“ rief. Er habe nicht gewusst, wie er damit umgehen solle und vor allem, wie sein Kind damit umgehen würde. Erst als der Pfarrer auf Anraten der Polizei vergangenes Jahr eine Überwachungskamera anbringen ließ und die Polizei mit einer „Objektschutzstreife“ regelmäßig im Bereich des Pfarrhauses patrouillierte, sei es ruhiger geworden.

    Dem Pfarrer machen die kleinen Attacken zu schaffen

    Ralf Sedlak hat all die kleinen Vorkommnisse in ihrer Summe offenbar nicht so leicht wegstecken können, wie er sagte. Er schaue sich jetzt öfter um und vermeide Wege, auf denen er dem Aktivisten begegnen könnte – bei einem solchen zufälligen Zusammentreffen sei er als „unchristlicher Hetzer“ beschimpft worden. Auch den sechs Kindern sei geraten worden, dem Mann möglichst aus dem Weg zu gehen: „Sie vermeiden bestimmte Straßen.“

    Er selber, sagte der Geistliche, fühle sich innerlich zerrissen und er wisse nicht, was bei den Kindern „hängen bleibt“. Die Familie habe sich Sicherheitsregeln gegeben. So solle der Nachwuchs sofort den Eltern melden, wenn jemand das Grundstück betrete, „mit dem sie nichts anfangen können“ und im Hof möglichst in einem Bereich spielen, der von außen nicht so gut einsehbar sei: „Aber sagen Sie das mal einem Achtjährigen voller Bewegungsdrang.“ Eigentlich „wollen wir nicht in einem Zustand leben, dass man nicht mehr irgendwo hingehen kann, um eine Konfrontation zu vermeiden.“ Wenn allerdings „bei einer Demonstration durch den Lautsprecher tönt ,Sedlak vor Gericht‘ oder ,Völkermörder‘, dann hören das auch die Kinder.“

    All die Ereignisse klingen bei ihm nach und es brauche sicher eine Zeit, bis er wieder das Gefühl für eine gewisse Normalität entwickeln könne. Es gehe darum, ihn mürbe zu machen. Doch wegzuziehen sei auch keine Lösung, denn das Thema würde ihn dank Social Media auch an einer anderen Pfarrstelle verfolgen. Mittlerweile hat sich der Geistliche eine, wie er sagt, „psychologische Begleitung“ organisiert, die ihn seit Sommer vergangenen Jahres „sporadisch“ unterstützt. Mittlerweile schlafe er wieder besser, eine Zeit lang sei er sehr schreckhaft gewesen.

    Der Prozess wird in zwei Wochen fortgesetzt.

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