Gewichtheben

21.02.2018

Die Einzigen ihrer Art

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Die Heber des ASV Neu-Ulm haben in ihrer langen Vereinsgeschichte viel gewonnen. Der Trainingsraum wird geschmückt von Pokalen, Plaketten und Urkunden.

Der Sport wird in der Region nur noch beim ASV Neu-Ulm betrieben. In seiner langen Geschichte hat der Verein viele Erfolge gefeiert. Unvergessen sind ein Weltrekord und eine olympische Medaille

Es riecht ziemlich intensiv im Trainingsraum der Gewichtheber vom ASV Neu-Ulm. Aber irgendwie anders, als in anderen Sporthallen. In der Luft liegt ein Aroma aus Eisen, Leder, altem Holz und frischem Schweiß. Vielleicht ist es auch der Geruch der Geschichte des ASV Neu-Ulm, der den Raum durchdringt, der von zahlreichen historischen Fotografien, Pokalen und Zeitungsartikeln geschmückt wird.

Der ASV hat eine 120-jährige Historie. Es gab Zeiten der Blüte. Die Mannschaft wurde 1976 Vizemeister in der Bayernliga Süd und im Jahr darauf Meister der Landesliga Süd. Unvergessen bleibt auch die Kampfgemeinschaft mit dem ASV Bellenberg im Jahr 1971. Zu den Bellenbergern gehörte damals ein gewisser Rudolf Mang, einer der besten Superschwergewichtler der Welt, der unter anderem im Jahr darauf in Ulm mit 230,5 Kilogramm im Drücken, einer Disziplin, die es heute nicht mehr gibt, einen Weltrekord aufstellte und 1972 in München die olympische Silbermedaille gewann. Erich Schmid, mit 76 Jahren der zweitälteste Heber beim ASV Neu-Ulm und immer noch recht trainingsfleißig, erinnert sich sehr gut: „Das war eine großartige Zeit, die war ganz anders als heute. Der Rudolf hat damals noch in der Garage trainiert.“ Der Trainingsraum der Neu-Ulmer in der Offenhauser Grundschule ist auch nicht groß, vielleicht doppelt so groß wie eine geräumige Doppelgarage. Da wird es eng, wenn sich gleichzeitig zehn, 15 oder gar noch mehr Athleten zum Training treffen. Aber die Neu-Ulmer sind froh, dass sie diesen Raum haben, zumal sie in der darüber liegenden Halle ihre Wettkämpfe austragen können.

Am vergangenen Sonntag hatte die Aktivenmannschaft mit Anna van der Meij, Annukka Hirsi, Katharina Beck, Benedikt Krob, Ronny Melcher, Alois Dechant, Peter Oehmke und Stefan Emmerling in Burgau ihren letzten Wettkampf der Saison. Ein Punkt hätte für die Meisterschaft in der Bezirksliga Schwaben gereicht. Aber der ASV verlor das Reißen knapp mit 427:431 und das Stoßen mit 516:557 Kilogramm. Trotzdem ein schöner Erfolg, denn das Team ist noch ganz neu. „Mehr als zehn Jahre lang gab es bei uns keine Mannschaft“, berichtet Thomas Stöhr, Abteilungsleiter des ASV, wie Thomas Graupeter und Murat Atac Trainer im Verein und selbst aktiver Heber: „Im vergangenen Jahr kamen aber ein paar junge Leute dazu und jetzt erleben wir wieder einen richtigen Aufschwung.“ Stöhr muss zwischen seinen Worten immer wieder kleine Pausen einlegen. Immer dann, wenn ein Athlet seine Hantel mit den schweren Scheiben an beiden Enden zu Boden krachen lässt. Wumm, wumm, wumm – wenn mehrere Gewichte fast gleichzeitig runter knallen, entsteht ein ohrenbetäubender Lärm. Die Gewichtheber sind das gewöhnt, der Besucher weniger.

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Die Jüngeren, unter ihnen drei Frauen, kamen vorwiegend vom Cross-Fit. Das ist eine Mischung aus Gewichtheben, Sprinten, Eigengewichtsübungen und Turnen. Stöhr freut sich: „Die Cross-Fit-Bewegung belebt unseren Sport eindeutig.“ Derzeit gibt es beim ASV Neu-Ulm 17 aktive Heber für das Bezirksligateam und die Master-Mannschaft, in dem die über 35-Jährigen Gewichte stemmen. Der Star der Routiniers ist Waldemar Altvater, 60 Jahre alt, Bayerns zweitbester Altersklasseheber und amtierender Europameister.

Die aktiven Heber treffen sich dreimal pro Woche zum Training und sie schätzen, dass sie dabei jeweils etwa zehn Tonnen Gewicht zur Hochstrecke bringen. Die Befürchtung liegt nahe, dass diese Belastung irgendwann problematisch für die Gelenke werden könnte. Masters-Heber Henning Seiler hält das Risiko für kalkulierbar: „Spätere Schäden kann es in anderen Sportarten wie Skifahren oder Turnen auch geben. Uns allen hat das Gewichtheben nicht geschadet. Waldemar Altvater ist dafür das beste Beispiel. Er hat keinerlei gesundheitlichen Probleme.“

Aber auch das Training gerade in einem so kleinen Raum wie in der Grundschule Offenhausen wirkt auf den Laien gefährlich. Es ist eine gruselige Vorstellung, dass einem Athleten mal so eben 100 Kilogramm oder mehr auf den Fuß fallen. Doch Thomas Stöhr beruhigt: „Ich bin seit zehn Jahren im Verein und seitdem ist noch nie ein Unfall an der Hantel passiert.“

Gewichtheben ist und bleibt natürlich eine Randsportart. Früher wurde sie auch beim ASV Bellenberg und bei Ulm 1846 betrieben, übrig geblieben ist nur der ASV Neu-Ulm.

Um Gleichgesinnte zu finden, müssen die ASV-Athleten nach Burgau, Höchstädt oder Augsburg fahren. Was ihnen nichts ausmacht, denn ihr Motto lautet seit vielen Jahrzehnten: „Heben gehört zum Leben.“

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