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Tischtennis-Bundesliga

11.09.2019

TTC Neu-Ulm schafft eine Überraschung zu wenig

Der Franzose Abdel-Kader Salifou (vorne) bezwang zwar sensationell den schwedischen Vizeweltmeister Matthias Falck. Am Ende hat es für Neu-Ulm trotzdem wieder nicht gereicht.
Bild: Willi Baur

Die jungen und frechen Spieler drücken der Partie zwischen dem TTC Neu-Ulm und Bremen ihren Stempel auf. Aber am Ende entscheidet doch die Routine der Gäste

Der TTC Neu-Ulm wartet in der Tischtennis-Bundesliga weiter auf den ersten Sieg. In seinem zweiten Heimspiel verlor der Neuling nach dreieinhalb Stunden in einem wieder bis zum letzten Ballwechsel spannenden Marathon-Match gegen den SV Werder Bremen mit 2:3. Von einem „heißen Tanz und engen Spielen“ sprach Gästetrainer Cristian Tamas und lag damit ebenso richtig wie mit seiner vor allem auf das entscheidende Schlussdoppel bezogenen Analyse: „Unser größere Routine war ausschlaggebend.“

Aber eigentlich waren es die jüngeren und frechen Spieler, die dem langen Abend in der Ratiopharm-Arena nicht nur ihren Stempel aufdrückten, sondern auch die Relevanz der Weltrangliste für solche Momente in die Tonne schmetterten. Auf Bremer Seite gilt das vor allem für Hunor Szöcs, die Nummer 106 im globalen Ranking. Der Rumäne entzauberte im Eröffnungseinzel den Neu-Ulmer Kapitän Tiago Apolonia und sorgte für lange Gesichter auf der Tribüne. TTC-Präsident Florian Ebner sagte nach der enttäuschenden Vorstellung seines Führungsspielers, der zwei Tage zuvor noch mit Portugal Silber bei den Mannschafts-Europameisterschaften geholt hatte: „Ich habe schon befürchtet, dass ich um 9 Uhr zuhause bin.“ Apolonia selbst gestand: „Ich war schon noch etwas müde. Wir Spieler sind ja keine Maschinen.“ Dass anschließend ausgerechnet Abdel-Kader Salifou mit seinem Erfolg über den schwedischen Vizeweltmeister Mattias Falck nicht nur seinem Chef den Abend rettete, war die zweiten Überraschung der Partie. TTC-Trainer Chen Zhibin hatte den Franzosen erstmals im Einzel aufgeboten, weil Gustavo Tsuboi nach den Panamerika-Spielen noch Erholungsbedarf signalisiert und Viktor Brodd über Nackenschmerzen geklagt hatte.

Trainer des TTC Neu-Ulm hat eine einfache Erklärung

Während Ebner Salifous Coup als „Sensation, die es eigentlich nicht geben darf“ bezeichnete, fand der Neu-Ulmer Trainer für die Rolle der Außenseiter eine ebenso simple wie plausible Erklärung: „Sie haben frei aufgespielt und alles getroffen.“ Der Franzose selbst, in den Tiefen der Weltrangliste nur als Nummer 251 notiert, blieb bescheiden: „Ich habe mein Einzel gewonnen. Schön. Aber entscheidend ist, wie das Team spielt.“

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Das Team spielte anschließend zumindest besser, aber eben nicht gut genug. Apolonia präsentierte sich nach der Pause wie ausgewechselt, deutlich konzentrierter und mit einer ganz anderen Körpersprache. Das reichte in einem dramatischen Fünfsatz-Match mit zahlreichen Weltklasse-Ballwechseln zu einem erneuten Sieg gegen Mattias Falck, den er schon am Samstag im EM-Halbfinale bezwungen hatte. „Er hat auch diesmal besser gespielt“, räumte der Schwede ein: „Die Müdigkeit war nicht das Problem.“

Ein Spieler des TTC Neu-Ulm gibt sein Bundesliga-Debüt

Ausgeruhter konnte zuvor jedenfalls Neu-Ulms Nachwuchshoffnung Kay Stumper sein Bundesliga-Debüt angehen. „Anfangs war ich schon sehr nervös“, ließ der noch 16-Jährige durchblicken. Er lieferte gleichwohl dem nur sechs Jahre älteren, aber ungleich erfahreneren Kasachen Kirill Gerassimenko einen beherzten Schlagabtausch. „Weder gut noch schlecht“ habe er gespielt, meinte Stumper nach der einkalkulierten 1:3-Niederlage selbstkritisch, versprach indes: „Ich traue mir eine Steigerung zu.“

Die lieferte er schon danach im entscheidenden Doppel mit Salifou. „Die Bremer waren besser eingespielt, aber wir hatten auch etwas Pech“, bedauerte der hochtalentierte Jungspund nach der Fünfsatz-Niederlage. Was nicht nur für den vergebenen Satzball im vierten Durchgang galt: „Das war schade und ziemlich ärgerlich.“

„Die Niederlage tut weh, diesmal war erneut mehr drin“, resümierte Trainer Chen Zhibin: „Ich hoffe, dass der Knoten bald platzt“. Präsident Ebner haderte eher mit der Besucherzahl. Nur 300 Zuschauer waren in die Ratiopharm-Arena gekommen: „Etwas mehr hätten es schon sein dürfen.“

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