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Olympia

03.03.2018

Der Ulmer Gold-Arzt bei Olympia

Die deutsche Skisprung-Mannschaft hatte in Südkorea einiges zu feiern. Vier Medaillen gab es für sie: ein Mal Gold und drei Mal Silber. Mark Dorfmüller (obere Reihe rechts) aus Ulm war mit dabei.
Bild: Daniel Karmann, dpa

Mark Dorfmüller war als Teamarzt der Skispringer in Südkorea. Im Interview erzählt er von der Geschlossenheit der Mannschaft und der Kritik an den Spielen.

31 Medaillen, davon 14 Gold, zehn Silber und sieben Bronze. Der Erfolg der deutschen Mannschaft bei den Olympischen Winterspielen in Südkorea wird noch lange nachhallen. Maßgeblich an der Leistung beteiligt waren auch die Skispringer um Gold-Gewinner Andreas Wellinger, die insgesamt vier Medaillen (inklusive Silber für Katharina Althaus) beisteuerten. Betreut wurden sie unter anderem vom Teamarzt Mark Dorfmüller aus Ulm. Für den 52-Jährigen waren die Spiele in Pyeongchang schon die fünften, zu denen er als Arzt mitreiste. Zu den Sommerspielen begleitet er regelmäßig die deutschen Boxer.

Herr Dorfmüller, Sie waren zweieinhalb Wochen in Pyeongchang, gab es in der Zeit etwas, das sie an ihrem Zuhause vermisst haben?

Dorfmüller: (Lacht) Ich denke mal, das Essen meiner Frau, die Italienerin ist und mediterran kocht. Und das, obwohl das Essen im olympischen Dorf sehr ausgewogen und vielfältig war.

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Sie sind seit wenigen Tagen wieder zurück in Deutschland. Spüren Sie noch den Jetlag?

Dorfmüller: Der Jetlag hat schon noch ein bisschen gedauert, bis ich mich dann wieder fit gefühlt habe. Wir hatten uns aber mit der ganzen Mannschaft sozusagen um acht Stunden nach vorne gestellt. Wir sind sehr spät ins Bett gegangen und haben unsere Mahlzeiten verschoben, sodass wir fast in der westlichen Zeit waren, als wir zurückgeflogen sind.

Mediziner aus Ulm bei den Olympischen Spielen 2018

Mit im Gepäck bei der Heimreise hatten die deutschen Skisprung-Männer drei Medaillen. Welchen Anteil hat der Teamarzt daran?

Dorfmüller: Puh, das kann man nicht so direkt sagen. Im Team versuchen wir, uns so vorzubereiten, dass jeder Athlet auf dem Punkt fit ist. Und da arbeitet man sehr viel mit Prophylaxe und hofft dann, dass die Jungs fit bleiben. Denn wenn ein Sportler stürzt oder sich ansteckt, kann man als Arzt auch nicht helfen.

Waren die Spiele für sie ruhig oder gab es bei den Skispringern einen größeren Einsatz?

Dorfmüller: Mit den Skispringern war es an und für sich ruhig. Sonst war ich dann eher innerhalb des deutschen Teams betroffen, wenn es um andere Athleten ging. Da hat man dann natürlich auch zusammengearbeitet.

Wie sieht der Alltag eines Teamarztes bei olympischen Spielen aus?

Dorfmüller: Man wohnt ja zusammen mit den Athleten, geht zusammen zum Frühstück und dann läuft es je nach Tagesplan. Wir haben fast jeden Tag trainiert, wenn nicht an der Schanze, dann eben im Kraftstudio. Da werden ständige Messungen gemacht, um die Schnelligkeit und Kraft der Athleten einschätzen zu können. Die Athleten haben natürlich auch jeden Tag Physiotherapie, sodass man sie gleich behandeln kann, wenn Probleme auftreten. Ich war auch drei Mal mit Andreas Wellinger bei Doping-Kontrollen und bin immer vor Ort, damit ich die Sportler unterstützen kann. Und das zieht sich dann eben vom Frühstück – das wir sehr spät gemacht haben, weil wir immer erst zwischen drei und vier Uhr ins Bett gegangen sind – bis zwölf oder ein Uhr nachts.

Die Spiele in Südkorea waren ja ihre fünften, was hat Pyeongchang für Sie ausgezeichnet?

Dorfmüller: Was mir subjektiv aufgefallen ist, hat sicher auch mit dem Erfolg der Athleten zu tun, mit dem Teamspirit. Das Team Deutschland als gesamtes habe ich noch nie so geschlossen erlebt wie bei diesen Spielen. Genau wie die Organisation und auch der Umgang mit den freiwilligen Helfern, die unfassbar freundlich und hilfsbereit waren – das war schon ein Unterschied zu Sotschi oder zu Rio.

Skispringer-Teamarzt Mark Dorfmüller im Interview

Die beiden vergangenen Spiele und auch jetzt Olympia in Südkorea standen im Schatten der Doping-Skandale. Viele Zuschauer wenden sich deshalb von Olympia ab. War das auch ein Thema vor Ort?

Dorfmüller: Man bekommt natürlich schon mit, dass es gerade am Anfang sehr viel Kritik gab. Und die ist auch in vielen Bereichen berechtigt. Es ist für viele Beobachter schon schwer zu verstehen, warum die nächsten Winterspiele in Peking stattfinden und nicht in Ländern, in denen es schon entsprechende Vorbereitungen gibt. Es scheint ja wirklich nur noch darum zu gehen, neue Dinge zu bauen und so die Sponsoren zu nutzen. Da ist ja auch was dran. Aber ich denke, wir kommen von diesen immensen Summen, die da bewegt werden, nicht weg. Das Leben besteht nun mal auch daraus, dass jemand Geld verdienen will. Aber klar, gerade bei den Sommerspielen war die Kritik sehr groß. Da will ich mir zwar nicht zumuten, die Lösung zu haben, aber das kann auf Dauer nicht so bleiben.

Und wie war das für die Sportler?

Dorfmüller: Im kleinen, also im Team, ist die Stimmung enorm gewesen und da vergisst man alles drumherum, die Doping-Problematik, die Korruptionsvorwürfe, die ja in Rio ganz groß waren und konzentriert sich lieber auf seinen Sport, um topfit zu sein. Da spielt das dann keine Rolle mehr.

Würden Sie sagen, dass die Zahl der Olympia-Kritiker seit Vancouver 2010 zugenommen hat?

Dorfmüller: Subjektiv betrachtet würde ich sagen, dass es erst mit Sotschi kritisch wurde. Allerdings waren die Spiele in Russland sehr gut organisiert und sehr gute Spiele, bis der Doping-Skandal aufgedeckt wurde. Doch die Kritik wächst und die Olympia-Organisatoren müssen sich sehr gut überlegen, wo sie sich hinbewegen. Ich glaube, dass der Olympiagedanke von der Ethik und der Fairness im Sport lebt. Das ist der Grundgedanke, der dahintersteckt. Der Friede unter allen Menschen und den Besten in einem Sport zu finden. Bei dem Gedanken muss man bleiben, denn sonst sind Veranstaltungen wie die Vierschanzentournee irgendwann mehr wert, als zu Olympia zu fahren. Das wäre sehr schade.

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