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Tennis

16.11.2020

Tennis-Trainer Kilian Schregle im Corona-Lockdown: „Ich verdiene kein Geld. Gar keines“

Auf dem Tennisplatz und in der Halle fühlt sich Kilian Schregle wohl. Aber derzeit kann der frühere Profi seinen Beruf als Trainer nicht ausüben.
Bild: Horst Hörger

Plus Tennis-Trainer Kilian Schregle kann derzeit seinen Beruf nicht ausüben. Was er vom Verbot des Indoor-Sports hält, wer die Familie ernährt und was er in seiner vielen Freizeit macht

Sie haben selbst als Profi in der Ersten und Zweiten Bundesliga gespielt, inzwischen arbeiten Sie als Tennistrainer unter anderem beim TC Illertissen und bei TS Weißenhorn. Wie lief so ein Training denn vor Corona ab, Herr Schregle?

Kilian Schregle: Der Normalfall war damals gerade im Nachwuchsbereich Gruppentraining: Vier Kinder oder Jugendliche mit ihrem Trainer auf dem Platz, in der Regel zwei Stunden lang.

Dann kam der zweite Lockdown und Gruppentraining war nicht mehr erlaubt. Wie sind Sie mit den Beschränkungen umgegangen?

Schregle: Wir haben ein Konzept erarbeitet, das gut funktioniert hat. Das Prinzip war die Umstellung von Gruppen- auf Einzeltraining: Der Trainer stand mit nur noch einem Spieler auf dem Platz und das lediglich eine halbe Stunde lang, damit die anderen auch noch dran kommen. Man muss dann halt konzentrierter arbeiten und mehr Bälle schlagen, um die Zeit intensiv zu nutzen. Dieses Konzept war letztlich eines für genau vier Tage nach den Herbstferien und es hat den Kids immer noch Spaß gemacht. Dann war ganz Schluss.

Denn dann hat Bayern auf das Urteil in Sachen Fitnessstudios reagiert und den Indoor-Sport fast komplett verboten. Wie haben die jungen Spieler und ihre Eltern darauf reagiert?

Schregle: Die sind natürlich fürchterlich enttäuscht. Viele Kinder üben ja mehr als eine Sportart aus. Fußball ging schon länger nicht mehr, Handball ging nicht mehr, nur Tennis ging bis vor ein paar Tagen noch. Wobei kurioserweise die Bestimmungen in Bayern nicht ganz so streng waren wie ein paar Kilometer weiter in Baden-Württemberg. In Illertissen waren zwei Sportler pro Platz erlaubt, in Dietenheim nur zwei Sportler pro Halle.

Haben Sie Verständnis für das Verbot von Indoor-Sport?

Schregle: Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich in ganz Deutschland auch nur ein Tennisspieler auf dem Platz mit Corona infiziert hat. Auch im internationalen Profigeschäft ist meines Wissens nach der Adria-Tour von Novak Djokovic nichts passiert und auch dort haben sich die Spieler ja mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht auf dem Platz angesteckt, sondern vermutlich beim Bad in der Menge. Ein Training nach unserem neuen Konzept lief doch so ab: Ein Spieler kommt alleine in die Halle und hält dort einen Abstand von 20 Metern zu seinem Trainer. Aber ich verstehe die verschärften Bestimmungen so, dass es eigentlich nicht darum geht, Tennis zu verhindern. Es geht darum, der Öffnung von Fitnessstudios juristisch einen Hebel vorzuschieben.

Wie sehr leiden sie wirtschaftlich unter der Verschärfung?

Schregle: Ich bin Tennistrainer von Beruf und ich kann derzeit nicht arbeiten. Ich verdiene also kein Geld. Gar keines. In der Politik wird viel über Kulturschaffende, Gastronomen und Gewerbetreibende geredet. Für die vielen Trainer, die bei Amateurvereinen angestellt sind, gibt es keinerlei Unterstützung. Bei mir ist jedenfalls keine angekommen.

Und was machen Sie jetzt so in den Zeiten der erzwungenen Untätigkeit?

Schregle: Was soll ich schon machen? Ich erledige daheim die Hausarbeit und unterstütze damit meine Frau, die mit ihrem Gehalt als Lehrerin die Familie ernährt. Mein Sohn Philip hat ein Studium der Betriebswirtschaft begonnen, das wollte er sich teilweise auch finanzieren, indem er Unterricht als Tennistrainer gibt. Auch das funktioniert nicht, weil die Fortbildungen alle abgesagt wurden. Ich denke, dass ich heute noch mit Philipp und meinem Bruder eine kleine Wanderung im Allgäu unternehme, um den Kopf frei zu kriegen.

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