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Leichtathletik

04.12.2020

Sportsoldatin, Profiläuferin - Alina Reh steht jetzt auf eigenen Beinen

Alina Reh bei der Leichtathletik Meisterschaft in Braunschweig im August, damals ist sie noch für den SSV Ulm gelaufen. Kurz darauf ist Reh nach Hannover gefahren, um ihre Grundausbildung bei der Bundeswehr zu absolvieren.
Bild: Swen Pförtner, dpa

Plus Ein neues Team und das Leben als Sportsoldatin – bei Alina Reh ist gerade viel los. Welche Ziele sie bei der Bundeswehr verfolgt und warum Olympia 2021 derzeit ihre einzige Motivation ist.

Ein paar Wochen zuvor saß sie an der Supermarktkasse im Geschäft ihrer Mutter in Laichingen. Kurz darauf, Anfang September, steht die Profileichtathletin Alina Reh in Bundeswehruniform und mit einem Gewehr in der Hand auf einem Übungsplatz in Hannover. Zwischen diesen beiden Erlebnissen liegen nicht nur fast 600 Kilometer, sondern eine große Entscheidung, die die 23-Jährige Anfang dieses Jahres gefasst hat. Das war nicht die einzige große Entscheidung in diesem Jahr: Kürzlich machte Reh bekannt, dass sie den SSV Ulm 1846 verlässt und nun beim Berliner Verein SCC Events Pro Team trainiert.

Zwei wichtige Schritte in ihrer Karriere, der erste begann im September. Denn: Alina Reh ist eine von 46 Spitzensportlern, die im September ihre Ausbildung als Sportsoldat oder Sportsoldatin bei der Bundeswehr begonnen haben. Dabei werden junge Profis vom Bund gefördert und sind nach der Grundausbildung für ihre sportliche Karriere freigestellt.

Die Bundeswehr in Deutschland ist laut eigenen Angaben einer der größten Förderer des Hochleistungssports in Deutschland. Nur Sportler, die im Perspektivteam der Olympischen oder Paralympischen Spiele oder in einer deutschen Nationalmannschaft sind, können sich für die Förderung bewerben. In der Regel, so sagt es die Bundeswehr, werden die Sportsoldaten vom jeweiligen Spitzensportverband angesprochen und vorgeschlagen. So war es auch bei Alina Reh.

Alina Reh hat Grundausbildung der Bundeswehr abgeschlossen

Für sie war es keine spontane Idee, zum Bund zu gehen. „Eigentlich war ich mit der Arbeit im Supermarkt meiner Mama finanziell gut aufgestellt und die Arbeit macht mir immer noch Spaß. Dann kamen aber die Anfragen von meinem Trainer und dem Verband, ob ich nicht zur Bundeswehr wollen würde“, erzählt Reh. Was für sie dafür sprach: Sie kann sich komplett auf den Sport konzentrieren. Für Reh war dieses Jahr der richtige Zeitpunkt dafür. Die Entscheidung bereut sie nicht.

Mittlerweile hat die Läuferin ihre vierwöchige Grundausbildung in Hannover absolviert und bestanden. Und das war nicht immer leicht für sie. „An den Ton, der da herrscht, musste ich mich erst einmal gewöhnen“, gesteht die 23-Jährige. „Es waren keine einfachen vier Wochen.“ Besonders die ersten Tage seien hart gewesen. In Rehs Gruppe waren acht weitere Sportler, „ein paar mehr Jungs als Mädels“. Zusammen absolvierten sie die Grundausbildung, die auch jeder „normale“ Berufssoldat schaffen muss. Dazu gehören Ausdauertraining, Geschicklichkeitsaufgaben in einem Hindernisparcours, aber auch Schießübungen. Für Reh war es ein ungewohntes und befremdliches Gefühl, ein echtes Gewehr in der Hand zu haben. Auch Kriegsszenen mussten die jungen Sportsoldaten nachstellen. „Das war am Anfang komisch, uns alle mit Gewehr in Reih und Glied zu sehen“, sagt Reh. Aber irgendwann habe es auch Spaß gemacht. „Man hatte eine gemeinsame Aufgabe. Und jeder hat seine Stärken und Schwächen, da haben wir uns in der Gruppe gut ergänzt. Eine ganz neue Erfahrung, auch weil wir eigentlich alle Einzelsportler sind.“

Als Soldatin will sich Reh trotzdem nicht bezeichnen. „Ich bin weiterhin Sportlerin, nur eben bei der Bundeswehr angestellt“, sagt sie. Als Sportsoldat wird man laut der Bundeswehr zunächst als Freiwilligen Wehrdienst Leistender für elf Monate eingestellt. Je nach sportlicher Leistung kann die Dienstzeit auf bis zu 23 Monate verlängert werden. Besonders engagierte und motivierte Sportsoldaten können zum Soldaten auf Zeit oder zum Berufssoldaten ernannt werden. Auch Alina Reh könnte irgendwann zum Heer wechseln. Dass sie das aber mal tun wird, glaubt sie nach eigenen Angaben nicht. Seit September ist Reh nun freigestellt. Das heißt, sie kann weiterhin ihre Laufkarriere vorantreiben, muss sich aber keine Sorgen um finanzielle Engpässe machen, wie sie erzählt. Aber sie sagt auch: „Um in meinem Sport weiterzukommen, bin ich trotzdem auf Sponsoren angewiesen. Sonst lässt sich das nicht stemmen.“ Je länger sie bei der Bundeswehr ist, desto höher wird ihr Dienstgrad und dementsprechend mehr Gehalt bekommt sie vom Bund.

Ziel von Alina Reh ist Olympia in Tokio

Reh muss der Sportfördergruppe einmal im Monat berichten, wo und wann sie trainiert. Vorgaben, wie sie ihr Training zu gestalten hat, bekommt sie allerdings nicht: „Mein Trainingsplan ist mein Dienstplan,“ erklärt die gebürtige Laichingerin. Bis zu 170 Kilometer pro Woche läuft Reh zur Zeit. Manchmal auf den Straßen Berlins, dann mal wieder auf der Schwäbischen Alb und vielleicht bald schon in Tokio. „Ich gehe davon aus, dass Olympia 2021 stattfindet“, sagt Reh. Im Trainingszentrum in Berlin, wo sich Reh gerade mit anderen Sportlern aufhält, bereiten sich alle auf Olympia vor. „Egal ob Boxer, Kanuten, oder Läufer, wir haben das gleiche Ziel vor Augen.“

Dass wegen Corona keine Wettkämpfe stattfinden, „nervt mittlerweile“, gibt Reh ehrlich zu. „Und auch andersrum: Wenn dann spontan ein Wettkampf stattfindet und man aber in einer Trainingsphase ist, die nicht darauf ausgelegt ist. Die Planung ist extrem schwierig dieses Jahr.“ Sie brauche ein festes Ziel, um motiviert zu sein. Gerade ist die Läuferin im Aufbautraining, größtenteils in Berlin, der Sitz ihres neuen Vereins und der Wohnort ihres Trainers. „Es tut gut, auf eigenen Beinen zu stehen“, berichtet Reh. Auch wenn sie es als Schwäbin in Berlin nicht gerade leicht habe. Den Bezug zur Heimat will sie nicht verlieren. Denn wenn sie nicht gerade für Olympia trainiert, oder sich eine Bundeswehruniform überzieht, fährt Reh zu ihrer Familie. „Ich werde nach wie vor so viel Zeit wie möglich zu Hause verbringen“, sagt die junge Sportsoldatin.

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