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Basketball-Analyse

13.01.2020

Um Titel spielen jetzt andere Mannschaften als Ratiopharm Ulm

Enttäuschte Ulmer: Nach der Heimniederlage gegen Oldenburg ist der Pokalwettbewerb beendet.
Bild: Horst Hörger

Inzwischen schnuppert Ratiopharm Ulm auch nicht mehr an großen Erfolgen. Der Verein setzt auf den Nachwuchs – über die Sinnhaftigkeit dieser Politik kann man diskutieren.

Die Basketball-Gemeinde hatte diesem Spiel wochenlang entgegen gefiebert, sogar eine Bau- und Immobilienmesse war verlegt worden, damit Ratiopharm Ulm im Halbfinale des deutschen Pokals gegen Oldenburg zuhause antreten konnte. Und dann war es doch eine eher unspektakuläre Angelegenheit. Oldenburg war klar besser und hätte auch höher gewinnen können als mit 84:76. Per Günther wirkte hinterher im Interview mit Magenta-Sport fast ein wenig wehmütig. „Als ich so Mitte 20 war, da haben wir gefühlt jedes Jahr um Titel mitgespielt“, sagte der Ulmer Kapitän: „Jetzt hatten wir ein paar Jahre, in denen solche Spiele nicht mehr selbstverständlich sind.“

Es gab die Jahre 2012 und 2016, in denen Ratiopharm Ulm gegen Bamberg um die deutsche Meisterschaft gespielt hat und es gab natürlich diese unfassbare Rekordsaison 2016/17. Es gab zwei zweite Plätze im Pokal in den Jahren 2013 und 2014. Einen Titel haben die Ulmer nie gewonnen, aber sie haben zumindest immer mal wieder daran geschnuppert. Seit der Saison 2017/18 reicht es nicht einmal mehr dazu – auch dann nicht, wenn eine glückliche Pokal-Auslosung den Ulmern drei Heimspiele gegen Vechta, Göttingen und Oldenburg beschert und wenn sich der Überflieger Bayern München schon in Runde eins aus dem Wettbewerb verabschiedet. Immerhin sind die Ulmer in prominenter Gesellschaft. Brose Bamberg hat nicht nur an Titeln geschnuppert, sondern sie reihenweise gewonnen. Am späten Sonntagnachmittag wurde der frühere deutsche Serienmeister im zweiten Halbfinalspiel beim 66:82 gegen Alba Berlin phasenweise vorgeführt.

Kilian Hayes wird kaum drei Jahre lang bei Ratiopharm Ulm bleiben

In Ulm hat man ein Stück weit akzeptiert, dass die Bayern und Alba der Konkurrenz sportlich und finanziell weit voraus sind – man setzt deswegen auf den Nachwuchs, man baut den Orange-Campus und hat ein Entwicklungs-Programm für Jugendspieler ins Leben gerufen. Alles in der vagen Hoffnung, dass davon vielleicht irgendwann auch die Bundesliga-Mannschaft profitieren könnte. Die Sinnhaftigkeit dieser Politik in einer von extremer personeller Fluktuation geprägten Sportart wie Basketball wird in den sozialen Netzwerken leidenschaftlich diskutiert. Die Erfahrung lehrt schließlich, dass kaum ein Spieler aus Dankbarkeit seinem Ausbildungsverein die Treue hält. Sobald ein Karrieresprung oder auch nur mehr Geld locken, ist er weg. Beispiel Kilian Hayes: Der junge Franzose hat in Ulm einen Dreijahresvertrag unterschrieben. Aber sogar im Verein geht man davon aus, dass er in der kommenden Saison in der NBA spielt. Schön für die NBA, schön vielleicht auch für die französische Nationalmannschaft. Die Ulmer Fans hätten dann das zweifelhafte Vergnügen gehabt, einen Teil seines Entwicklungsprozesses miterlebt zu haben. Den meisten von ihnen wäre es vermutlich lieber, würde ihr Verein mal wieder zumindest an einem Titel schnuppern.

Um Titel spielen jetzt andere Mannschaften als Ratiopharm Ulm

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Zurück zum aktuellen Pokalwettbewerb: Die Auslosung am Sonntagabend ergab, dass Alba Berlin im Endspiel Heimrecht hat. Die Ulmer hätten also im Fall einer Finalteilnahme am Titel geschnuppert. Gewonnen hätten sie ihn mit fast absoluter Sicherheit nicht.

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