Newsticker
Türkei blockiert Nato-Beitrittsgespräche mit Finnland und Schweden
  1. Startseite
  2. Neu-Ulm
  3. Ulm: Putin-Freunde? Direktor der Donau-Akademie von "Spaziergängern" angegangen

Ulm
08.05.2022

Putin-Freunde? Direktor der Donau-Akademie von "Spaziergängern" angegangen

Ein Sowjetstern mit Hammer und Sichel - wie dieser auf einer Hauswand - wird in diesen Tagen vielfach als Symbol für Befürworter des Angriffskriegs verwendet. So auch in Ulm von "Spaziergängern".
Foto: Patrick Pleul

Peter Langer kritisiert Menschen in Ulm, die mit Mützen aus der Sowjetzeit Demokratie einfordern. Die Reaktion der Polizei macht ihn "fassungslos".

Für gemeinsame Werte in Europa wie Toleranz, Demokratie und Meinungsfreiheit in Europa setzt sich Peter Langer, der Direktor der Donauakademie Peter Langer seit Jahren ein. Dass es auch in seiner Heimatstadt hier viel aufzuarbeiten gibt, musste er nach eigenen Angaben am Freitagabend erleben.

Wie jeden Freitag spazierten auch dieses Mal wieder Menschen durch Ulm, um auf vermeintliche Missstände aufmerksam zu machen. Auf der Höhe der Volksbank-Filiale in der Hirschstraße begegnete Langer nach eigenen Angaben am Freitagabend einer Gruppe von "Spaziergängern", die lautstark mit Trommeln und Tröten auftraten. "Ich fragte einige von ihnen, ob sie sich nicht schämen, lauthals 'Freiheit' und 'Demokratie' einzufordern, obwohl sie doch ganz offensichtlich solche Aktionen machen können, weil bei uns Freiheit und Demokratie herrschen", schreibt Langer in einem Brief an Polizeipräsident Bernhard Weber.

Vier Männer mit Pelzmützen und Russland-Symbolik

Daraus habe sich eine lautstarke Auseinandersetzung ergeben. Auf den Streit aufmerksam geworden seien dann vier Männer, die Pelzmützen mit dem Wappen der alten Sowjetarmee - roter Stern mit Hammer und Sichel - trugen. Wohl um damit ihre Unterstützung von Putins Krieg in der Ukraine zu bekunden. "Ich war fassungslos", so Langer, der Organisator der am Sonntag in Ulm beginnenden Donau-Kulturkonferenz.

Noch fassungsloser habe ihn allerdings der Umstand gemacht, dass ihn drei Polizisten anhielten und seinen Personalausweis sehen wollten. Einer der Beamten habe ihm daraufhin einen "Platzverweis" erteilt. Seine Frage, warum denn die "Spaziergänger" keinen Platzverweis bekämen, sei unbeantwortet geblieben. Darüber beschwerte Langer sich jetzt schriftlich bei der Polizei. "Was gedenkt die Polizei zu tun, um solche unfassbaren Vorfälle - ein Hohn auf unsere freiheitliche Grundordnung und die Solidarität mit der Ukraine - in Zukunft zu unterbinden?", fragt Langer unter anderem Polizeichef Weber in dem unserer Redaktion vorliegenden Schreiben. Zudem reicht Langer die vor Ort unbeantwortet gebliebene Frage weiter, warum er und nicht die Demonstranten einen Platzverweis kassiert hätten. Langer ist Initiator des „Donaubüros Ulm Neu-Ulm“ und wurde mit dem Bundesverdienstkreuz und dem Europäischen Bürgerpreis ausgezeichnet.

Querdenker eine "rechtsautoritäre Sammlungsbewegung"

Ulm steht nicht alleine vor dem Phänomen, dass sich in die unangemeldeten Demos gegen die Corona-Maßnahmen Befürworter des russischen Angriffskriegs mischen. Der Soziologe Dieter Rucht hatte dies jüngst in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin Spiegel beschrieben. Der renommierte Protestforscher nennt die Querdenker-Szene eine "rechtsautoritäre Sammlungsbewegung". Der gemeinsame Nenner sei die Kritik an einer vermeintlichen Meinungsdiktatur und eine Bevormundung durch die Eliten. Rucht: "Nicht alle 'Querdenker' sind rechtsradikal. Aber zumindest die Organisatoren tendieren in diese Richtung." Und dass die Polizei in Ulm in "offensichtlichen Unterstützern" des Diktators Putin, so Langer gegenüber der Redaktion, offenbar kein Problem sieht, ihm aber einen Platzverweis ausspricht, stößt dem Ulmer sauer auf. Langer: "Ein Hohn auf unsere freiheitliche Grundordnung." Die Antwort auf den Brief steht noch aus.

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

11.05.2022

Da ich in Augsburg beruflich tätig bin, verfolge ich die Diskussion über das Klimacamp. Sobald hierzu ein Artikel in der AZ erscheint, melden sich dutzende konservative Bürger und prangern entrüstet an, dass das Klimacamp aufgrund seiner neuen "Nebenthemen" wie Lebensmittelverschwendung und Rechte für Queerpersonen offenbar seine Berechtigung verloren hat! Der Schandfleck (also das Klimacamp) muss weg, ist die Forderung.

Anders in Ulm, hier lungern weiterhin die Quergänger durch die Straßen, unbehelligt von Polizei und besorgten Bürgern! Diese Gruppierung hat sich schon lange von seinem Kernthema verabschiedet... den Corona-Maßnahmen! Anders als die Klimacamper, deren Hauptanliegen unser Klima immer präsent ist, haben diese Quergänger absolut keine Daseinsberechtigung mehr, weil es derzeit keine Maßnahmen mehr gibt, die einen schwerwiegend einschränken. Der angebliche Verlust der Freiheit entsteht nur in beschränkten Köpfen!

Die Klimacamper verzeihen mir den Vergleich, aber ich finde es erschreckend. In Augsburg echauffieren sich ältere Bürger monatelang mit unzähligen Kommentaren unter jeden Artikel zum Klimacamp aber in Ulm rührt sich fast keiner wenn die Quergänger weiter ihr Unwesen treiben!

Hut ab für Herrn Heinz G fürs erste Kommentar hier und vorallem für Herrn Peter Langer für seine Zivilcourage!!!

Permalink
09.05.2022

Unglaublich, wie ignorant und nachlässig die Behörden in Ulm mit diesen unverfrorenen, ignoranten und selbstgerechten Möchtegern-Querulanten umgeht. Nach wie vor können sie in Ulm unsanktioniert ihr merkwürdiges Staatsverständnis im öffentlichen Raum bei stets unangemeldeten Demonstrationen hinausposaunen. Sie belästigen Mitbürger, blockieren den Verkehr und scheren sich kein bisschen
Man kann nur hoffen, dass Peter Langer die Sache nicht auf sich beruhen lässt und die Behörden endlich ihren Aufgaben nachkommen, anstatt seit Monaten bei diesem unsinnigen Treiben nur zuzuschauen und dann auch noch von "Deeskaltion" zu sprechen.

Permalink