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  3. Tödliche Brand-Attacke in Kempten bei "Aktenzeichen XY": Neu-Ulmer Polizei wertet neue Hinweise aus

Neu-Ulm/Kempten
13.01.2022

"Aktenzeichen XY": Polizei wertet Hinweise zu tödlicher Brand-Attacke aus

Die mit roten Buntstiftmarkierungen versehene Reproduktion eines Fotos der Polizei zeigt das Mehrfamilienhaus in Kempten, nachdem ein Brandanschlag verübt worden war.
Foto: Polizei Schwaben Süd/West, dpa

Ein türkischer Junge kam ums Leben. Ein Bekennerschreiben der "Anti-Kanaken-Front-Kempten" tauchte auf. Nach der Ausstrahlung im TV liegen der Kripo in Neu-Ulm neue Hinweise vor.

Ein tödlicher Brandanschlag in Kempten ist nach 30 Jahren noch immer ungelöst - doch kommt jetzt neue Hoffnung auf? Ein fünf Jahre alter türkischer Junge kam damals ums Leben. Bei der Kriminalpolizei in Neu-Ulm wurde eine Sonderkommission gegründet. Die Ermittler gehen von einem rassistisch motivierten Mordanschlag aus. Nach dem Verbrechen war ein mit "Anti-Kanaken-Front-Kempten" unterzeichnetes Bekennerschreiben aufgetaucht. Darunter war ein Hakenkreuz abgebildet. Am Mittwoch wurde der Fall nun bei der ZDF-Sendung "Aktenzeichen xy" ausgestrahlt. Liegen den Neu-Ulmer Beamten jetzt neue Erkenntnisse vor?

Es seien "diverse Hinweise" eingegangen. Dabei handle es sich um eine niedrige zweistellige Zahl, so ein Sprecher des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West am Donnerstag nach der TV-Sendung, im Gespräch mit unserer Redaktion. Die würden jetzt von den zuständigen Beamten in Neu Ulm geprüft. Ob jedoch ein hilfreicher Tipp eingegangen sei, könne man noch nicht beurteilen.

Bei "Aktenzeichen XY" mit Rudi Cerne geht es am Dienstag um einen Fall, der Kempten seit Jahrzehnten beschäftigt - der Tod eines Fünfjährigen bei einem Brand.
Foto: Sina Schuldt, dpa (Archivbild)

Brandanschlag von Kempten bei Aktenzeichen XY: Belohnung erhöht

Die Ausstrahlung hat aber ganz offensichtlich bei vielen Zuschauern große Bestürzung ausgelöst. Wie der Polizeisprecher am Donnerstag weiter berichtet, haben mehrere Menschen nach der ZDF-Sendung sich gemeldet, um die Belohnung zu dem Fall zu erhöhen. Die bisherige Belohnung von 10.000 Euro sei dadurch mehr als verdoppelt worden, erklärte der Polizeisprecher.

Der fünfjährige Junge Ercan war in der Nacht zum 17. November 1990 bei einem gelegten Feuer ums Leben gekommen. Er starb kurze Zeit nach der Brandstiftung im Krankenhaus. Die Feuerwehr hatte ihn zwar damals noch aus dem Gebäude gerettet, jedoch kam die Hilfe zu spät. Andere Bewohner des Hauses konnten sich durch Sprünge aus den Fenstern retten. Sie wurden teils schwer verletzt, auch Retter wurden bei dem Einsatz verletzt.

Bekennerschreiben mit "Anti-Kanaken-Front-Kempten" gekennzeichnet

Nach dem Feuer wurde schnell Brandstiftung als Ursache festgestellt. Zunächst hatten die Ermittler einen Streit unter Türken als Auslöser vermutet. Das Gebäude wurde nur von türkischen Staatsangehörigen bewohnt. Später ging dann bei einer Zeitung ein Bekennerschreiben ein, das mit "Anti-Kanaken-Front-Kempten" gekennzeichnet war. Deswegen wird bei dem Mordanschlag nun eine Tat von Rechtsextremisten vermutet.

In fast drei Jahrzehnten konnte allerdings kein Täter ermittelt werden. Ende 2020 hatte dann die Generalstaatsanwaltschaft in München als Zentralstelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus die Ermittlungen wegen Mordes wieder aufgenommen, um neue Ansätze zu prüfen. Bei der Kriminalpolizei in Neu-Ulm wurde eine Sonderkommission gebildet, die jetzt die neuen Hinweise auswertet. (AZ/dpa)

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