Stadt Ulm versteigert Fundgegenstände: Einen Kühlschrank gibt es für elf Euro
Ulm
Schnäppchenjagd in Ulm: So läuft der Bieterwettkampf um Fundstücke ab
Zweimal im Jahr versteigert die Stadt Ulm nicht abgeholte Fundsachen. Besonders beliebt sind Tüten voller Schmuck. Einen Kühlschrank gibt es für elf Euro.
Viele Menschen nutzen die halbe Stunde Schauzeit und machen sich Notizen über die Gegenstände, bevor die Versteigerung losgeht.Foto: Esther Howell
Um die Tische drängen sich Menschen, greifen nach verschiedenen Taschen, machen sie auf und wollen hineinschauen: Was da wohl drin ist? Ein Giraffen- und ein Hasenstofftier blicken einem aus einer offenen Tragetasche entgegen, in der auch Kinderschuhe, ein Regenschirm und Spielzeugautos enthalten sind. Doch bei den meisten Taschen lässt sich der Inhalt nicht erkennen.
Auch Jacken, Kopfhörer, Uhren, Sonnenbrillen, ein Brettspiel, eine Drohne, diverse Schmuckwaren und vieles mehr werden genauer unter die Lupe genommen. Kurz vor der Versteigerung von Fundgegenständen im Ulmer Bürgerbüro geht es aufgeregt zu. „Es wäre super, wenn Sie die Taschen nur kurz aufmachen und nicht auseinandernehmen!“, ruft eine Mitarbeiterin des Ulmer Fundbüros.
Wer wissen möchte, was genau in einer Tasche enthalten ist, muss später mitbieten und sich diese ersteigern. Eine halbe Stunde vor Beginn dürfen Interessierte bereits kommen und sich die verlorenen Gegenstände anschauen. Das nutzen viele aus und versuchen, sich die besten Dinge zu merken. Manche machen sogar Notizen.
Wer einen Fundgegenstand ersteigern möchte, muss genug Bargeld dabeihaben
Ein halbes Jahr warteten die verschiedenen Fundsachen in den Regalen und Räumen des Bürgerbüros. Niemand hat sie abgeholt. Jetzt finden sie hoffentlich ein neues Zuhause. Wenn nicht, dann werden sie entsorgt. Wer etwas ersteigern möchte, sollte genug Bargeld dabeihaben. Denn wer am meisten bietet, darf nach dem „Ping!“ der Fahrradklingel, die den Kauf bestätigt, direkt nach vorn und bezahlt sofort. Kartenzahlung ist dabei nicht möglich. Um mitzubieten, muss man sich klar und deutlich melden. Ein- und Aussteigen ist jederzeit möglich, und die Fundstücke werden nach Kategorien nacheinander angeboten.
Menschen haben diese verschiedenen Taschen, Rucksäcke und Turnbeutel verloren und nie abgeholt. Jetzt wurden sie von der Stadt Ulm samt Inhalt versteigert.Foto: Esther Howell
Einer der Fundgegenstände ist ein 36-Liter-Kühlschrank mit Kühlakkus und Kühlbox. 20 Euro sind der Startpreis – doch er scheint noch zu hoch. Niemand meldet sich. „Toll für den Sommer, da kann man Getränke im Garten reinstellen und er funktioniert“, erklärt die Mitarbeiterin des Fundbüros. Elektrische Geräte werden, soweit es geht, geprüft – aber es besteht keine Garantie.
Es sei eigentlich schon ein guter Deal, sagt Ralf Schilling aus Ulm, der die Versteigerung verfolgt. Doch wie transportiere man so einen Spontankauf nach Hause? Er meldet sich nicht. Schließlich erklärt sich ein junger Herr bereit, das Gerät samt Zubehör für elf Euro zu kaufen. Hoffentlich ist er mit einem Auto gekommen, sonst wird sich der Transport schwierig gestalten.
Bei der Versteigerung wird eine Schmucktüte für 600 Euro verkauft
Bei der nächsten Kategorie wird es schnell immer teurer: Tüten voller Schmuck werden versteigert. Nicole Rodriguez ist extra aus Günzburg angereist. Sie hat sich bei der vergangenen Versteigerung im Oktober eine Schmucktüte für 25 Euro gesichert und es stellte sich heraus, dass darin Gold im Wert von 180 Euro enthalten war. Jetzt hofft sie, dass sie wieder so ein glückliches Händchen hat.
Es seien verschiedene Goldhändler im Raum, die mit ihren Geboten die Preise in die Höhe treiben, wenn sie vermuten, dass in den Tüten wertvoller Schmuck enthalten ist, erzählt sie. Und so passiert es auch: Ein Paar vorne links und Teilnehmer aus den hinteren Reihen entfachen einen Preiskampf. Der Schmuck wird immer teurer – eine Tüte wird sogar für etwa 600 Euro verkauft. Sobald dieser Teil der Veranstaltung vorbei ist, gehen manche, die vermutlich nur deswegen vor Ort waren.
Auch verschiedenste Kopfhörer, Lautsprecher, Powerbanks und eine Drohne werden versteigert.Foto: Esther Howell
Rodriguez ersteigert sich also keinen Schmuck, dafür schlägt sie bei den Sonnenbrillen zu und ersteigert neun Stück für je einen Euro. Manche wird sie vielleicht für sich behalten, die anderen am Wochenende bei einem Flohmarkt verkaufen. Danach kommen Uhren und Kopfhörer an die Reihe. Handys, Laptops, Smartwatches und kabellose Kopfhörer sind allerdings keine dabei. Diese werden von einer externen Firma von allen Daten bereinigt, bevor sie online versteigert werden.
Was da wohl drin ist? Viele ersteigern Taschen im Bürgerbüro
Nachdem die meisten Gegenstände neue Besitzer gefunden haben, kommen die vollen Taschen an die Reihe. Nicht immer weiß man, was genau drin ist – es sind Wundertüten für Erwachsene. Oft werden sie im Zweierpack versteigert. Je nachdem, wie viele Menschen mitbieten, kosten sie dann nur fünf oder auch mal 23 Euro. Rodriguez greift ordentlich zu. Am Ende hat sie zwei große Tragetaschen voller verschiedener Rucksäcke und Turnbeutel, einige für Erwachsene und viele für Kinder. Sie hofft auf hochwertigen Inhalt, den Sie verkaufen kann.
Beim nächsten Termin, am Donnerstag, 7. Mai, werden Fahrräder versteigert. Diese Veranstaltung ist meist noch besser besucht als die regulären Versteigerungen, die jedes Jahr einmal im Frühjahr und einmal im Herbst stattfinden. Der Erlös der Versteigerungen fließt in den Haushalt der Stadt Ulm ein. Und auch in Neu-Ulm findet am 7. Mai eine Fundsachen-Versteigerung statt: um 13.30 Uhr in der Tiefgarage des Neu-Ulmer Rathauses.
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