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Fußball

23.08.2020

Erfolg des SSV Ulm 1846 im WFV-Pokal: Mit Herz, Freistoß und Maske

Johannes Reichert reckt den WFV-Pokal in die Höhe, nachdem er uns sein SSV Ulm 1846 Fußball den Regionalligisten TSG Balingen verdient mit 3:0 besiegt hatte. Die Feier fiel wegen Corona aber ungewohnt aus: Teils mit Maske und nur vor wenigen Zuschauern.
Bild: Eibner/Drofitsch

Plus Nach dem dritten Pokalerfolg nacheinander inklusive DFB-Pokaleinzug ist die Laune bei den Spatzen ausgezeichnet. Die Siegesfeier dürften sie so schnell aber nicht vergessen.

Am schwersten hatten es wohl die Spieler der Regionalligisten TSG Balingen in der grotesken Szenerie des Stuttgarter Gazi-Stadions. Gerade hatten sie am Samstag das WFV-Pokalfinale gegen den SSV Ulm 1846 Fußball verdient mit 0:3 verloren, da musste sich jeder von ihnen eine Stoffmaske über den Mund ziehen (nachdem sie zuvor über 90 Minuten schutzlos über den Rasen gerannt waren), den Gang vorbei an den feiernden Ulmern über sich ergehen lassen und sich ihre Medaillen für den zweiten Platz auch noch selbst von einem kleinen Stehtisch abholen.

Zu beneiden waren sie nicht, aber so sah das württembergische Verbandspokalfinale des Jahres 2020 nun mal aus. Für die Ulmer Spatzen war die Siegesfeier auch nur deshalb angenehmer, weil sie eben gewonnen hatten. Doch den dritten Erfolg im WFV-Pokal nacheinander dürften auch sie so schnell nicht vergessen. „Es ist schon sehr skurril“, sagte Ulms Trainer Holger Bachthaler nach dem Spiel. „Die Feierlichkeiten und die Emotionen nach dem Spiel, die gehen einem schon komplett ab. Wir fahren heute im Bus mit 40 Mann hier her, müssen beim Mannschaftsfoto aber Abstände einhalten. Das ist schon sehr, sehr seltsam, aber der WFV hat die gleichen Vorgaben, die er so weitergibt. Deshalb muss man das akzeptieren.“ Der württembergische Verband WFV stand bei der Durchführung des Endspiels unter Zugzwang.

SSV Ulm 1846 Fußball erreicht DFB-Pokal gegen Erzgebirge Aue

Wie in den vergangenen beiden Jahren auch wurde die Begegnung im Rahmen des Finaltags der Amateure live in einer Konferenz der ARD gezeigt, der SWR übertrug die Partie in voller Länge in einem Livestream. Viele Kameras also, die den kleinsten Verstoß der Hygieneauflagen aufzeichnen und schnell in die ganze Bundesrepublik senden konnten. Ein heikles Unterfangen, denn in Anbetracht der steigenden Corona-Fälle gibt es mittlerweile einige, die leise Zweifel hegen, ob denn die neue Saison im Amateurfußball im September wie geplant starten, geschweige denn auch zu Ende gespielt werden kann. Am Samstag war das Thema aber erst mal zweitrangig, das Hygienekonzept des WFV griff, auf der Haupttribüne tummelten sich 100 Ulmer Fans, Sponsoren und Klubmitglieder sowie 100 Balinger.

Die Taktik deren Mannschaft war es, aus einer sehr engen Defensive heraus auf Konter zu lauern. Grundlage dafür war ein 5-4-1, das den Ulmern zumindest im Zentrum die Lust am Fußballspielen nahm. Dort gab es gerade zu Beginn der Partie einige Ulmer Fehlpässe zu sehen, den ersten Torschuss der Partie hatte Balingens Simon Klostermann, der für SSV-Torhüter Niclas Heimann allerdings kein Problem darstellte. Heimann hatte abermals den Vorzug gegenüber Christian Ortag bekommen, auch vor einer Woche hatte er beim 8:0 gegen den TSV Eschach im Tor gestanden. Wie es im Konkurrenzkampf zwischen ihm und Ortag um den Stammplatz gerade steht, könne er nicht sagen, erklärte er. „Ich bin dafür geholt worden, um zu spielen“, sagte er nur. Dass er im Startaufgebot des Finales stehen würde, habe er erst bei der Verkündung der Aufstellung erfahren.

Für Heimann war es ein ruhiger Arbeitstag, die Kontertaktik der Balinger ging nur während kleinerer Vorstöße auf, Ulm war das bessere Team, brauchte allerdings 52 Minuten, um sein erstes Tor zu erzielen. Bachthaler hatte mit der Taktik der TSG gerechnet: „Dass es bei einer Fünferkette landet, das haben wir schon auf dem Schirm gehabt. Wir haben gut verteidigt, was ja wichtig war, weil man in solchen Situationen immer Gefahr läuft, in Konter zu laufen. Aber das haben wir richtig gut gemacht.“ Dem 1:0 durch Tobias Rühle ging eine schöne Flanke von Michael Heilig voraus, der auf der rechten Defensivseite den verletzten Lennart Stoll ersetzte. Die linke und rechte Defensivseite der Ulmer war personell durch den Ausfall von Stoll, Marcel Schmidts und Angelo Rinaldi löchrig, Heilig und auf der linken Seite Nicolas Jann waren aber ein guter Ersatz. Das 2:0 erzielte der eingewechselte Ardian Morina (70.) und auch das 3:0 steuerte er per direkt verwandeltem Freistoß (90.) bei.

Spatzen-Trainer Holger Bachthaler: Sind auf dem richtigen Weg

Der dritte Finalsieg in Serie der Ulmer ist gleichbedeutend mit dem dritten Einzug in den DFB-Pokal. Die Partie gegen Erzgebirge Aue ist für das Wochenende des 11. September geplant. „Sehr wichtig“ sei dieses Spiel, sagte Holger Bachthaler. „Es zeigt einfach, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“

SSV Ulm 1846 Fußball: Heimann – Heilig, Reichert, Geyer, Jann – Heußer, Beck (82. Gashi), Sapina, Coban (90. Kienle) – Higl (70. Fink), Rühle (61. Morina).

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