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Ulm/Regglisweiler
13.05.2022

Urteil zum Mordversuch in Regglisweiler: Täter muss lange in Haft

Vergangenes Jahr stach ein 25-Jähriger in dieser Gemeinschaftsunterkunft in Regglisweiler 18-mal auf seinen Mitbewohner ein. Dafür muss er nun eine lange Haftstrafe absitzen.
Foto: Alexander Kaya (Archivbild)

Im Prozess um eine Messerattacke in Regglisweiler fällt das Urteil. Auf Milde darf der Angeklagte wegen der Schwere der Tat nicht hoffen.

Die Schuld des Angeklagten war längst belegt, es war nur noch eine Frage des Strafmaßes. So könnte man die Ausgangslage vor dem Urteil der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Ulm zusammenfassen. Verhandlungsgegenstand war eine Messerattacke in einer Asylunterkunft in Regglisweiler im vergangenen August. Mit 18 teils lebensgefährlichen Messerstichen verletzte ein 24-Jähriger hinterrücks seinen Mitbewohner. Dieser überlebte nur mit "mindestens einem Schutzengel", wie der Vorsitzende Richter Wolfgang Tresenreiter nun in der Begründung des Urteils darlegt. Dieses geht sogar über das beantragte Strafmaß der Staatsanwaltschaft hinaus.

Der Staatsanwalt forderte in der letzten Woche eine Gesamtfreiheitsstrafe von zehn Jahren wegen versuchten Mordes, schwerer Körperverletzung und Raub. Der Verteidiger des Angeklagten plädierte hingegen für eine Strafe von nicht mehr als sieben Jahren, weil der Täter nach der Attacke in das Zimmer zurückgekehrt sei und das Opfer den Eindruck vermittelt habe, nicht an seinen Verletzungen zu versterben. Außerdem äußerte der Verteidiger Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Opfers, dieses habe wiederholt unterschiedliche Versionen zum Tathergang geschildert.

Richter verurteilt den Angeklagten zu elf Jahren und zwei Monaten Haft

Tresenreiter lässt diese Entlastungsstrategie nicht gelten. "Aus psychologischen Gründen ist es durchaus nachvollziehbar, dass das Opfer nicht jede Einzelheit genau erinnert", betont der Richter. Der Mann leide bis heute unter den körperlichen und mentalen Folgen des Angriffs. Zudem bleibe das Kerngeschehen von den abweichenden Versionen unberührt. Und das sei, was das Tatopfer physisch und psychisch erfahren habe. Der Schwerverletzte habe davon ausgehen müssen: "Ich werde jetzt sterben." Deshalb sei eine Gesamtfreiheitsstrafe von elf Jahren und zwei Monaten wegen versuchten Mordes, schwerer Körperverletzung und Diebstahl angemessen, begründet Tresenreiter das Urteil.


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Gerade der Diebstahl zeigte laut dem Gericht, dass der Angeklagte seinem Opfer nicht helfen wollte. Er hätte den Tatort verlassen, um sein blutverschmiertes T-Shirt und die Tatwaffe zu entsorgen. Anschließend sei er in das Zimmer zurückgekehrt; dort vorgefunden habe er das schwerverletzte, am Boden kauernde Opfer. Statt diesem jedoch zu helfen, habe der Angeklagte noch dessen Handy an sich genommen, damit sich sein Mitbewohner keine Hilfe herbeiholen könne, sagt der Richter. Zu diesem Zeitpunkt sei der 24-Jährige schon komplett auf seine Flucht fixiert gewesen.

Mordversuch in Regglisweiler: Tatmotiv bleibt am Ende des Prozesses offen

Am Ende des Verfahrens bleiben trotz des eindeutigen Urteils etliche Fragezeichen, die auch das Gericht nicht beantworten kann. Über die persönlichen Umstände des Angeklagten, der weder Deutsch noch Englisch spricht und deshalb während aller Verhandlungstage einen Dolmetscher zur Seite gestellt bekommen hatte, sei wenig bekannt, sagt Tresenreiter. Er habe mehrfach widersprüchliche und offenkundig falsche Angaben gemacht.

Zudem, und das ist die zentrale Lücke, bleibt bis zum Schluss das Tatmotiv offen. Der Angeklagte konnte bis zuletzt keine klare Aussage darüber treffen, was ihn zu seiner Attacke bewogen hatte. Auch in seinem letzten Wort, das ihm nach den Plädoyers der Staatsanwaltschaft und seines Verteidigers zuteil wurde, sagte er lediglich: "Es tut mir leid." Aufklärung hätte wohl nur das Opfer schaffen können, vermutet Tresenreiter. "Aber auch er konnte oder wollte kein mögliches Motiv für die Tat nennen."

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