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Fußball

09.02.2021

Ralf Rangnick & Co.: Ein Rückblick auf die Trainer des SSV Ulm 1846 Fußball

Ralf Rangnick (oben) startete nach seiner Zeit in Ulm durch (oben), genau wie Klaus Toppmöller (links) und Marcus Sorg (Mitte). Bis jetzt langjährigster Spatzen-Trainer war Paul Sauter.

Plus Bei den Spatzen standen schon Trainer unter Vertrag, die es nach ihrer Arbeit in Ulm in die große weite Fußballwelt getragen hat. Wir blicken zurück auf 30 Jahre Trainer-Geschichte.

Holger Bachthaler befindet sich derzeit in seinem dritten Amtsjahr beim Regionalligisten SSV Ulm 1846 Fußball und gehört damit durchaus zu den treuesten Trainern des Klubs, der schon den ein oder anderen prominenten Übungsleiter an seiner Seitenlinie stehen hatte. Wir haben uns angeschaut, welche Trainer in den vergangenen 30 Jahren – den bewegendsten des Vereins – die Geschicke der Spieler geleitet haben und was sie heute machen.

Klaus Toppmöller: Genau genommen war Klaus Toppmöller nicht erst in den 90er-Jahren Trainer der Spatzen, sondern schon davor. Einer der prominentesten der Klubgeschichte ist er aber trotzdem. Von April 1988 bis Februar 1989 stand er als Trainer in Ulm unter Vertrag – mit durchwachsenem Erfolg. Er hatte 1988 Werner Nickel beerbt, der den SSV damals in den Keller der Zweiten Liga befördert hatte. Toppmöller konnte den Abstieg nicht verhindern. In seiner weiteren Karriere heuerte er unter anderem bei Eintracht Frankfurt, Bayer 04 Leverkusen oder dem HSV an. Von 2006 bis 2008 war der heute 69-Jährige zudem georgischer Nationalcoach und beendete danach seine Laufbahn.

Klaus Toppmöller ist einer der bekanntesten ehemaligen Ulmer Trainer.
Foto: Harald Tittel/dpa

Erich Steer: Auf Toppmöller folgte der ehemalige Spieler Erich Steer, der bis Mitte 1990 blieb und anschließend bis 2001 als Manager dem Klub erhalten blieb. Steer ging in die Gastronomie und leitet heute noch den Done’s Biergarten in Neu-Ulm.

Klaus Toppmöller ist einer der bekanntesten ehemaligen Ulmer Trainer

Paul Sauter: Steers Nachfolger war einer der prägendsten Gestalten im Ulmer Fußball. Insgesamt fünf Mal war Paul Sauter, 73, Trainer der Spatzen (82 bis 84, 90 bis 94, 2007 bis 2008 und mit kurzer Unterbrechung 2011 bis 2013) dazu noch Präsident des Vereins (2011 bis 2014). Als Trainer erlebte er die Regionalliga, die Oberliga und die Zweite Liga, hatte als Präsident aber die undankbare Aufgabe, den Klub durch die infolge der zwei Insolvenzen schwierigen Zeiten zu führen, was zu einigen Verwerfungen führte und nach seinem Weggang zu Insolvenz Nummer drei führte. Er erholte sich von der anstrengenden Zeit und hilft heute mit, den Fußball in den USA voranzutreiben.

Paul Sauter war bislang am häufigsten als Trainer des SSV Ulm angestellt.
Foto: Horst Hörger (Archiv)

Rainer Ulrich: Eine Saison (von 94 bis 95) lang war Ulrich Trainer der Spatzen in der Regionalliga Süd, der damaligen Dritten Liga. Die Spatzen schlugen sich gut und wurden Vierter, was Ulrich ein Engagement als Trainer der Zweiten Riege des FC Bayern einbrachte. Er klapperte verschiedene Stationen ab, unter anderem beim Karlsruher SC und ging 2009 als Co zurück zu den kleinen Bayern, wo er 2011 abermals Chef wurde und anschließend wieder Assistent wurde. In derselben Position war er von 2018 bis 2019 bei Holstein Kiel und von Juli bis Dezember 2019 beim VfB Stuttgart. Derzeit ist der 71-Jährige vereinslos.

Bernd Hoffmann: 119 Tage lang war der ehemalige Spieler Hoffmann Trainer der Spatzen: von Juli bis Herbst 1995. Seiner Kündigung vorausgegangen war eine 1:2-Blamage im Verbandspokal gegen Laupheim. Der heute 74-Jährige ging nach Ludwigsburg und beendete 2010 seine Trainerlaufbahn in Schönaich.

