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Neuburg an der Donau

09.04.2015

70 Jahre und (k)ein bisschen Wunderlich

Karl-Heinz Wunderlich an seinem 70. Geburtstag. Er ist Leiter und Gründungsmitglied der Neuburger Tafel.
Bild: Dorothea Pfaffel

Der Leiter und Mitbegründer der Neuburger Tafel feierte seinen Ehrentag. Eines wünscht er sich ganz besonders.

Da steht sie, zwischen Körben mit Baguettescheiben und kalten Platten: eine Schwarzwälderkirschtorte. Sie ist Karl-Heinz Wunderlichs Lieblingskuchen und darf daher beim Überraschungsfrühstück zu seinem 70. Geburtstag auf keinen Fall fehlen. Das Frühstück findet in den Räumen der Neuburger Tafel am Schwalbanger statt. Dabei ist Wunderlich selbst nicht bedürftig – nein, er ist vielmehr der Leiter und ein Gründungsmitglied der Tafel. Um halb acht Uhr in der Früh – zu Dienstbeginn – haben ihn seine beiden Stellvertreterinnen Ursula Schmitt und Philomena Schlamp mit dem Fest überrascht. Ungefähr 20 Mitarbeiter begrüßten den Jubilar mit einem Ständchen.

Es gibt Kaffee, Orangensaft und Sekt. Doch viel Zeit zum Feiern nimmt sich der Jubilar nicht. Um halb zwei findet wie immer mittwochs die Essensausgabe statt, bereits um ein Uhr werden die ersten Menschen vor der Tür stehen. „Es ist ein Arbeitstag wie jeder andere“, sagt Wunderlich. „Wir können es uns nicht leisten, ein Schild ‘Wegen Geburtstag geschlossen’ rauszuhängen.“ Deshalb sind auch nicht alle Mitarbeiter da, viele sind unterwegs. Trotzdem freut sich Wunderlich über die kleine Feier. Im Laufe des Vormittags werden noch mehr Gratulanten eintrudeln. Am Abend geht es dann mit der Familie – Wunderlich hat zwei Söhne und vier Enkelkinder – zum Essen. Die große Feier findet erst im Mai statt. Dann feiern die Wunderlichs gleich doppelt, denn auch Ehefrau Heidrun wurde vor Kurzem 70.

Überhaupt ist seine Ehefrau der Grund, warum der in Kulmbach geborene Karl-Heinz Wunderlich zur Neuburger Tafel kam. Sie sagte einst zu ihm: „Du weißt doch wie man eine Satzung aufstellt“ – und schon war es entschieden. Die Tafel wurde am 29. März 2000 gegründet – von Anfang an unter der Leitung von Karl-Heinz Wunderlich.

Wunderlich ist eigentlich in Nürnberg aufgewachsen. Erst 1963 kam er in die Ottheinrichstadt, wo er bis 1993 bei der fliegenden Staffel der Bundeswehr tätig war. „Ich habe in meinem Berufsleben viel Schönes erlebt und wollte etwas davon zurückgeben“, erzählt der 70-Jährige heute. Er war „Spieß“. Das heißt: „Ich war die Mutter der Kompanie, für alle verantwortlich vom General bis zum Gefreiten.“ In dieser Position habe er gut im Umgang mit Menschen sein und diplomatisches Geschick beweisen müssen. Und eben diese Talente würden ihm auch bei seiner Tätigkeit bei der Tafel zugute kommen, denn: „Der Großteil meiner Mitarbeiter sind Frauen“, sagt er und lacht.

Wunderlich ist mit seinen Mitarbeitern sehr zufrieden: „Der Teamgeist stimmt.“ Alle hätten Freude an der Arbeit, würden mit „Lust und Liebe“ ihre Aufgaben erfüllen. Die Neuburger Einrichtung habe sich zu einer „Vorzeigetafel“ entwickelt, würde in Bayern einen sehr guten Ruf genießen. Ein mittelgroßer Betrieb mit rund 70 Helfern, die circa 600 Menschen versorgen. Umso mehr hat der Leiter an seinem Ehrentag – abgesehen von Gesundheit – einen ganz besonderen Wunsch: einen geeigneten Nachfolger finden. „Ich wäre glücklich, wenn sich ein Jüngerer anbieten würde“, sagt Wunderlich. Er würde sich noch nicht ganz zurückziehen, aber jetzt hätte er noch die Möglichkeit, seinen Nachfolger einzuarbeiten. „Damit er nicht ins kalte Wasser geworfen wird, wenn ich einmal von heute auf morgen aufhören muss.“

Und die Arbeit sei nicht umsonst. Zwar kämen schon immer wieder Bedürftige, die glaubten, sie bekämen nicht genug, die versuchen würden, zu betrügen, und sogar ausfällig würden, aber: „Hier sieht man die Hilfe tatsächlich ankommen. Es ist ein schönes Gefühl, zu sehen, wie sich andere Menschen freuen. Wenn zum Beispiel ältere Damen kommen mit Tränen in den Augen und sich für die Arbeit hier bedanken.“

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