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14.06.2009

Ein bisschen verrückt muss man schon sein

Blaustein/Ulm Als Sporthallen und Fitnesscenter von Trainingswütigen meist längst leer gefegt und in vielen Wohnungen die Nachttischlampen bereits erloschen waren, wurde es im Blausteiner Robert Epple-Stadion erst lebhaft. Da blinkten nacheinander Hunderte von Lämpchen auf. Als ob überdimensionale Glühwürmchen ihren Tanz begännen. Die überdimensionalen Glühwürmchen entpuppten sich in der Dunkelheit der Nacht, die zwischendrin nur durch das Aufleuchten von vier riesigen, mitten auf dem Sportplatz platzierten Ballonen leicht erhellt wurde, als Männer und Frauen im Sportdress, die ein Stirnband mit einem Minischeinwerfer trugen und sich aufwärmten. Wenn man 100 Kilometer durch die Nacht läuft, braucht man etwas Erhellendes.

Es ging rapide auf 23 Uhr zu und immer mehr Läufer drängten Richtung Start. Von einigen unter den paar hundert Zuschauern, die dem 100 Meter weiter aufgebauten Bierzelt - zumindest vorübergehend - entsagt hatten, etwas skeptisch betrachtet. Man muss schon ein bisschen verrückt sein, wenn man sich auf Schusters Rappen 100 Kilometer lang die Nacht rund um Ulm um die Ohren schlägt. Oder zumindest soweit die Füße tragen. Die meisten Ultraläufer haben es geschafft, haben am nächsten Morgen das Ziel - ebenfalls im Robert Epple-Stadion - erreicht. Der eine oder die andere ist auf der Strecke geblieben, sprich ist nach 50 oder 80 Kilometern ausgestiegen. "Das ist absolut okay", sagt Markus Ebner von dem Sportteam, das die 1. Ulmer CEP-Laufnacht veranstaltet hat. Genug ist genug. Nur zwei Läufer mussten ärztlich versorgt werden. "Aber da ist nichts weiter zu befürchten" weiß Ebner.

Mit gigantischem Feuerwerk aus dem Stadion begleitet

Als um 23 Uhr der Startschuss fiel und sich gut 400 Läufer in Bewegung setzten, um sich der Tortur zu stellen, wurden sie mit einem gigantischen Feuerwerk aus dem Stadion begleitet. Da wurde es ihnen noch einmal warm, bevor die immer kühler werdende Nacht sie verschluckte. Unterwegs kamen noch rund 300 Läufer dazu, die "nur" kürzere Etappen in einer der 88 Staffeln bestritten. "Das packen wir", machte ein Läufer noch seinem Kumpel Mut, während ein anderer keine Ahnung hatte, wie lange seine Lampe brennen werde. "Aber ich habe noch Batterien dabei", beruhigte er sich. Sonst hätte es riskant werden können, denn gelaufen wurde fast nur auf gut ausgeschilderten Fahrrad-, Feld- und Waldwegen. Nur in Wiblingen haben sich ein paar verlaufen. Bei 100 Kilometern macht doch einer mehr auch nichts aus . . .

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Die Strecke führte von Blaustein nach Erbach, von dort über Donaustetten nach Wiblingen, weiter nach Ulm, Oberelchingen, Jungingen Mähringen und über Bollingen zurück nach Blaustein. "Genau 100 Kilometer, offiziell vermessen", versicherte Bernd Hummel vom Organisationsteam. Die Strecke war sehr anspruchsvoll, aber alle Teilnehmer waren von ihr begeistert. Für die Schnellsten wurde es erst bei Kilometer 65 wieder hell. Da hatten sie noch rund drei Stunden vor sich. Die vielen Streckenposten haben es ihnen - vor allem an den 18 Verpflegungsstellen - leichter gemacht.

Gewonnen haben alle. Schnellster war schließlich Favorit Dr. Thomas Miksch, der Kemptener, der momentan in Ulm arbeitet und der deutschen Ultra-Nationalmannschaft angehört. Nach 7:58 Stunden, also morgens um 6.58 Uhr, überquerte er vor 50 applaudierenden Zuschauern als bester Einzelläufer die Ziellinie. Der Schlussläufer der ersten Staffel hatte dies bereits um 6.03 Uhr getan. Schnellste Frau war Dana Jungmann aus Langenau (9:30 Stunden). Sie hatte erst richtig mit dem Laufen begonnen, als der Einstein-Marathon in Ulm populär wurde. Und jetzt ist sie Ultrafrau.

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