Martin Gröh: Bis Ende 1996 war Gröh Spatzen-Trainer in der Regionalliga Süd und es sollte die hochklassigste Trainerstation des mittlerweile 67-Jährigen sein. Er arbeitete auch beim TSV Blaustein und der SSV-Jugend als Trainer.

Nach seinem Posten beim SSV Ulm nahm Rangnicks Karriere Fahrt auf

Ralf Rangnick: Der 62-Jährige ist der A-Promi unter den ehemaligen SSV-Trainern und stand etwas über zwei Jahre, von Januar 1997 bis März 1999 an der Seitenlinie. Wäre er noch ein paar Monate länger geblieben, hätte er in seiner letzten Saison den Bundesligaufstieg mit den Spatzen packen können, so fiel diese Leistung aber Martin Andermatt zu. Beklagen wird sich Rangnick jedoch sicherlich nicht, denn mit seiner Karriere ging es steil nach oben, unter anderem mit Stationen beim VfB Stuttgart, auf Schalke oder bei RB Leipzig. Für den Red-Bull-Konzern arbeitete er bis Juli 2020 als Berater im Fußballbereich. Derzeit ist er vereinslos, aber regelmäßig bei anderen Klubs im Gespräch.

Rolf Baumann: Als Rangnick die Spatzen verließ, übernahm sein damaliger Co-Trainer Baumann die Mannschaft – für 13 Tage und eine Zweitligapartie. Mit Andermatts Ankunft wurde er wieder Assistent und heuerte dann beim damaligen Oberligisten Kirchheim/Teck an und arbeitete dann bei verschiedenen Klubs in der Region. In der zurückliegenden Saison 19/20 trainierte der 57-Jährige die Frauenmannschaft des FV Asch-Sonderbuch in der Verbandsliga.

Martin Andermatt: Der Schweizer ging in die Vereinschronik als erster und bislang einziger Ulmer Fußball-Bundesligatrainer ein. Nach dem direkten Abstieg in Liga zwei wurde Martin Andermatt am 18. September 2000 gefeuert und ging zu Eintracht Frankfurt. Es folgten Trainerämter in der Schweiz (unter anderem bei Young Boys Bern) und der Posten als Nationalcoach Liechtensteins. 2019 machte Andermatt von sich reden, als er als Mitglied im Aufsichtsrat der Fußballprofis von Hannover 96 ausschied. 96-Geschäftsführer Martin Kind gab Andermatt eine Teilschuld an Hannovers damaligen Abstieg aus der Bundesliga.

Peter Assion: Zweimal fing der 61-jährige, heutige Scout von RB Salzburg als Trainer beim SSV an. Zunächst als Interims-Nachfolger Andermatts von September bis Ende Oktober 2000, und dann als Nachfolger seines eigenen Nachfolgers Hermann Gerland von März bis Juni 2001. Es war eine undankbare Zeit in Ulm, denn es folgten der direkte Abstieg aus der Zweiten Liga und kurz darauf die erste Insolvenz. Assion wechselte nach Österreich als Sportdirektor und Trainer, später in gleicher Funktion nach Burghausen und schließlich nach Salzburg.

Vom SSV Ulm 1846 ging Hermann Gerland zum FC Bayern München

Hermann Gerland: Als Co-Trainer des FC Bayern hat der „Tiger“ Kultstatus, beim SSV konnte er in der Zweitligasaison 2000/01 den sportlichen Abstieg aber nicht verhindern. Nach seiner Entlassung ging er nach München und arbeitete dort mal für die erste Riege der Bayern, mal für die zweite und auch im Nachwuchs war er aktiv.

Unterstützt heute Hansi Flick beim FC Bayern München als Co-Trainer: Hermann Gerland.
Foto: David Inderlied/dpa

Harry Brobeil: Mit Harry Brobeil kam wieder etwas Kontinuität in den Klub. Der heute 57-Jährige führte die Spatzen von der Verbandsliga zurück in die Oberliga. Im November 2002 trat Brobeil in Ulm von seinem Traineramt zurück. Offenbar hatte er mit der Kritik der Fans nach einigen schwachen Resultaten nicht umgehen können. Es zog ihn zu Vereinen wie Olympia Laupheim oder den Kreisligisten TSV Allmendingen, wo er auch heute noch als Trainer aktiv ist.

