Der Bezirk Schwaben benötigt ein großes Lager für archäologische Funde
Wasser tropft an vielen Stellen in die Halle und trägt sie Tag für Tag ein Stückchen ab. Dort, wo früher Webstühle vor sich hinsurrten, hat der sprichwörtliche Zahn der Zeit ordentlich genagt: Die alte Weberei im Sendener Stadtteil Ay hat ihre beste Zeit hinter sich und bröckelt vor sich hin. Betreten absolut verboten, denn Teile des Dachs könnten jederzeit herunterstürzen – an manchen Stellen ist das bereits passiert. Kurz gesagt: Das Industriedenkmal ist in einem desolaten Zustand, eine Rettung schien lange aussichtslos. Nun bahnt sich eine mögliche Lösung für das Gebäude an – und auch eine für ein Problem des Bezirks Schwaben, der nach einer Gesetzesänderung aus dem Jahr 2023 unter Druck steht.
Wer in bayerischen Böden Knochen, Tonkrüge oder andere Artefakte längst vergangener Zeiten findet, durfte sie lange behalten. „Bayern war ein Eldorado der Sondengänger“, sagte Bürgermeisterin Claudia Schäfer-Rudolf dem Sendener Planungs-, Bau- und Umweltausschuss in seiner Sitzung am Dienstagabend. Zeugnisse der Vergangenheit seien so teils einfach im Privatbesitz Einzelner verschwunden.
Seit fast drei Jahren ist das nicht mehr so: Archäologische Funde – in Fachsprache auch Bodendenkmäler genannt – gehen mittlerweile ins Eigentum des Freistaats über und müssen abgegeben werden. Kommunen und Bezirke haben dann die Aufgabe, einen passenden Ort zu finden, um sie unterzubringen.
Und das funktioniert bisher nicht sonderlich gut, wie die Sitzungsunterlage des Ausschusses zusammenfasst: „Viele archäologische Funde in Schwaben lagern derzeit unter katastrophalen Bedingungen.“ Teils seien sie in feuchten Kellern untergebracht, auf ungesicherten Dachböden oder überfüllten kommunalen Museen. Der Bezirk Schwaben stehe daher unter Druck, eine Lösung zu finden, um die zahlreichen Fundstücke fachgerecht zu lagern – und ein sogenanntes „Schatzregal“ zu schaffen.
Und hier kommt die alte Sendener Weberei ins Spiel. Während sie wohl in ihrem aktuellen einsturzgefährdeten Zustand denkbar schlechte Voraussetzungen für ein solches Depot aufweist, hat sie laut Bürgermeisterin Schäfer-Rudolf einen entscheidenden Vorteil: einen dicken Boden. Ursprünglich war der einmal für die Webstühle essenziell, jetzt kommt er Senden auf andere Weise zugute. Viele der Funde, die hier künftig gelagert werden könnten, haben ein großes Gewicht – und das soll die alte Weberei wohl ohne Probleme aushalten können.
Außerdem ist hier viel Platz für viele Schätze: Allein die Webereihalle hat eine Größe von knapp 10.000 Quadratmetern, die derzeit ungenutzt sind – und für die sich bislang keine Verwendung fand. Und auch niemand, der die nötigen Millionen Euro für die aufwendige Sanierung in die Hand nehmen konnte.
Senden selbst hat hier zumindest keine finanzielle Handhabe, schon ein Abriss würde mehrere Millionen Euro kosten und den angespannten Haushalt der Stadt überstrapazieren. Und abgerissen werden darf die alte Weberei als denkmalgeschütztes Gebäude ohnehin nicht.
Jahrelang stand Senden deswegen mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalschutz in Konflikt, mehrere potenzielle Lösungen wurden wieder verworfen. Es war eine „never ending story“, wie es Stadtrat Theodor Walder (CSU) ausdrückte, eine Geschichte, die einfach nicht enden wollte. Eine, die nun aber vielleicht endlich ein Ende gefunden hat.
Der Bezirk Schwaben hat zumindest bereits eine Absichtserklärung unterzeichnet, dass er in der alten Weberei in Senden ein archäologisches Zentraldepot für ganz Schwaben betreiben möchte. Wenn die Halle dann einmal saniert ist, würde der Bezirk die Räume für das Schatzregal im Auftrag vom Freistaat bei der Stadt anmieten.
Für Senden sei das eine große Chance: Mit dem Schatzregal würde eine Lösung für die Gefahrenstelle der alten Weberei gefunden, mit der das Denkmal erhalten bleibt – und die die städtischen Finanzen schont, befanden die Stadträte einstimmig. Denn der Eigenanteil, den die Stadt bei der Sanierung beisteuern müsste, ist wegen hoher Förderquoten wohl gering. Eventuell soll es außerdem möglich sein, dass hier künftig ein Schaudepot für die Funde eingerichtet wird, die in den vergangenen Jahren im Norden der Stadt ausgegraben wurden.
In einem ersten Schritt muss nun aber erst einmal sichergestellt werden, dass der Verfall der einsturzgefährdeten Halle gestoppt wird. In einem weiteren Schritt soll herausgefunden werden, wie viele solche Funde es bereits gibt und ermittelt werden, wie sich deren Zahl künftig wohl entwickelt.
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