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Weiter Schulweg: Ulmer Azubis müssen für die Berufsschule künftig nach Laupheim fahren

Landkreis Neu-Ulm

Streit um Logistik-Azubis: Neu-Ulm droht Verlust von 290 Berufsschülern

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    Noch gehen die Auszubildenden der Lagerlogistik in die Berufsschule Neu-Ulm. Das soll sich für die neuen Lehrlinge ab kommendem Schuljahr ändern.
    Noch gehen die Auszubildenden der Lagerlogistik in die Berufsschule Neu-Ulm. Das soll sich für die neuen Lehrlinge ab kommendem Schuljahr ändern. Foto: Roland Furthmair (Archivbild)

    Für viele Auszubildende wird der Weg zur Berufsschule bald deutlich länger – und für den Standort Neu-Ulm steht viel auf dem Spiel. Künftig sollen angehende Fachlageristen und Fachkräfte für Lagerlogistik aus Ulm und Umgebung nicht mehr nach Neu-Ulm, sondern nach Laupheim zur Schule gehen. Rund 290 Berufsschüler könnten dadurch wegfallen.

    Ab dem Schuljahr 2026/27 müssen die Berufsschüler nach Laupheim

    Die Entscheidung ist bereits gefallen. Nach Angaben des Regierungspräsidiums Tübingen werden die Ausbildungsgänge ab dem Schuljahr 2026/27 an der Kilian-von-Steiner-Schule in Laupheim eingerichtet. Grundlage sei ein festgestellter Ausbildungsbedarf in der Region Südwürttemberg. „Ist ein solcher Bedarf aufgewiesen, muss die Schulverwaltung einen entsprechenden Bildungsgang einrichten“, heißt es aus Tübingen.

    Aus Sicht des Landkreises Biberach stärkt die Entscheidung die Region. Die neuen Bildungsgänge sollen schrittweise aufgebaut werden, beginnend mit dem ersten Ausbildungsjahr. Das Einzugsgebiet umfasst neben dem Landkreis Biberach auch den Alb-Donau-Kreis und die Stadt Ulm. Langfristig rechnet das Landratsamt Biberach mit rund 180 Schülerinnen und Schülern, die den Standort Laupheim stärken sollen. Damit sollen Auszubildende aus der Region künftig wohnortnaher unterrichtet werden.

    Die Kilian-von-Steiner-Schule kämpft seit Jahren mit sinkenden Schülerzahlen. Eine Überlegung der Biberacher, über eine Schnellbuslinie von Dietenheim nach Laupheim die Schule für Auszubildende und Schüler aus dem Illertal attraktiver zu machen, kippte der Kreistag.

    Nächster Anlauf: Die Neuordnung der sogenannten Sprengel für die Beschulung der beiden Ausbildungsberufe soll die Zukunft der Schule nun sichern. Allerdings: Bisher besuchen viele Auszubildende aus der Region Donau-Iller die Berufsschule in Neu-Ulm. Auf der bayerischen Seite wird hinter vorgehaltener Hand über „Egoismus“ der Biberacher geklagt, man sei doch „ein gemeinsamer Wirtschaftsraum“.

    Kritik kommt vom Landkreis Neu-Ulm: Landrätin Eva Treu kritisiert mangelnde Kommunikation

    Kritik kommt auch aus dem Landratsamt, dort sieht man die Entwicklung kritisch: Landrätin Eva Treu (CSU) erklärt auf Nachfrage, dass die Entscheidung über die neue Sprengelbildung vom Landkreis Biberach und dem Regierungspräsidium getroffen worden sei – ohne die bayerischen Partner. „Wir waren in diese Entscheidung nicht eingebunden“, sagt Treu.

    In der Grenzregion Donau-Iller habe sich der länderübergreifende Unterricht über viele Jahre bewährt. Eine möglichst wohnortnahe Berufsschule sei für viele junge Menschen ein wichtiges Kriterium bei der Wahl einer Ausbildung – und damit auch für Unternehmen. Durch den neuen Zuschnitt könnten sich für viele Auszubildende längere Wege ergeben, sagt die Landrätin.