Peter Reder: Als Interimstrainer machte Reder mit der Kürze seiner Amtszeit Rolf Baumann Konkurrenz: 19 Tage lang leitete er die Ulmer Oberliga-Fußballer an und machte im Dezember 2002 Platz für Stefan Anderl.

Stefan Anderl: Der 55-Jährige trainierte den Oberligisten von Dezember 2002 bis September 2003. Zwar verpasste er den Aufstieg in der Saison 02/03, war bei den Fans aber trotzdem sehr beliebt. Ein durchwachsener Saisonstart 2003 führte aber letztlich zu seiner Entlassung. Lange Zeit war er dann beim FC Gundelfingen, mit kurzer Unterbrechung beim TSV Aindling und unterschrieb zur Saison 16/17 beim Regionalligisten FC Memmingen, von wo aus es ihn in der Saison 2018/19 zum Konkurrenten FV Illertissen zog. Dort war im Herbst 2018 nach schwachen Ergebnissen aber Schluss für ihn.

Der heutige Leiter des Ulmer Nachwuchses war auch mal Trainer des SSV

Dieter Märkle: Der heutige Nachwuchsleiter der Spatzen war von September 2003 bis November 2004 Trainer des SSV in der Oberliga. Er setzte die zuvor begonnene Kontinuität auf dem Trainerstuhl fort und arbeitete erfolgreich mit dem Team. In der Saison 03/04 wurden die Spatzen Zweiter in der Oberliga, doch im Spätjahr 2004 sicherten sich die Ulmer die Dienste des Heidenheimer Trainers Marcus Sorg. Märkle ging unfreiwillig nach Heidenheim, später zum zweiten Team der Münchner Löwen, zu Normannia Gmünd und dann schließlich zum FC Augsburg, wo er erstmals im Nachwuchs arbeitet. Es folgten Stationen bei den Stuttgarter Kickers und wieder bei 1860 München.

Marcus Sorg: Noch ein Promi der Ulmer Geschichte. Heute Co-Trainer von Jogi Löw in der Nationalmannschaft, war Sorg fast drei Jahre lang Trainer der Spatzen in der Oberliga (von Dezember 2004 bis September 2007) und ist damit einer der SSV-Coaches mit der längsten Amtszeit. Unter seiner Leitung mischten die Ulmer immer vorne mit, schafften aber nie den Aufstieg. Zu Beginn der Saison 07/08 hing der SSV etwas durch und prompt wurde Sorg entlassen. Er ging zum SC Freiburg, war in der Jugend der Bayern und der deutschen Nationalmannschaft und wurde schließlich 2016 von Löw zur A-Mannschaft berufen.

Marcus Sorg (rechts) hat es vom Spatzen-Trainer zum Assistenten Joachim Löws bei der deutschen Nationalmannschaft gebracht.
Foto: Federico Gambarini/dpa

Markus Gisdol: Nach Sorg übernahm wieder Paul Sauter für einige Monate und dann kam im Juli 2008 Gisdol. Er trat mit dem Team weiterhin in Liga vier an, die nun nicht mehr Oberliga, sondern Regionalliga Süd hieß, schaffte es aber auch nicht, aufzusteigen. Im Sommer 2009 ging der heute 51-Jährige freiwillig, weil er aus Hoffenheim ein lukratives Angebot für die zweite Mannschaft erhalten hatte. Später wurde er Co-Trainer auf Schalke, Hoffenheimer Chef, Trainer beim HSV und ist seit November 2019 Übungsleiter beim FC Köln.

Manfred Paula: Auf Gisdol folgte der heute 56 Jahre alte Manfred Paula, der aktuell die Nachwuchsabteilung von 1860 München leitet und damit Dieter Märkle beerbte. In Ulm war Manfred Paula, der vom TSV Aindling gekommen war, aber nur etwas länger als zwei Monate. Weil es sportlich nicht lief, wurde er im September 2009 vom Verein entlassen, der in der Saison 09/10 erstmals abgekoppelt vom Hauptverein agierte. Paula ging zurück nach Aindling, dann als Nachwuchskoordinator nach Augsburg, weiter nach Kaiserslautern und schließlich nach München.

