Newsticker

Bayerns Ministerpräsident Söder will Corona-Regeln in Kommunen an Grenzwerte koppeln
  1. Startseite
  2. Lokales (Neu-Ulm)
  3. Lokalsport
  4. Millionen-Investition: Liqui Moly steigt beim Hahnenkamm-Rennen ein

Ulm/Leipheim

04.08.2020

Millionen-Investition: Liqui Moly steigt beim Hahnenkamm-Rennen ein

Um die 100.000 Zuschauer sind jedes Jahr beim Hahnenkamm-Rennen in Kitzbühel mit dabei. Jetzt steigt das Ulmer Unternehmen Liqui Moly als Sponsor der Großveranstaltung ein.
Bild: Herbert Neubauer/epa apa/dpa

Plus Liqui Moly steigt als Sponsor beim Hahnenkamm-Rennen auf der Streif in Kitzbühel ein - trotz Corona. „Mut der Verzweiflung“, sagt Geschäftsführer Ernst Prost.

Eigentlich, sagt Ernst Prost, hätte er gerne zu sich nach Hause ins Leipheimer Schloss geladen. Weil aber das Interesse an dem, was der Geschäftsführer des Ulmer Schmierstoffherstellers Liqui Moly auf einer Pressekonferenz am Dienstag zu verkünden hatte, so groß war, mussten er und seine Kollegen in ein Tagungshaus in der Nähe umziehen. Im Schloss wäre es wegen Corona zu eng gewesen. Liqui Moly wird ab Januar 2021 für fünf Jahre als Sponsor des Ski-Alpin-Hahnenkammrennens auf der Streif in Kitzbühel fungieren. Und das in der Corona-Zeit, in der auch die Ulmer Firma gebeutelt ist – wie passt das zusammen?

Das möchte Prost an diesem Tag ganz genau erklären. „Wir haben mit dem Mut der Verzweiflung Maßnahmen ergriffen, damit der Laden nicht absäuft“, erklärt er in einer 30-minütigen Rede. Eine dieser Maßnahmen war es, 18 Millionen Euro zusätzlich zum veranschlagten Jahresbudget in Werbemaßnahmen zu stecken, dazu gehört auch das Sport-Sponsoring.

Diese Taktik verfolgt Liqui Moly mit dem Hahnenkamm-Sponsoring

Die Taktik lautet: Durch Werbung noch stärker auf das Unternehmen aufmerksam zu machen und bei großen Sport-Events als Marke vertretbar sein. So sollen neue Kunden gewonnen werden. Es zu versuchen sei er seinen Mitarbeitern schuldig, sagt Prost. Er habe seinen Angestellten, im Betrieb heißen sie Mitunternehmer, versprochen, keinen von ihnen zu entlassen, Kurzarbeit gibt es keine bei Liqui Moly und jeder, der für das Unternehmen arbeitet – weltweit – hat eine Corona-Zulage von 1500 Euro bekommen.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Erlauben können sich die Ulmer das nur, weil sie in den vergangenen Jahren gut gewirtschaftet haben, sie zehren gerade von ihren Ersparnissen. Denn: „Uns geht’s auch nicht gut“, sagt ihr Geschäftsführer. Der Ertrag ging von 25 Millionen Euro vor Steuern im ersten Halbjahr 2019 zurück auf 3,6 Millionen im gleichen Zeitraum in diesem Jahr. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahr in den ersten sechs Monaten um 2,9 Prozent an, im Juli ging er jedoch um sieben Prozent zurück. „Jede Krise ist eine Chance“, sagt Ernst Prost. In der Finanzkrise 2008 und 2009 sind er und seine Kollegen dieselbe Taktik gefahren – und wurden zum Marktführer in Deutschland.

Liqui Moly aus Ulm sponsert das Hahnenkamm-Rennen in Kitzbühel

Das Hahnenkammrennen ist auch eine Chance. 107 internationale TV-Sender übertragen das bekannteste Skirennen der Welt, im Jahr 2019 hatte es mehr Zuschauer als das Tennis-Finale der Männer in Wimbledon. Dass Liqui Moly den Zuschlag für das kommende Jahr bekommen hat, hat es Corona zu verdanken. Eigentlich sind die Werbeflächen des Rennens schon lange ausverkauft, wegen der Krise musste allerdings ein österreichisches Unternehmen seinen Platz räumen. Dann klopfte Harti Weirather bei Liqui Moly an. Der österreichische ehemalige Skirennfahrer und Weltmeister kümmert sich um die Vermarktung des Hahnenkamm. Er ist froh, dass er in dieser Zeit jemanden gefunden hat, sagt aber auch: „Da braucht’s Mut.“

Wie so vieles im Sport ist derzeit noch äußerst unklar, wie die Situation im Januar aussieht und ob es überhaupt ein Rennen geben kann, das Sponsoren benötigen wird. „Wirtschaftlich ist das ein brutales Abenteuer“, sagt der 62-Jährige. Immerhin: Dass ein Sportevent im Freien stattfinden kann, sieht er nicht als große Herausforderung. Da sind jährlich aber noch die 100.000 Zuschauer in Kitzbühel. Sie bereiten Weirather weit größere Kopfschmerzen. Für Liqui Moly ist das Publikum vor Ort jedoch nicht so wichtig, „so hart das klingt“, wie Marketingleiter Peter Baumann sagt. Viel wichtiger seien die TV-Übertragungen und die Präsenz in den sozialen Netzwerken. Die würde es auch ohne Zuschauer an der Strecke geben.

Harti Weirather hat ein Video vom Hahnenkamm-Rennen mitgebracht, in dem das Logo des Ulmer Unternehmens digital auf die Werbebanden montiert wurde. „Ist doch geil, da kommt Freude auf“, sagt Ernst Prost. Bleibt nur die Frage, ob es die Bilder auch so im Januar geben wird.

Lesen Sie dazu auch:

Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren