Eduard kommt nach Hause. Zärtlich begrüßt er seine Frau, sie küssen sich, scherzen Dann setzt er sich aufs Sofa, öffnet eine Flasche Wein und stößt mit ihr auf den Hochzeitstag an. So weit, so harmonisch. Doch als sein Bruder Erik hereintritt, wird klar: Das ist alles nur in Eduards Kopf. Eduard ist Witwer. Und die WG-Situation mit seinem Bruder hat ihn nicht davor bewahrt, schrullig zu werden.
Das muss sich ändern, beschließt Erik – und will die WG um den Berufsschullehrer Erwin erweitern. Doch Eduard hat etwas dagegen. Er liebt Ordnung, und jeder weitere Mitbewohner ist für ihn ein Frontalangriff auf die wohltemperierte Ruhe seines Gewohnheitstier-Daseins.
Männer-WG in Herrlingen
Mit ihrer neuen Komödie „Männer-WG“ blickt Edith Erhardt tief in die Seele der Spezies Mann – genauer: des alleinstehenden Mannes. Mit feinem Gespür für Pointen und menschliche Wendungen entwickelt Erhardt in der Doppelrolle als Autorin und Regisseurin eine temporeiche Screwballkomödie. Eduard, wunderbar wandlungsfähig von Frank Erhardt verkörpert, besitzt zu Beginn ausgeprägte Spaßbremsenqualitäten: pingelig, gönnerhaft, humorlos und menschenscheu. Erik hingegen, von Ulf Deutscher mit Verve und Witz als fleischgewordener Althippie angelegt, lässt gern mehr als nur alle Fünfe gerade sein. Der neue Mitbewohner schließlich wird zum Kitt, der die ungleiche WG zusammenhält. Sebastian Schäfer gibt den ehegeschädigten Vollblutpädagogen Erwin mit Humor als Archetyp des fröhlichen Endfünfzigers, der es noch einmal wissen will.
Ein „seltsames Paar“ in der Theaterei
Die Komödie beginnt als klassisches Kontrastspiel im Stil von „Ein seltsames Paar“. Kaum ist das zänkische Brüderduo zum Trio geworden, fliegen die Funken. Und so geschieht, was man zwar schon ahnt, aber mit wachsendem Vergnügen verfolgt: Jeder der drei Herren verändert sich – und zwar zum Besseren.
Eduard sieht man plötzlich auf der Tanzfläche, Couchkartoffel Erwin wird von Erik zum Sport motiviert, und Erik darf schließlich in den Hafen einer glücklichen Beziehung einlaufen. Sprengt das die traute WG?
Erhardts flotte Komödie beschert den Männern im Publikum viele Lacher – noch mehr aber vermutlich den Frauen, die mit ganz ähnlichen Exemplaren zusammenleben. Neben der gewitzten Szenenmusik von Julia Klomfass spielen und singen die Darsteller musikalische Intermezzi, die einfach gute Laune machen. Diese quirlig-kluge Inszenierung macht Spaß. Die psychologische Feinheiten sind präzise ausgelotet, ohne je der naheliegendsten Pointe hinterherzujagen. Die Darsteller erlebt man in Höchstform – und schließt ihre Figuren rasch ins Herz. Sicherlich die sympathischste Männer-WG seit Langem. Da würde man sofort einziehen.
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