Der ehemalige Ulmer Trainer Ralf Becker arbeitet jetzt in Dresden

Ralf Becker: Nachdem Manfred Paula gegangen war, hatte kurz A-Junioren-Trainer Frank Kaspari das Regionalligateam übernommen, dann kam Ralf Becker (heute 50 Jahre alt und Geschäftsführer Sport beim Drittligisten Dynamo Dresden). Er führte den Klub auf Platz sechs, hatte neben den sportlichen Herausforderungen aber auch ganz andere zu bewältigen: Mit Davor Kraljevic, Marijo Marinovic, Dinko Radojevic wurden drei Leistungsträger verdächtigt, am Wettskandal in der Bundesliga beteiligt gewesen zu sein. Sie wurden gefeuert, die Aufregung war groß. Trotzdem schaffte es Becker, Ruhe in den Kader zu bringen. Im Dezember 2010 folgte aber die nächste Herausforderung: Insolvenz Nummer zwei. Ulm musste Becker gehen lassen, der als Scout zum VfB Stuttgart ging und dort Leiter der Nachwuchsabteilung wurde. 2016 wurde er Geschäftsführer Sport bei Holstein Kiel, rückte 2018 in den Vorstand des HSV und ging im Sommer vergangenen Jahres nach Dresden.

Janusz Góra: Nach Becker übernahm dessen Assistent Góra das Team, doch auch wegen der Insolvenz lief es sportlich nicht. In der Saison 2010/11 musste Ulm in die Oberliga zwangsabsteigen, die damalige fünfte Klasse. Góra, der seit 1997 im Verein war, ging nach der Saison. Gegen ihn wurde zudem angeblich wegen Steuerhinterziehung ermittelt. Von Ulm ging er nach Österreich und arbeitet heute als Co-Trainer des polnischen Lech Posen.

Stephan Baierl: Nach Góra übernahm im Sommer 2011 wieder Paul Sauter, der gleichzeitig als Präsident fungierte. Er führte den Klub von der Oberliga in die neu geschaffene Regionalliga Südwest, übergab das Zepter für die nächste Spielzeit 12/13 aber an seinen Co-Trainer Stephan Baierl, den heutigen Sportlichen Leiter. Zu Beginn lief es gut in der Regionalliga, doch im Herbst brach die Leistung ein, Baierl wurde freigestellt und wieder übernahm Paul Sauter. Vom Sommer 2014 bis Sommer 2017 war Baierl wieder Trainer, damals in der Oberliga (dorthin war der Klub wegen der dritten Insolvenz abgestiegen), er schaffte in der Saison 15/16 aber den Aufstieg zurück in die Regionalliga Südwest. Im Sommer 2017 war er nach einem Fehlstart in die Saison entlassen worden. Als Trainer arbeitete Baierl auch beim SC Pfullendorf und beim FC Memmingen.

Stephan Baierl (rechts) war in Ulm Co-Trainer und Trainer, heute ist er der Sportliche Leiter.
Foto: Alexander Kaya

Ex-Bundesligaprofi Unsöld arbeitet auch an der Seitenlinie des SSV Ulm

Herbert Zanker/Oliver Unsöld: Nachdem Paul Sauter 2012 von Baierl übernommen hatte, folgte im Oktober 2013 ein Doppelgespann auf der Ulmer Trainerbank: Herbert Zanker, der zuvor als Co-Trainer in Ulm gearbeitet hatte, und der ehemalige Ulmer Bundesligaprofi Oliver Unsöld lenkten die Geschicke des Regionalligisten. Weil aber die Erfolge ausblieben, wurde zunächst Zanker im April 2014 entlassen und ging zum TSV Rain/Lech, wo es ihn ebenfalls nicht lange hielt. Der heute 57-Jährige ging weiter nach Neuburg und ist heute Jugendtrainer von Joshofen-Bergheim. Unsöld blieb immerhin bis zum Saisonende im Juni 2014. Mit dem Zwangsabstieg in die Oberliga war für ihn Schluss beim SSV. Später ging er als Trainer zum FC Burlafingen, heute ist er beim SC Ichenhausen im Amt.

Tobias Flitsch: Nach Baierls zweiter Amtszeit übernahm im August 2017 Flitsch, der mit dem Team den WFV-Pokal gewann und damit die Teilnahme am DFB sicherte. Gegen Frankfurt stand dann aber schon Holger Bachthaler an der Seitenlinie, denn dessen Dienste hatte sich Ulm gesichert. Flitschs Abgang zu den Stuttgarter Kickers war daher nicht freiwillig, trotzdem machte er dort einen guten Job, scheiterte aber mit seinem Team in der Aufstiegsrelegation zur Regionalliga. Heute ist der 41-Jährige Trainer beim SC Geislingen.

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