1. Startseite
  2. Lokales (Neu-Ulm)
  3. Lokalsport
  4. Vöhringer Schützen haben die Deutsche Meisterschaft im Visier

Schießen

01.02.2018

Vöhringer Schützen haben die Deutsche Meisterschaft im Visier

IMG_5157(1).jpg
2 Bilder
Florian Krumm von den Vöhringer Schützen nimmt Maß.
Bild: Stefan Kuemmritz

Als Außenseiter starten die Vöhringer Schützen in die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft. Angst haben sie keine - im Gegenteil.

Es wird spannend: An diesem Wochenende treten die Luftgewehr-Schützen des SV Pfeil Vöhringen in Paderborn bei der Endrunde um die deutsche Meisterschaft an. „Wenn wir da etwas reißen, verstehe ich die Schießwelt nicht mehr“, sagt Trainer Sven Martini, einst mit der Weltklasseleistung von 399 Ringen selbst ein Topschütze. „Wir haben vorne einen starken Ausländer, die anderen sind eigentlich Hobbyschützen.“ Und diese „Hobbyschützen“, mal verstärkt durch den 28-jährigen Russen Sergei Kamenskij (Bestleistung 400 Ringe) und mal durch den Ukrainer Oleh Tsarkov (399), beide Profis, kämpfen jetzt um den deutschen Mannschaftstitel.

Sven Martini ist natürlich vor der Endrunde etwas aufgeregt: „Vom sofortigen Ausscheiden bis zur Meisterschaft ist für uns alles drin.“ Die vier besten Teams der Bundesliga-Nordgruppe seien „mindestens so stark“ wie die vier Topmannschaften der Südgruppe. Diese acht Teams treten bei der Endrunde an und Martini ist sich sicher: „Man braucht neben dem Können auch etwas Glück. Wir haben einen kleinen Vorteil. Was wir bisher geschafft haben, ist schon sensationell. Wir gehen jetzt ganz unbedarft an die Sache ran.“

Der Traum der Vöhringer Mannschaft war, einmal in der Bundesliga mit zu schießen. Er ging in Erfüllung: Am Ende der vergangenen Saison hatten die Pfeil-Schützen den Aufstieg ins Luftgewehr-Oberhaus geschafft. Der Nersinger Andreas Renz (Bestleistung 399), der schon seit 2006 für die Vöhringer an die Schießstände tritt, erinnert sich: „Am Anfang sind wir etwas belächelt worden. Wir galten als sofortiger Absteiger.“ Dann hat es das Vöhringer Team der Konkurrenz gezeigt: Nicht nur, dass es sich vorzeitig für die DM-Endrunde qualifiziert hat, es sicherte sich sogar in der Südgruppe die Meisterschaft. „Damit hatte ich nie gerechnet“, sagt der Vorstand des Vereins, Andreas Grandy. „Aber unsere Ausländer, die der Trainer kannte und zu uns gebracht hat, sind Weltklasseschützen und die anderen haben sich in dieser Saison noch einmal gesteigert.“

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Die anderen, das sind die hochtalentierte 19-jährige Hannah Steffen (Bestleistung 398 Ringe), die in der Pfalz lebt, Michaela Kögel (399), die aus Buchloe stammt und seit acht Jahren für die Vöhringer schießt, Florian Krumm (399), der aus Dirlewang bei Mindelheim kommt, der Oberfranke Daniel Schamel (398), der so etwas wie der Sprecher und Motivator des Teams ist. Außerdem noch Alexander Renz (397), der nach einer Verletzung jetzt wieder Anschluss gewinnen will sowie die 20-jährige Josefin Weber (397) aus Schrobenhausen, die zuvor ausgerechnet für die SSG Kevelaer geschossen hat, den Vöhringer Gegner im Viertelfinale am Samstagmorgen.

Starker Zusammenhalt bei den Vöhringer Schützen

Wie sie selbst beteuern, sind sie bis auf die Ausländer alle lupenreine Amateure. Zu dem „Haufen“ gehören aber auch Robin Baur und Erich Huber, die für die positive Entwicklung des Teams in den vergangenen Jahren mit verantwortlich waren und noch in der zweiten Mannschaft schießen. Das ist den Vöhringer Bundesligaschützen ebenso wichtig wie die Arbeit, die der Vorgänger von Sven Martini, Trainer Erich Golsner, bis vor vier Jahren geleistet hat.

Wie kann eine Mannschaft, von der die Hälfte vorwiegend aus beruflichen Gründen ihren Sport fast nur noch als Hobby betreibt, so erfolgreich sein? „Wir sind ein wahnsinnig lustiger Haufen“, erklärt Andreas Renz. Er hätte es gar nicht sagen müssen, man spürt, wie gut die Stimmung im Team ist. „Wir sind kein typisches Bundesliga-Team“, ergänzt der Vöhringer. „Wir haben einfach Spaß am Schießen. Unser Ziel war der Klassenerhalt, jetzt sind wir Süd-Erster.“ Dies auch dank des ausgezeichneten Teamgeists, der die Mannschaft auszeichnet. Daniel Schamel, zur Zeit Edelreservist, macht dies deutlich: „Bei uns schießt immer das ganze Team. Alle gehören dazu, auch die, die nicht aktiv am Schießstand stehen.“ Deswegen werden bei der Endrunde in Paderborn auch alle dabei sein, die zum Team gehören: beide Ausländer, wobei in jedem Wettkampf nur einer von beiden eingesetzt werden kann, und natürlich auch der „dienstälteste“ Vöhringer Daniel Schamel, Dominik Schwarzer und Joésefin Weber, selbst wenn sie über die Reservistenrolle kaum hinauskommen werden.

Die Vöhringer, die immerhin einmal in der Woche alle zusammen trainieren, haben sich in der Bundesliga Respekt verschafft, gehen aber mit Sicherheit nicht als einer der Favoriten an den Start. Wie Daniel Schamel versichert, hatten die Vöhringer vor den Bundesligakämpfen „Respekt, aber keine Angst“. Die haben sie auch vor der Endrunde nicht. Schamel: „Unser Verein steht immer total hinter uns. Wir haben schon sehr viel erreicht, es kann nichts Schlimmes passieren.“ Etwas flachsend fügt der Schütze noch an: „Wobei wir noch etwas Luft nach oben haben.“

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20IMG_5157(1).tif
Schießen

Den Titel im Visier

ad__nl-chefredakteur@940x235.jpg

SECHS UM 6: Unser neuer Newsletter

Die sechs wichtigsten Neuigkeiten um 6 Uhr morgens sowie ein Ausblick auf den
aktuellen Tag – Montag bis Freitag von Chefredakteur Gregor Peter Schmitz.

Newsletter bestellen