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Kabinett

30.10.2015

Absurd-Groteskes auf der Bühne

Dirk Heißerer schlüpfte in „Die rote Zibebe“ in viele Rollen, so Bertolt Brecht, Joachim Ringelnatz, Karl Valentin und Liesl Karlstadt.
Bild: Anton Löffelmeier

Dirk Heißerer bot einen unterhaltsamen Theaterabend im Gempfinger Pfarrhof

Dirk Heißerer kennt sich aus in den vielfältigen Beziehungskisten der Schriftsteller und Theaterleute und fördert bei seinen Forschungen in Archiven, Bibliotheken und Privatsammlungen immer wieder Neues zutage.

Dass Bertolt Brecht den Eigenbrötler und Dadaisten Karl Valentin verehrte und den Asthmatiker sogar dabei unterstützte, von den rauchigen Bierhallen auf die Theaterbühne zu gelangen, das wussten bisher nur wenige. Einen Tag nach der erfolgreichen Uraufführung von „Trommeln in der Nacht“ am 29. September 1922 veranstalteten die Münchner Kammerspiele eine Nachtvorstellung mit dem Titel „Die rote Zibebe“, in der Brecht und Valentin mit anderen Künstlern ihre absurden und grotesken Einfälle in Szene setzten. Erfolgreich war das Ganze nicht, nach zwei Abenden wurde die Vorstellung wieder abgesetzt, erlebte aber nun im Saal des Gempfinger Pfarrhofs eine Wiederaufführung.

In einer Ein-Mann-Show schlüpfte Dirk Heißerer in die Rollen der damaligen Akteure, die Brecht in Art eines Abnormitätenkabinetts von einem stummen Confercier aus einer Duschkabine herausklopfen ließ. Es traten nacheinander auf: Joachim Ringelnatz, die Grotesktänzerin Valeska Gert, Brecht selbst, die „Ballade vom toten Soldaten“ zur Gitarre vortragend. Eine Loreley-Parodie Klabunds, vorgetragen vom Ensemblemitglied Hannes Schmauch der begleitenden Hofmarkmusik, bildete den heftig beklatschten Schlusspunkt des ersten Teils. Den zweiten Teil der „Zibebe“ wie des Gempfinger Abends bildete die Familiengroteske „Das Christbaumbrettl“ von Karl Valentin. Heißerer gab unisono Karl Valentin und Liesl Karlstadt und spielte in souveräner Manier bis zum grotesk-absurden Finale. Dass sich die Zuhörer im voll besetzten Saal des Pfarrhofs bestens unterhalten fühlten, offenbarte der große Schlussapplaus für Dirk Heißerer und die Hofmarkmusik. (anlö)

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