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Debatte

16.09.2019

Expertenrunde in Neu-Ulm: Ist E-Sport wirklich kein Sport?

Ein Turnier der Fußballsimulation „Fifa“. Der Deutsche Philipp Schermer (rechts) spielt unter dem Namen „Eisvogel“ und gehört zu den besten Spielern weltweit – das lohnt sich. Die Preisgelder und Zuschauerzahlen sind sehr hoch. Nicht umsonst haben viele Bundesligisten eigene „Fifa“-Teams.
Bild: Ben Hoskins/Getty Images/FIFA/dpa

Eigentlich ist die Frage, ob E-Sport als eigene Disziplin gilt, beantwortet. Trotzdem diskutieren Experten in Neu-Ulm darüber. Doch warum eigentlich?

Die Frage, ob es sich beim E-Sport, also dem wettkampfmäßigen Spielen von Videospielen, um eine eigene Sportart handelt oder nicht, hat vor wenigen Wochen eine scheinbar klare Antwort bekommen. Nein, E-Sport ist kein Sport, sagte der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB), das höchste deutsche Sportorgan, und bezog sich auf ein Gutachten, das er in Auftrag gegeben hatte. Akte zu, Fall geschlossen? Nicht für die Anhänger der Szene, die weiter auf eine Anerkennung pochen. Wieso, das war die Frage einer Expertenrunde, die darüber kürzlich in der Neu-Ulmer Ratiopharm Arena debattierte.

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Auch interessant: Der DOSB hält E-Sport nicht für echten Sport - zu Unrecht?

Die Arena war nicht zufällig gewählt worden von Initiator Maximilian Deisenhofer, sportpolitischer Sprecher der grünen Landtagsfraktion. Dort, wo ab kommender Woche wieder die Ulmer Basketballer in die Saison starten, haben sich auch die Esportler der BBU eingenistet, die seit einem Jahr virtuell auf Körbejagd gehen. In der Diskussion vertrat sie Darius Zähringer, der sich als Projektmanager um den E-Sport der Basketballer kümmert. Dass die Veranstaltung von einer Partei organisiert worden war, kam auch nicht von ungefähr. Im Koalitionsvertrag ist das Ziel formuliert, den E-Sport in Deutschland zu fördern. Der DOSB gilt jetzt vielen als Spielverderber, die Regierung kommt aber auch nicht besser weg, weil sie dem DOSB die Entscheidungshoheit überlässt und die Vorgaben aus dem Koalitionsvertrag scheinbar vor sich herschiebt. Es geht den Spielern um Anerkennung und ums Geld. Erkennt der DOSB den E-Sport und dessen Gemeinnützigkeit an, hätten Vereine die Möglichkeit, wie andere Klubs auch von der Sportförderung zu profitieren. Und Klubs, denen das helfen würde, gibt es. Um die 220 sind es in Deutschland, sagt Hans Jagnow, Präsident des Esport-Bundes Deutschland. In der Region gibt es neben den Basketballern noch die Sparrows Ulm, die E-Sport-Gruppe der Universität. Die Zahl der Menschen, die in der Bundesrepublik Videospiele spielt, schätzt Hans Jagnow auf drei bis vier Millionen, zehn Prozent davon seien Esportler.

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DOSB sagt: E-Sport ist kein Sport

Ein Problem in der Diskussion sehen die Experten der Neu-Ulmer Runde darin, dass viele der Entscheider keine Fachkenntnisse über Videospiele haben und daher die falschen seien, um Entscheidungen zu treffen. Das sieht auch Robert Schraudner so, Vizepräsident des Bayerischen Fußballverbands (BFV). Zum zweiten Mal hat der BFV in diesem Jahr ein Videospielturnier veranstaltet. Über 1000 Anmeldungen hat es gegeben, gespielt wurde die Fußballsimulation „Fifa“. Weil der BFV ein gemeinnütziger Verein ist, musste er das Geld für die Organisation allerdings aus der angeschlossenen BFV Service GmbH nehmen. „Natürlich würde da die Gemeinnützigkeit des E-Sport helfen“, sagte Schraudner. Es gehe ihm auch gar nicht darum, Kinder vom Sportplatz zu holen, sondern dass bestehende Klubs eine weitere Möglichkeit bekommen, die Gemeinschaft im Verein zu stärken: „Früher hat man nach dem Training noch Schafkopf gespielt. Heute ist es eben Fifa.“ In der Diskussion gehe es auch um einen Generationenkonflikt. Schraudner erzählt eine Anekdote: Er habe sich mit einem älteren Vereinsvorsitzenden unterhalten, um ihm die Vorteile von E-Sport im Klub schmackhaft zu machen, was der Vorsitzende aber konsequent ablehnte. Zufällig saß der Kapitän der ersten Mannschaft dabei. „Der erzählte ihm, dass jeder Fußballer im Team Fifa spielt. Da ist der Vorsitzende vom Glauben gefallen.“

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Die Relevanz von Videospielen erkennt auch der DOSB an und schreibt auf seiner Webseite, er unterstütze „die Entwicklung von Qualifizierungen und von pädagogischen Konzepten für den Umgang mit eGaming in Vereinen“. Davon abgesehen möchte er E-Sport aber nicht als Sport sehen, da es sich dabei um „keinen Sport im Sinne des geltenden Rechts“ handle. Es geht vor allem um die scheinbar fehlende Körperlichkeit. Außerdem stört es ihn, dass es beim E-Sport nicht nur Sportsimulationen gibt, sondern auch Genres, die nichts mit klassischen Sportarten zu tun haben. Hans Jagnow sieht das naturgemäß anders. Er verweist vor allem auf die feinmotorischen Ansprüche des E-Sport und die Reaktionsfähigkeit der Spieler. „Das sind Handlungen, die als Sport zu qualifizieren sind.“ Niemand in der Arena wollte ihm widersprechen. Allerdings nahmen auch nur Unterstützer des E-Sport an der Diskussion teil.

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