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Neuburg

12.08.2018

Akademienacht: Kunst wohin man schaut

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5 Bilder
Im Boxenstall waren zahlreiche Kunstwerke aus verschiedenen Kursen der 40. Neuburger Sommerakademie ausgestellt, im Hintergrund zum Beispiel eine Styroporskulptur, vorne Arbeiten aus der Malerei.
Bild: Anna Hecker

Mit der langen Akademienacht ging die 40. Sommerakademie zu Ende. Nicht nur in den geöffneten Ateliers gab es einiges zu bestaunen. Auch musikalisch und im Theater ging es noch einmal hoch her.

Die Neuburger Altstadt verwandelte sich am Samstag wieder in eine Kunstoase. An verschiedenen Schauplätzen öffneten sich die Pforten und offenbarten zahlreiche Werkstücke, die in den zwei Wochen Sommerakademie entstanden waren. Zum Ende der 40. Neuburger Sommerakademie präsentierten die einzelnen Kunstgruppen sowie Theater- und Musikensembles Kunst in den unterschiedlichsten Ausformungen. Das Programm, das die Besucher schon ab dem Vormittag vom Gymnasium durch die Altstadt führte, versprach einen tiefen Einblick in das künstlerische Schaffen der Teilnehmer.

Eine riesige Styroporskulptur stand in der Mitte des Boxenstalls. Darüber baumelte von der Decke das grüne Drahtgerippe eines Propellerflugzeugs. Die Teilnehmer des Bildhauer-Kurses hatten aus Pappe, Beton und vielem mehr verschiedene Skulpturen erschaffen. Kleine Nägel, die mit Bindfäden umspannt wurden, ergaben eine zarte Libelle. Thomas Breitenfeld, Dozent der Bildhauer, zeigte sich von den vielfältigen Kunstwerken begeistert. Seine Schüler hätten schon bei der Auswahl ihrer Materialien große Kreativität bewiesen. Schließlich konnte jeder, der den Kurs besuchte, seinen eigenen Baustoff für ein individuelles Kunstwerk mitbringen. Was daraus entstanden ist, sei eine persönliche, künstlerische Handschrift, schwärmte Breitenfeld.

Bei der Neuburger Sommerakademie konnten die Teilnehmer in den verschiedensten Techniken arbeiten

Doch nicht nur die Bildhauer waren während der Sommerakademie fleißig. Auch verschiedenste Mal- und Zeichenstile waren auf Papier und Leinwand verwirklicht worden. Philipp Kummer, der dieses Jahr zum ersten Mal als Dozent für Malerei an der Sommerakademie teilnahm, hatte seinen Schülern einen groben Rahmen vorgegeben. Bei seinem Malkurs drehte sich alles um Figuration und Abstraktion. Dass jedoch auch bei der Interpretation dieser Stilrichtungen ein großer Spielraum besteht, zeigten die fertigen Gemälde. Kleine und große Leinwände hingen an den Wänden im zweiten Obergeschoss des Marstalls. Portraits, die an Familienfotos aus dem Urlaub erinnerten, wurden hier von einem neongrünen Fleckenchaos und romantischen Stillleben umrahmt. In den drei Räumen hing immer noch der Geruch von frischer Farbe, als die Besucher der Akademienacht eintraten. Auch Philipp Kummer lobte den Einfallsreichtum seiner Kursteilnehmer. „Ich musste manchen lediglich einen kleinen Schubs geben, aber die Interessen waren so vielseitig, dass ein kleines Gespräch meist für die Motivfindung ausreichte“, sagte Kummer.

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Mit einer ganz anderen Form der Malerei beschäftigte sich ein paar Schritte weiter eine Gruppe von Hobbykünstlern, die ihre Kunstwerke ebenfalls im Boxenstall präsentierten. Bunte Berg-Landschaften und einheitliche Farbkonzepte waren hier aufs Papier gebracht worden. „Wir haben versucht, den Rahmen der Leinwand in unseren Bildern zu überwinden und dadurch ein neues Raumkonzept zu erschaffen“, erklärte Dozent Michael Lukas den Besuchern die Gemälde. Auch Lukas legte in seinem Kurs großen Wert darauf, dass sich die Schüler in ihrer Kunst selbst formulierten und eine individuelle Bildsprache entwickelten.

