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Regionalliga Südwest

15.10.2020

Vor dem Spiel gegen Offenbach: Ist der SSV Ulm 1846 Fußball berechenbar?

Luigi Campagna (in Weiß, damals noch im Spatzen-Dress) ist ein Spieler der rustikaleren Sorte. Heutzutage spielt er für die Offenbacher Kickers und trifft mit ihnen am Freitag auf Ulm.

Plus Die Ulmer Spatzen stehen vor dem Topduell gegen die Kickers Offenbach – nach zuletzt durchwachsenen Leistungen. Trainer Holger Bachthaler vermisst die Aggressivität.

Es ist schon ein paar Monate her, da hat sich Luigi Campagna von seiner ganz sanften Seite gezeigt. Am 9. Mai veröffentlichte sein aktueller Klub, der Fußball-Regionalligist Kickers Offenbach, ein Video, in dem der 30-Jährige allen Müttern zum Muttertag gratulierte. Zuerst auf Italienisch, dann auf Deutsch. Das war nett. Auf dem Platz ist Campagna ganz anders, um einiges aggressiver. Dafür wird er auch heute noch von seinen ehemaligen Fans beim SSV Ulm 1846 Fußball geschätzt, wo er sich in nur anderthalb Jahren zu einem Publikumsliebling gemausert hatte. Es ist diese Aggressivität, die Spatzen-Trainer Holger Bachthaler derzeit bei manchem Spatz vermisst und die seinem Team an diesem Freitagabend (19 Uhr) zum Verhängnis werden kann. Denn dann kommen Campagna und die Offenbacher ins Donaustadion.

Das Duell ist nicht nur wegen der Namen der beiden ehemaligen Bundesligisten klangvoll, es ist auch ein sportlich interessantes. Offenbach gehört in jeder Saison der Regionalliga Südwest zu den Topfavoriten, die Spatzen spätestens, seitdem sie vor dieser Spielzeit verkündet hatten, innerhalb der nächsten drei Jahre aufsteigen zu wollen. Diesem Ziel sind die Hessen derzeit deutlich näher als die Ulmer. Zwar ist die Saison noch einigermaßen frisch, die Spatzen auf Platz acht drohen mit einer Niederlage gegen Offenbach (Rang vier) jedoch weiter den Anschluss an die oberen Ränge zu verlieren. Ein Sieg wiederum würde den Ulmern unter Umständen einen ordentlichen Sprung nach oben verschaffen. Drei Punkte liegen zwischen dem SSV und den Kickers. Es steckt also einiges in diesem Spiel.

Regionalliga Südwest: SSV Ulm 1846 Fußball trifft auf Offenbach

Auch deshalb, weil Ulm in den vergangenen fünf Ligapartien nur eines gewonnen hat, das gegen den Bahlinger SC, der kurz zuvor aus der Corona-Quarantäne gekommen war. Gemessen an den eigenen Ansprüchen ist das zu wenig, zumal die Gegner dieser fünf Partien aus der unteren Tabellenhälfte stammen und eigentlich nicht die sind, an denen sich der SSV Ulm 1846 Fußball messen möchte. Das weiß auch Holger Bachthaler, der auf die Frage nach der Wichtigkeit der Partie am Freitag antwortet: „Für uns ist derzeit jedes Spiel wichtig, weil wir mit den letzten Ergebnissen nicht zufrieden sein können.“ Das Problem aktuell: „Wir bekommen manche Dinge nicht auf den Platz, die wir in der Vergangenheit hinbekommen haben.“ Dazu gehört beispielsweise das Verteidigen. Wie beim 1:3 in Großaspach hatten es gegnerische Angreifer zuletzt oft viel zu einfach vor dem Ulmer Tor. Auch Ehingen hätte in der WFV-Pokalpartie am Dienstagabend (3:0 für Ulm) in Hälfte eins durchaus mehrfach treffen können – wäre der Verbandsligist nicht an sich selbst oder Spatzentorwart Christian Ortag gescheitert.

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„Wir müssen fehlerfreier im Sechzehner spielen“, fordert Bachthaler. Der ein oder andere Spieler agiere momentan zu sorglos auf dem Platz, sagt er und schlägt damit in eine Kerbe, in die auch Mittelfeldmann Vinko Sapina nach dem 0:2 gegen Aalen geschlagen hatte. Er habe den Willen bei manchen seiner Mitspieler vermisst, sagte er. Die Partie gegen Ehingen war kein Glanzstück, das würde in Ulm auch niemand leugnen (Bachthaler: „schlechten Tag erwischt“) und letztlich ist es ja noch mal gut gegangen. „Wir sind seit vier Jahren im WFV-Pokal ungeschlagen und haben wieder das Halbfinale erreicht, das muss man auch mal sehen“, sagt Bachthaler. In der Regionalliga würden solche Partien aber wohl anders laufen.

Bachthaler nach WFV-Pokalspiel gegen Ehingen: "Schlechten Tag erwischt"

In der treten die Teams den Spatzen mittlerweile deutlich aggressiver entgegen und nicht mehr zwangsläufig mit einer Mauertaktik, wie das Koblenz oder Walldorf zu Beginn der Saison getan haben. Ehingens Trainer Michael Bochtler sagte nach dem Pokalspiel: „Wir hatten Ulm gut analysiert.“ Reicht das schon, um dem SSV zuzusetzen? Aalens Trainer Roland Seitz erklärte den Sieg gegen die Spatzen damit, sie dadurch geknackt zu haben, Vinko Sapina aus dem Spiel zu nehmen. Berechenbare Spatzen also? Fakt ist: Wenn die Ulmer auf ein Team reagieren müssen, tun sie sich schwer. In dieser Regionalliga-Saison haben sie noch keinen Rückstand gedreht. Offensiv gehen ihnen trotz ihrer personellen Qualität oftmals die Ideen aus – gepaart mit unnötigen Fehlern und Schwächen im Abschluss. „Individuelle Themen“, wie es Bachthaler nennt. Deshalb zweifelt er auch nicht an seiner Taktik. „Wenn manche Spieler nicht aggressiv in die Zweikämpfe gehen, dann liegt es nicht an der Spielidee.“

Und damit zurück zu Luigi Campagna. Der war im Februar laut eines Berichts von Sport1 im Training in eine Schlägerei verwickelt, bei der ihm die Nase gebrochen worden war. Er selbst habe zwar auch ausgeteilt, den Konflikt aber nicht angezettelt hieß es. Ganz so viel Aggressivität sollte der SSV aber auch wieder nicht zeigen.

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