Newsticker

Spahn: Bisher wurden rund 300 Corona-Infektionen über die App gemeldet
  1. Startseite
  2. Lokales (Neuburg)
  3. 29-Jähriger gibt sich im Netz als Mädchen aus und fordert Nacktfotos

Prozess in Neuburg

28.10.2015

29-Jähriger gibt sich im Netz als Mädchen aus und fordert Nacktfotos

Er wollte Nacktfotos von Mädchen, nun stand ein junger Mann in Neuburg vor Gericht.
Bild: Armin Weigel (dpa), Symbol

Ein 29-Jähriger hat seine Identität verschleiert und im Internet Nacktfotos von Teenagern verlangt. Die Mädchen reagierten richtig.

Tatort Internet: Ein 29-Jähriger hat sich über Monate hinweg falsche Identitäten gegeben und sich in der Anonymität der virtuellen Welt an junge Mädchen herangemacht. Er gab zunächst „Kinder-Chat“ als Stichwort bei einer Suchmaschine ein, stieß dann auf Internet-Foren wie etwa „Topmodel“ und knüpfte dort Kontakte mit Elf-, Zwölf- und 13-Jährigen. Ihnen spiegelte er dann vor, etwa im selben Alter und ebenfalls ein Mädchen zu sein, um ihr Vertrauen zu erschleichen. Schließlich wollte er sie zwingen, ihm Nacktaufnahmen zu schicken oder sich vor der Web-Cam nackt auszuziehen und an sich herumzumanipulieren. Mit Drohungen, er werde ihren Internet-Zugang sperren oder sich an ihre Eltern wenden, versuchte der Mann, seinen Forderungen Nachdruck zu verleihen.

14 Monate Gefängnis

Acht Fälle sind im Zeitraum zwischen Dezember 2013 und März 2014 aktenkundig geworden. Am Dienstag nun saß der Mann aus Wolnzach wegen versuchten sexuellen Missbrauchs von Kindern und versuchter Nötigung vor dem Neuburger Amtsgericht. Einen Fall stellte Vorsitzender Richter Gerhard Ebner ein, für die anderen verurteilte er den Angeklagten zu einem Jahr und zwei Monaten Gefängnis ohne Bewährung. Der Mann ist bereits vielfach vorbestraft, unter anderem einschlägig: Er war schon 2005 und 2009 wegen des Besitzes kinderpornografischer Schriften verurteilt worden und 2014 wegen Nötigung. Damals hatte er mit einer ähnlichen Masche wie jetzt versucht, ein junges Mädchen zu sexuellen Handlungen vor der Web-Cam zu zwingen. Seitdem sitzt er in Strafhaft – inzwischen schon seit 19 Monaten.

Zum Glück für die Mädchen – und letztlich auch für den Sexualtäter selbst – blieb es jeweils beim Versuch. Die Mädchen blockierten nämlich den Kontakt zu ihm, als die wirklichen Absichten des Mannes offensichtlich wurden.

29-Jähriger gibt sich im Netz als Mädchen aus und fordert Nacktfotos

Der Täter ist ein Internet-Junkie. Wie er vor Gericht erzählte, habe das Surfen im Netz für ihn einen „hohen Stellenwert“ gehabt. Andere Hobbys habe er nicht gehabt. Grund für seine Flucht in die virtuelle Welt sind Hänseleien wegen seines Aussehens, denen er sich schon seit seiner Schulzeit ausgesetzt fühlt. „Ich hatte Angst, nie eine Freundin zu finden, war verzweifelt und hab befürchtet, mir Abfuhren zu holen“, erklärte er seine Beweggründe. „Deshalb hab ich im Internet diese Kontakte zu jungen Mädchen gesucht.“

„Willkommen zurück in der Realität – und die heißt Gefängnis“

„Willkommen zurück in der Realität – und die heißt Gefängnis“, bemerkte Staatsanwalt Ingo Krist in seinem Plädoyer. Der Anklagevertreter machte dem Angeklagten klar, dass auch versuchter sexueller Missbrauch keine unerhebliche Straftat sei. Er wertete zwar das umfassende Geständnis des 29-Jährigen positiv – immerhin ersparte der Wolnzacher dadurch den Mädchen die peinliche Befragung im Zeugenstand – beantragte aber dennoch eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten „auch wegen Ihrer einschlägigen Vorahndungen“.

Verteidiger Hermann Hammermeier fand hingegen, „ein mildes Urteil wäre vertretbar“. Der Rechtsanwalt sieht seinen Mandanten auf einem guten Weg, da dieser sowohl die nötige Einsicht mitbringe, als auch erfolgreich eine Therapie begonnen habe. Zudem seien „19 Monate JVA kein Zuckerschlecken“.

Vorsitzender Gerhard Ebner hielt schließlich eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten für tat- und schuldangemessen und riet dem Wolnzacher, sich unbedingt weiter therapeutisch behandeln zu lassen – „je länger, umso besser“. Der abschließende Gedanke Ebners galt den Gefahren im Internet: „Viele meinen, Kinder sind Freiwild im virtuellen Bereich. Da muss man als Gesetzgeber und Judikative dafür sorgen, dass ganz massiv mit Strafen dagegen vorgegangen wird.“

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren