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Justiz in Neuburg

18.06.2020

31-Jähriger kauft holländische Blüten im Darknet

Gefälschte Geldscheine werden im Internet angeboten.
Bild: Fabian Sommer (dpa)

Plus Ein Mann aus dem Landkreissüden bestellte Falschgeld und Drogen im Internet. Zudem beleidigte er Polizisten. Jetzt wurde sein Fall im Amtsgericht Neuburg verhandelt.

Wie ein 31-jähriger Mann aus dem Landkreissüden den Sommer 2018 wohl verbrachte, lässt sich in seiner Anklageschrift nachlesen. Ein Ausflug nach Augsburg, ein Halt auf dem Autobahnrastplatz Köschinger Forst oder Fahrten nach Stuttgart und Ulm sind darin aufgelistet. In Supermärkten, Tankstellen oder einer McDonalds-Filiale soll der vorbestrafte Mann mit Falschgeld bezahlt haben. Sein in Ulm verlorener Geldbeutel, in dem noch sieben gefälschte Banknoten steckten, ließ ihn letztlich auffliegen. Am Neuburger Amtsgericht muss er sich nun für gleich drei Vergehen verantworten.

Demzufolge soll er im Juli 2018 das Falschgeld im Darknet geordert haben. Die 15 Banknoten stammten aus den Niederlanden und wurden ihm per Post zugeschickt. Neben gefälschten Fünfzigeuroscheinen erwarb der gelernte Mechatroniker in weiteren Onlinebestellungen Haschisch, Marihuana und Speed für den Eigenkonsum. Zudem leistete er im November 2019 Widerstand während einer polizeilichen Einweisung und beleidigte die Beamten.

Richter Veh: "Falschgeld ist aus der Mode gekommen."

Die Verhandlung der Schöffensitzung leitet Richter Christian Veh. Der Vorsitzende erinnert sich an den Angeklagten: „Wir sind wieder beieinander.“ Der arbeitslose Mann hat zwei Vorstrafen und war zum Zeitpunkt der Vergehen auf Bewährung. Der Richter zeigt besonderes Interesse an den gefälschten Banknoten. Ein solches Delikt hat es schon länger nicht mehr am Amtsgericht gegeben. „Falschgeld ist aus der Mode gekommen“, stellt Richter Veh trocken fest. Ein Bekannter, der sich mit dem Darknet auskenne, habe ihm die Plattform gezeigt, schildert der Angeklagte. Das mit dem Falschgeld sei ihm aber dann zu heiß geworden, weshalb er abwechselnd mit echtem Geld bezahlt habe. Die pflanzlichen Drogen habe er selbst konsumiert, das Speed habe er einem Freund geschenkt, gesteht der Beschuldigte. Nach der Anhörung mehrerer Polizeibeamter streichen Staatsanwalt Gerhard Reicherl und Richter Veh den erwerbsmäßigen Handel von Drogen und Falschgeld aus der Anklage, da es dafür keine Hinweise gibt.

31-Jähriger kauft holländische Blüten im Darknet

Angeklagter verletzt und beleidigt Polizisten

Der dritte Anklagepunkt steht nicht im Zusammenhang mit den beiden vorherigen Straftaten, jedoch ist der Beschuldigte bereits einschlägig vorbestraft. Im November 2019 setzte der Vater des Beschuldigten einen Notruf bei der Polizei ab. Laut Aussage des Streifenpolizisten habe sich der Vater vor seinem alkoholisierten Sohn in der Garage versteckt. Als die Polizisten eintrafen und den Angeklagten ins Ingolstädter Klinikum einweisen wollten, wurde er aggressiv und weigerte sich. Die beiden Beamten erlitten während des Einsatzes mehrere Prellungen und wurden beleidigt. Im Krankenhaus wurde bei dem Angeklagten ein Alkoholpegel von 1,6 Promille festgestellt. Außerdem hatte er zuvor Medikamente gegen seine manisch-depressiven Störungen eingenommen. Aufgrund der psychischen Erkrankung wurde ein Gutachten erstellt. Gutachter Dr. Thomas Obergrießer hält den Angeklagten hinsichtlich der Körperverletzung nur bedingt schuldfähig, da der Beschuldigte sich zu dem Zeitpunkt in einer ambulanten Therapie befand und während der Tat unter Medikamenten und Alkohol stand.

Zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten wird der 31-Jährige verurteilt. Sein einsichtiges Geständnis und die Kooperation während der Verhandlung lobt Richter Veh. Wegen der einschlägigen Vorstrafen sei aber eine Freiheitsstrafe unausweichlich, erklärt der Richter. Bis jetzt ist das Urteil noch nicht rechtskräftig.

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