    Nach Angaben des Landratsamts lernen derzeit rund 530 Auszubildende in den beiden Logistikberufen an der Berufsschule Neu-Ulm. Etwa 290 von ihnen stammen aus Betrieben mit Standorten in Baden-Württemberg – eine ähnlich hohe Zahl soll künftig in Laupheim unterrichtet werden.

    Müller in Jungingen: Unternehmen in der Region kritisieren die Verlagerung nach Laupheim

    Betroffene Unternehmen in der Region sehen die Entwicklung kritisch. Amelie Specht, Ausbildungsleiterin bei Müller, spricht von längeren und teilweise schwierigen Wegen für die Auszubildenden: „Viele unserer Azubis kommen aus dem Raum hinter Ulm oder Richtung Geislingen und Heidenheim – für sie ist Laupheim ein deutlich weiterer Weg.“

    Gerade für minderjährige Auszubildende, die mit Bus und Bahn fahren, sei das ein Problem. „Viele haben noch keinen Führerschein, da spielt die Erreichbarkeit der Berufsschule eine große Rolle“, sagt Specht. Pro Jahr bildet das Unternehmen am Standort Ulm-Jungingen zwei Lehrlinge im Bereich Lagerlogistik aus, die zweimal pro Woche die Berufsschule besuchen.

    Grundsätzlich könne zwar ein Gastschulantrag gestellt werden, doch auch das sei nicht immer eine gute Lösung: „Dann gehen die Azubis im Zweifel auf unterschiedliche Schulen – das ist für uns nicht ideal.“

    Noerpel warnt: Lange Schulwege könnten dazu führen, dass Azubis häufiger fehlen

    Für Franziska Reinhardt, Ausbildungsleiterin beim Logistikunternehmen Noerpel in Ulm sind die Veränderungen einschneidend: „Wir müssen jetzt schauen, dass wir unsere Azubis stärker im Raum Laupheim suchen.“ Hintergrund sind die deutlich längeren Wege für viele Jugendliche. Gerade im Bereich Lagerlogistik beginnen die Azubis häufig schon mit 16 Jahren – die meisten hätten noch keinen Führerschein und seien auf Bus und Bahn angewiesen.

    Für die Betriebe könne das zum Problem werden. „Wenn jemand eine Stunde von Langenau zur Schule braucht, dann habe ich das Problem, dass die Leute nicht hingehen und sich ständig krankmelden“, sagt Reinhardt. Pro Jahr bildet Noerpel zwischen fünf und zehn Auszubildende in der Lagerlogistik aus. Schon jetzt sei es schwierig, genügend Bewerber zu finden – durch die Verlagerung könnte sich die Situation weiter verschärfen.

    Mehr Flexibilität: Die IHK Ulm schlägt eine Wahlfreiheit für den Berufsschulstandort vor

    Auch die Industrie- und Handelskammer Ulm bringt sich in die Diskussion ein. Entscheidend sei, dass die Beschulung im Interesse der Unternehmen und der Auszubildenden organisiert werde, sagt Frank Stumm, Geschäftsbereichsleiter Bildung und Fachkräfte. Ein zentrales Kriterium sei die Erreichbarkeit der Standorte.

    Eine Befragung der IHK von Ausbildungsbetrieben habe ein differenziertes Bild ergeben: Je nachdem, ob sich die Situation für die Auszubildenden verbessere oder verschlechtere, bewerteten Unternehmen die Verlagerung unterschiedlich. Die IHK plädiert deshalb für mehr Flexibilität – etwa durch eine Wahlfreiheit beim Berufsschulstandort.

    Azubis, die schon in der Ausbildung stecken, können ihre Lehre in Neu-Ulm beenden

    Für Auszubildende, die ihre Ausbildung bereits in Neu-Ulm begonnen haben, soll sich zunächst nichts ändern. Neue Lehrlinge aus Baden-Württemberg sollen jedoch künftig in Laupheim zur Schule gehen.

    Der Landkreis Neu-Ulm bemüht sich derzeit um eine gemeinsame Lösung mit den beteiligten Partnern. Ziel sei es, eine Regelung zu finden, die sowohl für Betriebe als auch für Auszubildende praktikabel ist, so Eva Treu. Wie die Chancen dafür stehen, ist unklar.

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