1. Startseite
  2. Lokales (Neu-Ulm)
  3. Lokalsport
  4. „Nicht gefährlicher als andere Sportarten“

Interview zum Stabhochsprung

04.08.2015

„Nicht gefährlicher als andere Sportarten“

Die Solidarität mit Kira Grünberg ist groß nach dem schlimmen Unfall und die Leichtathletik-Disziplin Stabhochsprung ist in die Diskussion geraten.
Bild: Imago/GEPA pictures

Auch der Ulmer Wolfgang Beck ist nach dem Unfall von Kira Grünberg erschüttert. Aber er verteidigt diese Disziplin

Wie schwer hat Sie die Nachricht vom Trainingsunfall der österreichischen Stabhochspringerin Kira Grünberg getroffen, die wohl vom Hals an abwärts gelähmt bleiben wird, Herr Beck?

Beck: Ich bin erschüttert, zumal ich die Kira persönlich gut kenne. Sie hat zuletzt im vergangenen Winter hier bei uns in Ulm in der Halle trainiert.

Ist Stabhochsprung eine besonders gefährliche Disziplin? Weltklasseathleten fallen schließlich aus mehr als sechs Metern Höhe auf die Matte.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Beck: Die Sache mit Kira ist schlimm und wenn ich so etwas als Trainer miterlebt hätte, dann weiß ich nicht, ob ich hätte weitermachen können. Aber es ist und bleibt ein tragischer Einzelfall. Stabhochsprung ist nicht gefährlicher als andere leichtathletische Disziplinen oder andere Sportarten. Ein Turner kann vom Barren oder vom Reck fallen, ein Radrennfahrer kann schwer stürzen, bei der Weltmeisterschaft in Kasan ist vor ein paar Tagen der Wasserspringer Patrick Hausding auf dem Brett ausgerutscht und hat sich verletzt. Außerdem sind die Weltklasseleute im Stabhochsprung turnerisch alle sehr gut ausgebildet.

Sie waren selbst ein hervorragender Stabhochspringer, bevor Sie dann Trainer und Leichtathletik-Abteilungsleiter beim SSV Ulm 1846 wurden. Ist Ihnen in Ihrer aktiven Karriere nie etwas passiert?

Beck: Mir ist einmal ein Stab gebrochen und ich bin auf dem Kopf gelandet. Damals noch nicht auf der Matte, sondern auf Sand. Das ist eben schon fast 50 Jahre her. Eine Stunde danach bin ich wieder gesprungen.

Was war Ihre schlimmste Erfahrung als Trainer?

Beck: Ich habe über Jahrzehnte Hunderte von Stabhochspringern ausgebildet und es gab nur einen gravierenden Vorfall. Der Springer ist auf den Beinen gelandet, hat sich nach hinten katapultiert und ist neben der Matte mit dem Kopf auf dem Boden aufgeschlagen. Das war aber eigenes Verschulden und er hat keine bleibenden Schäden davongetragen.

Gibt es eine Möglichkeit, die Gefahr von Unfällen zu reduzieren? Es wird über eine Helmpflicht für Stabhochspringer und über die Härte des Einstichkastens diskutiert.

Beck: Nach allem, was man über Kiras Unfall weiß, hätte ein Kopfschutz die schlimmen Folgen nicht verhindert. Ich bin gegen eine Helmpflicht. Stabhochsprung mit einem weichen Einstichkasten wird kaum funktionieren. Wenn ein Springer anläuft, dann entwickelt er horizontale Energie. Die wird beim Einstich des Stabes in den Kasten umgewandelt und der Stab biegt sich. Bei einem weicheren Kasten würde dieser Effekt verpuffen.

Rechnen Sie damit, dass Sie und die Trainer in Ulm künftig vermehrt Fragen zur Gefährlichkeit des Stabhochsprungs beantworten müssen?

Beck: Das kann natürlich passieren und darauf haben wir Antworten. Und wir müssen dann auch sagen, dass beispielsweise niemand ohne Stabhochsprung Zehnkämpfer werden kann. Interview: Pit Meier

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20up005(1).tif
Eishockey

Bei den Devils läuft’s - Sieg gegen TSV Farchant

ad__web-mobil-starterpaket-099@940x235.jpg

Webseite und App freischalten!

Die schnellsten Lokalnachrichten - live,aktuell und multimedial.
Alle Online-Inhalte auf allen Endgeräten zu jeder Zeit, mtl. kündbar.
Damit sind Sie daheim und im Büro immer auf dem Laufenden.

Zum Web & Mobil Starterpaket