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Regionalliga Südwest

19.10.2020

Einer kann gar nicht hinschauen

Von den Gratulanten kaum einzufangen: Johannes Reichert (Mitte) nach seinem Elfmetertor gegen Offenbach.
Bild: Horst Hörger

Johannes Reichert ist sich beim Elfer sicher, sein Trainer weit weniger

Wer wissen wollte, wie wichtig dieses Spiel und sein Ergebnis waren, der musste sich nach der Partie nur Johannes Reichert anschauen. Der Verteidiger der Ulmer Spatzen stand in der Interviewzone des Donaustadions, war überströmt mit Schweiß, erschöpft – aber glücklich. „Ganz, ganz wichtige drei Punkte“, sagte er. Mit 1:0 gewann der SSV Ulm 1846 Fußball am Freitagabend das Topspiel in der Regionalliga Südwest gegen die Kickers Offenbach. Es war ein Geduldsspiel, an dessen entscheidenden Moment Johannes Reichert selbst beteiligt war und den Ulms Trainer Holger Bachthaler gar nicht mit anschauen konnte.

Weil Ulms Mitbewerber um die oberen Plätze in der Tabelle wie Elversberg, Homburg oder der FSV Frankfurt am Wochenende ebenfalls punkteten, hatte der Spatzen-Erfolg optisch zwar keine großen Auswirkungen auf das Klassement, der SSV ist jetzt aber wieder in Lauerstellung gegangen und hat punktetechnisch Boden gut gemacht. Nur der Tabellenerste Steinbach Haiger ist mit sieben Punkten Abstand so schnell nicht greifbar. Das Team gewann auch am Wochenende und präsentiert sich mit sieben Siegen in neun Partien als sehr konstant. Diese Konstanz hat den Spatzen zuletzt gefehlt, auf das 1:3 gegen Großaspach vor einer Woche oder der durchwachsenen Partie im WFV-Pokal gegen Ehingen war die Leistung gegen Offenbach jedoch die richtige Reaktion: „Heute waren wir bei annähernd 100 Prozent und dann gewinnen wir die Spiele“, sagte Holger Bachthaler. „Aber, und das ist halt auch die Wahrheit: Wenn wir nicht 100 Prozent auf den Platz bekommen, sondern nur 85 oder 90, dann wird’s schwierig.“ Bachthaler hatte vor der Partie vor allem mehr Aggressivität im Spiel gegen den Ball gefordert und die hat er von seinen Spielern bekommen.

Besonders defensiv zeigten sie eine deutliche Verbesserung und brachten das Kunststück fertig, die Kickers Offenbach, die bis zu diesem Zeitpunkt noch keine Ligapartie verloren hatten, praktisch nahezu aus der Offensive zu nehmen. Wenn es mal gefährliche Vorstöße der Gäste gab, dann über die linke Seite, wo Davud Tuma nur schwer zu stoppen war. Gefährliches kam dabei jedoch selten heraus. Das galt allerdings auch für die Spatzen, die es trotz ihrer Dominanz schwer hatten, an der starken Offenbacher Abwehr vorbeizukommen.

Erst in der zweiten Hälfte wurden die Ulmer im gegnerischen Strafraum zwingender und hatten gute Gelegenheiten durch Felix Higl oder Tobias Rühle. In der Chancenverwertung bleibt Luft nach oben, es war das dünne Haar in der Suppe der ansonsten starken Ulmer Leistung. Sie bekamen ja ohnehin Hilfe von ihren Gästen, die ab der 72. Minute in Unterzahl spielen mussten, weil der Ex-Ulmer Luigi Campagna mit Gelb-rot vom Platz musste. In der 84. Minute holte der eingewechselte Anton Fink einen Strafstoß heraus und bescherte seinem Team und Johannes Reichert die Chance, die Partie spät zu entscheiden. Der Verteidiger schnappte sich den Ball und lief zum Punkt. Elfmeter sind eine seiner Paradedisziplinen, sein Trainer war trotzdem nervös: „Ich habe gar nicht hingeschaut. Das war der erste Elfmeter in meiner Trainerkarriere, den ich nicht gesehen habe.“ Hätte er hingeschaut, hätte er aber gesehen, dass Reichert den Ball sicher verwandelte. Reichert selbst war sich seiner Sache sicherer: „Ich habe gewusst, dass ich ihn mache und ihn einfach reingehauen.“

SSV Ulm 1846 Fußball: Ortag - Stoll, Reichert, Geyer, Schmidts - Heußer (80. Kilic), Sapina, Beck, Gashi - Higl (73. Fink), Rühle (89. Kienle).

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