Ein besonderes Erlebnis bei dem Rundgang durch die Ateliers war auch die Ausstellung im Marstall. Hier konnten nicht nur filigrane Schmuckstücke und Druckbilder bewundert werden, sondern auch die Werkzeuge und Geräte, die bei der Herstellung der Kunstwerke benutzt wurden. Eine kleine Druckpresse stand gleich neben dem Eingang des Marstalls, mitten im Gang lagen grobe Holzbuchstaben, mit denen die Hobbykünstler Worte zu Krieg und Frieden beidseitig auf Leinstoff gedruckt hatten.

In der Hofkirche und im Kongregationssaal wurde es bei der langen Akademienacht noch einmal musikalisch

Wer von Atelier zu Atelier schlenderte, konnte auf seinem Weg durch die Altstadt einen kleinen Zwischenstopp in der Hofkirche machen, um von der darstellenden Kunst eine kurze Pause zu bekommen. Mit Gospelliedern trat der Kurs um Dozent André Monde de Lang in der Kirche auf. Später gaben die Schüler von Christoph Hoffmann hier mit afrikanischen Trommeln Gas. Musikalisch ging es auch noch einmal im Kongregationssaal zu beim Teilnehmerabschlusskonzert Klassik, das von Marcelo Mercadante und seinem Bandoneonkurs eröffnet wurde. Weiter auf dem Programm standen die Kurse der Dozenten Giovanni Angeleri (Violine), Vittorio Ceccanti (Violoncello), Irma Issakadze (Klavier), Marco Thomas (Klarinette) und Herbert Wiedemann (Klavierimprovisationen).

Um die Welt der Kunst abzurunden, lud das Stadttheater zu Aufführungen des Theater-Workshops der Jugendlichen ein. Mit Ronja Räubertochter inszenierte das Ensemble einen Kinderbuchklassiker von Astrid Lindgren. Nicht nur die Doppelbesetzung der Hauptrolle Ronja sorgte dabei für ein aufregendes Theatererlebnis. Die jungen Schauspieler hatten sich allerhand Extras einfallen lassen, um das Bühnenbild mal in einen Wald, die Räuberburg oder den Höllenschlund zu verwandeln. Sogar die Unterwelt wurde mit einer Luke unter der Bühne und einer Kamera, deren Aufnahme auf die Rückwand der Bühne geworfen wurde, dargestellt. Die bunten Kostüme mit Flickenwesten und Fellmützen, wilde Räubertänze und bissige Dialoge sorgten beim Publikum für beste Unterhaltung. Als sich die beiden Räuberhäuptlinge Mattis und Borka in Zeitlupe prügelten und der Kampf wie im Boxring mit Mikrofon moderiert wurde, lachten die Zuschauer herzlich.

Natürlich durften auch die Kleinsten unter den Künstlern beweisen, wie kreativ sie waren. In den Räumen des Descartes-Gymnasiums und im Studienseminar zeigten große, aufgespannte Leinwände eine Raupe und einen Sternenhimmel. Die stolzen Erschaffer dieser Kunstwerke hüpften ausgelassen um ihre Eltern und erklärten, warum man sich auf die große Pappwippe nicht setzen darf, oder wie das Muster im Traumfänger entstanden war.

Nachdem die Ateliers und Konzerträume ihre Pforten geschlossen hatten, trafen sich Teilnehmer und Dozenten zum Abschlussfest im Theaterhof. Ganz ohne Programm oder Reden wurde gefeiert, dafür mit Pizza, Getränken und guter Laune. Mehr als 40 Dozenten und rund 600 Teilnehmer jedes Jahr machen die Neuburger Sommerakademie zu einer der größten in der Republik. (mit xh)

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