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Fußball

15.02.2019

Fußballfans und ihre Leidenschaft: Blausteiner radelt zur WM 2018

Der Blausteiner Hartmut Bögel (links) ist mit dem Rad zur Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland gefahren.
Bild: Sammlung Bögel

Mit dem Rad zur Fußball-WM nach Russland und zu Fuß von München zum HSV: Zwei Fans erzählen, welche Strapazen sie für ihren Sport in Kauf nehmen – und ob es sie quält

Fußballfans haben es nicht leicht. Mal läuft es gut, mal läuft es schlecht, mal verliert man, mal gewinnen die anderen. Blöd, wenn es vor allem die anderen sind, die gewinnen. Dann ist die Grenze der Leidenschaft zum Leiden fließend. Köln-Anhänger können davon ein Lied singen, Nürnberger sowieso und die des HSV – dazu später mehr.

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So untröstlich ein Fan beim Abstieg oder einem verlorenen Finale auch sein mag, ein Gutes hat das Leiden: körperliche Anstrengungen sind damit keine verbunden. Doch es gibt Fans, die nehmen genau das für ihre Leidenschaft in Kauf. Hartmut Bögel ist einer von ihnen. 52 Jahre alt, schlaksige Gestalt, braun gebrannt – Typ Naturbursche. Der Mann aus dem Blausteiner Ortsteil Wippingen liebt das Radfahren, einen „Alltagsradler“ nennt er sich selbst. Er radelt zur Arbeit, in der Freizeit durchs Blautal oder sonst wo hin und manchmal fährt er eben nach Neuseeland oder zur Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland. So lapidar erzählt er es am Mittwochabend bei der Veranstaltung „Spielraum“ in der Vh Ulm. Lapidar ist seine Geschichte allerdings nicht. 2003 muss er eine Trennung verdauen und möchte Distanz zur Heimat. Da kommt ihm Neuseeland in den Sinn, denn weiter weg ginge ja wohl nicht.

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Blausteiner fährt mit Fahrrad zur Fußball WM 2018 nach Russland

Mit seinem Trekking-Rad im Gepäck fliegt er auf die Insel, tourt dort zwei Monate durchs Land und anschließend weitere zwei Monate durch Australien – 13000 Kilometer insgesamt. Durch die Tour ist die Leidenschaft in Bögel entflammt. „Wie so oft im Leben ergibt sich alles“, erklärt er. Er beschließt, 2008 von der Heimat aus zu den olympischen Spielen in Peking zu radeln und trifft dort einen Südafrikaner, der ihn zur Fußball-WM 2010 einlädt (wieder mit dem Fahrrad). So greift ein Rädchen ins andere. 2012 ist er bei der Fußball-Europameisterschaft in Polen und der Ukraine, 2014 bei der WM in Brasilien und im vergangenen Jahr eben in Russland. 45000 Kilometer lang waren alleine seine Fußballreisen. Insgesamt, schätzt er, hat er schon über 120000 Kilometer auf dem Rad zurückgelegt.

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Immer erlebt er dabei besondere Geschichten, die ihn noch mehr anspornen, weiter zu radeln. Fußballfan ist er ohnehin (vom FC Bayern und SC Freiburg) und auf seinen Touren lernt er ihn noch viel mehr lieben: „Der Fußball ist fantastisch. Er hat die Magie und die Kraft, Grenzen aufzuwischen.“ Wenn er mit seinem Rad bei Turnieren unterwegs ist, hat er daran ein kleines Deutschlandfähnchen befestigt. In Russland erkennen das drei Einheimische, als Bögel an ihnen vorbeifährt. Sie halten ihn an. Er spricht kein Russisch, sie kein Deutsch oder Englisch. Das macht aber nichts. Einer der Männer holt sein Handy raus und zeigt dem Deutschen ein Video. Es ist der Freistoßtreffer von Toni Kroos im Gruppenspiel Deutschlands gegen Schweden zwei Tage zuvor. Immer und immer wieder schauen sie sich den Treffer an, jubeln und fallen sich jedes Mal aufs Neue in die Arme. „Das schafft nur der Fußball“, sagt Hartmut Bögel.

HSV-Fan Volker Keidel lief zu Fuß von München nach Hamburg

Vier Monate lang ist der Wippinger für die WM 2018 gereist, auf dem Rückweg hat er einen kleinen Schlenker über Skandinavien gemacht. Eine lange Zeit, das funktioniert nicht ohne Zugeständnisse. Bögel arbeitet als Altenpfleger in Dornstadt und hat einen offensichtlich sehr kulanten Chef. Immer wenn eine Reise ansteht, sammelt der Alltagsradler weit davor Überstunden an und baut die auf einen Schlag ab. Unterwegs lebt er vom Ersparten, teuer sind seine Reisen ohnehin nicht. „Wenn ich wenig im Hotel übernachte, geht es.“ Ein Zelt hat er immer dabei, genau wie ein „Ohne Worte Wörterbuch“, einen Kompass und Landkarten. Was er nicht dabei hat, sind seine beiden Töchter, von denen er den ein oder anderen wichtigen Moment in ihrem Leben nicht mitbekommen hat. „Man verpasst manchmal was“, sagt er. Das muss er hinnehmen für seine Leidenschaft. Ob die auch manchmal zur Qual auf dem Fahrrad wird? „Es gibt Tage, da ist es eine Qual.“ Etwa bei Gegenwind oder 2010 in Südafrika – da hatte er zwei Wochen lang

Darmprobleme. „Letzten Endes ist es aber eine schöne Qual. Es ist die große Freiheit und ein großes Abenteuer.“ Auf seinen Reisen sammelt er zudem Spenden für das Kinderhilfswerk Unicef. „Der Schwabe fährt ja nicht unnötig durch die Gegend“, sagte er in einem TV-Beitrag. Im Sommer will er zur Frauen-WM nach Frankreich.

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Unnötig durch die Gegend ziehen kommt auch für Volker Keidel nicht in Frage. Der fränkische Buchautor lebt in München und ist HSV-Fan. Schwierig genug, könnte man sagen. Aber für ihn ging es noch schwieriger. Im Ulmer „Spielraum“ las er aus seinem Buch „Mein Ditmar Jacobsweg“ vor, für das er im Jahr 2014 etwa 875 Kilometer weit gewandert ist. Vom Münchner Marienplatz bis zum Hamburger Volksparkstadion. Im Gepäck hatte er eine kleine Meisterschale: „Ich habe gesagt: Wenn ich das schaffe, wünsche ich mir vom Fußballgott die Deutsche Meisterschaft.“ Ein paar Jahre später folgte der Abstieg. 31 Tage lang war er unterwegs, am Anfang sei es eine Qual gewesen, dann aber nicht mehr. Als er schließlich ankam, saß er beim Spiel des HSV gegen Paderborn im Stadion. Hamburg verlor mit 0:3. „Der HSV ist immer das größte Leiden“, sagt er.

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