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Ludwigsmoos

05.08.2020

Abschied von Cornelia Dölfel: Pfarrerin ist man doch ein Leben lang

Offiziell endet der Dienst von Pfarrerin Cornelia Dölfel im August, im Oktober zieht sie zurück nach Franken.
Bild: Ute de Pascale

Plus Cornelia Dölfel wirkte sechs Jahre in der evangelischen Kirchengemeinde Ludwigsmoos-Pöttmes. Nun geht sie nach 23 Jahren Pfarrdienst in den Ruhestand. Was sie vorhat und was sie ihrer „typischen Diaspora-Gemeinde“ wünscht.

Sechs Jahre wirkte Cornelia Dölfel in der evangelischen Kirchengemeinde Ludwigsmoos-Pöttmes – in jener „typischen Diaspora-Gemeinde“ also, über die sie einst schrieb: „Wenn Ihnen ob der vielen Ortsnamen schwindelig wird, so ähnlich geht es mir auch. Es ist eine Kunst, da den Überblick zu behalten!“ Nach 23 Jahren Pfarrdienst geht Cornelia Dölfel in den Ruhestand.

Den Überblick behalten – ist ihr das im Lauf der Zeit denn gelungen? Selbstverständlich müsse man sich zu Beginn erst mal reinfinden, schrittweise immer tiefer einsteigen ins Ortsgegebene, ins „Insiderwissen“, antwortet Cornelia Dölfel, übermäßig schwer sei ihr das allerdings nicht gefallen. Einer der Gründe: Von Anfang an seien ihr die Menschen hier „sehr offen“ begegnet, erzählt die Pfarrerin. Dennoch gesteht sie: „Die Erwartung war anfangs, dass ganz viele Highlights passieren“, und fügt hinzu: „Da war ich nur die Falsche.“ Höhepunkte, die habe es schon auch gegeben, die großen Feiern zu den Kirchenjubiläen etwa. „Die waren toll und davon zehrt man dann auch eine Zeit lang“ – zum Aufbau einer gesunden Kirchengemeinde standen für Dölfel jedoch andere Dinge im Vordergrund. Die Jugendarbeit etwa. Dass „seltsamerweise ich als alte Pfarrerin hinbekommen habe, dass die Jugendarbeit gewachsen ist“, beispielsweise, in dem man die Pfadfinder für die Gemeinde gewinnen konnte, darüber freut sich die 63-Jährige. Auch das Gestalten von Familiengottesdiensten fand sie immer „sehr erfreulich“.

Studium, Beruf und Familie verlangten ihr einiges ab

Für andere da sein – dieser Gedanke zieht sich durch Cornelia Dölfels Leben wie ein roter Faden. Wie so viele Lebenswege verläuft jedoch auch ihrer nicht schnurstracks geradeaus. Und das, obwohl es immer schon ihr Wunsch war, Pfarrerin zu werden. Allerdings war sie diesbezüglich ein klein wenig zu früh dran: „Zu der Zeit, als ich Jugendliche war, gab es noch keine Pfarrerin.“ In München geboren, in Nürnberg aufgewachsen, führte ihr Weg erst einmal zum Beruf der Krankenschwester. Drei Kinder brachte sie zur Welt – und entschied irgendwann, ihr Leben noch mal von Grund auf umzukrempeln. Sie begann ein Studium in Erlangen, es folgten Vikariat in Nürnberg-Gostenhof, danach die erste Pfarrstelle in Aufseß. Die Kinder halbwüchsig, halbtägig berufstätig, damals bereits alleinerziehend und dann auch noch das Studium – wie sie das alles unter einen Hut bekommen hat, erklärt Cornelia Dölfel folgendermaßen: „Das Studium war etwas für den Kopf, im Beruf hatte ich das Praktische und die Kinder haben mich geerdet – und mich auch immer unterstützt.“

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Ganz einfach war das freilich nicht. „Ich musste ja wieder das Lernen lernen“, erinnert sich Dölfel. Für ihren Nachwuchs hatte das einen positiven Nebeneffekt: „Ich hatte dann noch mehr Respekt davor, was Kinder in der Schule leisten.“ Bereut habe sie ihre Entscheidung nicht. „Ich habe mir zwar hin und wieder diese Frage gestellt, aber es war, glaube ich, der richtige Weg“, sagt Dölfel, die versichert, dem ökumenischen Gedanken folgend auch mit den Angehörigen des katholischen Glaubens stets ein freundschaftliches Verhältnis gepflegt zu haben.

