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Fußball

26.03.2021

Offenhausen-Stürmer Erkan Ayten war als besonderer Gast im TV-Sender Sky

Wegen der Pandemie bekam Erkan Ayten vom SV Offenhausen zwar kein richtiges Sky-Mikrofon unter die Nase gehalten, mitreden durfte er aber trotzdem.
Foto: Friso Gentsch/picture alliance/dpa

Plus In einem Atemzug mit Robert Lewandowski: Wegen seines Torhungers wird Erkan Ayten vom SV Offenhausen live ins Sky-Studio geschaltet und fachsimpelt mit Dietmar Hamann.

Erkan Ayten bleibt ganz locker, als ihn Dietmar „Didi“ Hamann anspricht. Hamann, einer der bekanntesten ehemaligen deutschen Fußballer, ist seit einigen Jahren Experte beim Pay-TV-Sender Sky und stellt deshalb berufsbedingt öfter mal Fragen. Jetzt möchte er von Ayten wissen: „Wenn du gegen 20-, 22- oder 25-Jährige spielst – die werden natürlich immer schneller und giftiger – wie lange glaubst du denn, dass du den Lewandowski noch machen kannst?“ Also erzählt Erkan Ayten. Dass er überhaupt Fragen von Hamann gestellt bekommt, liegt an einem besonderen Auftritt: Der 41-jährige Spieler des SV Offenhausen war wegen seines langjährigen Torhungers live bei Sky zugeschaltet. „Ein geiles Erlebnis“, sagt er.

Der Münchner TV-Sender wollte mit der Aktion den Amateurfußball würdigen – und den Bayernstürmer Robert Lewandowski, der in der Bundesliga dem 40-Treffer-Rekord von Gerd Müller aus der Saison 1971/72 nacheifert. Deshalb war Sky auf der Suche nach einem Amateurkicker, der eine ähnliche Ausbeute vorzuweisen und in einer Saison selbst 40 Tore erzielt hat. „Meine Frau hat gesagt: Das hast du ja locker. Also habe ich mich beworben.“ Gegen über 400 anderen Bewerbern hat sich Ayten durchgesetzt, der in einer Saison sogar mal 44 Tore geschossen hat.

Erkan Ayten war über Skype ins Sky-Studio geschaltet

Über 700 Treffer hat der Fußballer erzielt, der auch schon für den SSV Ulm 1846 auf dem Platz stand. Im November hatte ihn unsere Redaktion deshalb in einem Porträt gewürdigt. Sky würdigte ihn mit dem Liveauftritt, der schon etwas „komisch“ gewesen sei. Ayten saß zu Hause vor dem Laptop mit einem Headset auf dem Kopf und war über das Videochatprogramm Skype mit Hamann und dem Moderator Michael Leopold verbunden. Drei Meter neben ihm saß seine Familie und schaute am TV zu.

Erkan Ayten
Foto: Fupa

Nervös war der Fußballer nicht („ich bin da relativ locker“), aber weil der Auftritt live war, musste er aufpassen, dass er nicht ganz so frei von der Leber losspricht. „Am Tag davor gab es einen Probedurchlauf wegen der Technik. Aber die Fragen konnte ich mir vorab nicht anhören.“ Trotzdem fühlt er sich pudelwohl, als es soweit ist. „Ich schaue sehr oft Fußball und endlich konnte ich mal mitreden. Bei den Experten weißt du einfach: Die verstehen, was du meinst. Ich hätte gerne mehr Zeit gehabt.“

Grob vier Minuten dauert sein Auftritt, er antwortet ruhig, sachlich und spricht mit den beiden Experten auf Augenhöhe. „Ja, Didi...“, antwortet er auf Hamanns Frage. „...du hast ja auch viele Tore gemacht in deiner Karriere. Gegen die 20-, 22-Jährigen gibt’s nur ein Mittel: die Erfahrung. Es ist einfach das Stellungsspiel, ich hab den Riecher im Sechzehner und man muss auch geil sein vor dem Tor.“ Vom ehemaligen Liverpool-Profi Hamann, der als Experte immer mal wieder aneckt, schwärmt Ayten in den höchsten Tönen. „Manche mögen ihn nicht, aber ich finde ihn klar, deutlich und sachlich.“

Offenhausen-Stürmer Ayten hat über 700 Pflichtspieltreffer erzielt

Auf seinen Auftritt ist Erkan Ayten stolz, ihn haben einige positive Reaktionen erreicht. Er würde damit gerne junge Fußballer motivieren, erzählt er. Denn insbesondere sie leiden unter der Pandemie. Ayten hat einen Sohn, der seit Wochen kein Fußball mehr gespielt hat. Da gehe schon etwas verloren. Auch er selbst verliere langsam die Lust, denn „woraufhin soll ich denn trainieren?“. Es fehle derzeit einfach die Perspektive. Deshalb ist er auch vom Deutschen Fußball-Bund enttäuscht, der in seinen Augen zu wenig für diese Perspektive tue. Auch von den Profis erhofft sich der 41-Jährige ein klares Bekenntnis zum Amateurfußball. Er erlebt gerade „eine sehr komische Zeit“.

Sky-Experte und Ex-Fußballer Dietmar Hamann.
Foto: picture alliance/dpa

Das lässt sich auch über seinen Herzensverein Borussia Dortmund sagen, der um die Qualifikation zur Champions League bangen muss. Ayten wurde auf Sky gefragt, ob der BVB denn die Quali noch packe. Wegen der Verzögerung auf Skype hat er die Frage aber falsch verstanden und über Dortmunds aktuellen Champions League Gegner Manchester City gesprochen. Für die richtige Antwort war dann keine Zeit mehr im Sendeplan. Deshalb hier der offizielle Nachtrag: „Das nächste Spiel in Frankfurt wird lebenswichtig, denn die Eintracht ist der große Konkurrent. Verlieren ist da verboten. Wenn die Dortmunder gewinnen, schaffen sie die Quali. Wenn nicht, dann nicht.“

So einfach ist das manchmal. Ayten macht sich viele Gedanken um den Fußball, viele seiner Begleiterscheinungen gefallen dem Torjäger nicht. Selbst im Amateurbereich gehe es nur noch um Erfolge, der Druck auf Spieler und Trainer steige. „Der Spaß bleibt so auf der Strecke". Selbst in der Kreisliga A beobachtet er das schon, deshalb orientiert er sich um. Ab dem Sommer wird er als Spielertrainer bei einem B-Kreisligisten in der niedrigsten Liga arbeiten. Bei welchem, das darf er noch nicht verraten. Er freut sich aber schon: „Dann habe ich die Zügel in der Hand.“

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