Unter die Vorfreude mischen sich auch Zweifel

Doch was kommt nun nach dem Pfarrdienst? In absehbarer Zeit wolle sie mit ihrem Lebensgefährten zusammenziehen, erzählt Dölfel, „ich gehe wieder nach Franken, in die Nähe von Bamberg.“ Und da wird dann all das unternommen, das in den vergangenen zwei Jahrzehnten zu kurz kam: Kurse besuchen (Yoga oder Tai-Chi vielleicht), generell mehr Sport treiben, wandern – und dann gibt es ja auch noch die beiden Enkelkinder. Der regelmäßige „Oma-Tag“ war ihr immer schon heilig, anderes hatte oft das Nachsehen. „Das war der Nachteil meines Berufes“, gesteht Cornelia Dölfel: „Wenn ich mir etwas vorgenommen habe, ist meist etwas dazwischengekommen.“ Dass das nun wegfällt, „das werde ich genießen“.

Dennoch spitzeln durch die Vorfreude auf den Ruhestand immer wieder auch leichte Zweifel, je näher dieser rückt. Das bekommt auch ihre Gemeinde zu spüren. Jedenfalls hegt Cornelia Dölfel da so einen Verdacht: „Ich glaube, ich nerve meine Gemeinde schon seit geraumer Zeit mit meinen Predigten“, mit den vielen Ein- und Rückblicken in und auf ihren Pfarrdienst. Denn denkt sie zurück, kommen Erinnerungen wie jene an die ehemalige jüdische Landgemeinde Aufseß hoch. Die vielen Gespräche, das Aufarbeiten – „das fand ich sinnvoll, etwas Heilendes“, berichtet Dölfel. Ähnlich verhält sich das mit jenem Hilfsprojekt von Marktredwitz (eine ihrer früheren Pfarrstellen) in Sarajevo, das ihr enorm am Herzen lag. „Einschneidende Erlebnisse“ seien ihre Besuche dort, wo man noch allerorts auf sichtbare Spuren des Bosnienkrieges stieß, gewesen.

Dölfel: „Ich war gerne im Pfarrberuf“

Dann ihr Einsatz in der Notfallseelsorge: „Zutiefst sinnvoll“ hat die Pfarrerin diesen erlebt. „Weil man Menschen in Ausnahmesituationen beistehen kann. Das ist Seelsorge pur“ - die andererseits freilich an den Kräften zehrt. Ähnlich wie Beerdigungen: „Da ist ja ganz viel Trauer, die man auffangen will. Mit mir macht das was“, gesteht Dölfel. Um danach wieder aufzutanken, müsse man sich etwas Gutes tun: „Beten, für sich selber sorgen, sonst ist irgendwann der Akku leer.“ Den Wandel innerhalb der Kirche, beispielsweise Kirchenaustritte, erlebte Cornelia Dölfel auf dem Land ebenfalls, doch gebe es auch Hoffnung stiftende Momente, findet sie: die Taufe eines Erwachsenen zum Beispiel.

Bevor sie geht: Was wünscht sie den Menschen ihrer dann ehemaligen Pfarrstelle? Dass Pfadfinder- und Jugendarbeit, Krabbelgruppen und -gottesdienste weitergeführt werden, zum Beispiel. Und sie wünscht der Gemeinde weiterhin derart begeisterte Mitarbeiter, wie auch ihr in den vergangenen Jahren zur Seite standen. Überall gebe es Menschen, die für ihre Gemeinde brennen, „und leider auch jene, denen man es nie recht machen kann“, ist Dölfel überzeugt. Weil Letztere oft lauter seien, „würde ich mir wünschen, dass sich die Stillen mehr zu Wort melden.“

Einen Nachfolger für Cornelia Dölfel gibt es noch nicht. Zunächst folgt für die evangelische Kirchengemeinde ein halbes Jahr Vakanz, auch, um der Gemeinde zu ermöglichen, Abstand zu gewinnen. Kollegen werden Dölfel in dieser Zeit vertreten. So wie sie selbst es ebenfalls plant: Sofern Bedarf besteht, werde sie an ihrem neuen Wohnort hie und da einspringen, hat sich Dölfel vorgenommen. Pfarrerin – das sei man schließlich lebenslang. „Ich war gerne im Pfarrberuf“, sagt Cornelia Dölfel, fügt dann bescheiden hinzu: „Und ich hoffe, dass ich für einige Leute hilfreich war.“

Entpflichtet wird Cornelia Dölfel am 15. August. Dekan Thomas Schwarz wird die Verabschiedung vornehmen. Bei entsprechenden Witterungsverhältnissen findet der Gottesdienst um 18 Uhr im Freien statt, ansonsten in der evangelischen Kirche.

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