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Rennertshofen

22.06.2017

Allein gegen die Schnaken

Solche Mückenfallen, wie sich Johann Muschler, Rennertshofener Gemeinderat aus Riedensheim, eine angeschafft hat, will die Marktgemeinde bezuschussen. Wie hoch, das soll in der nächsten Gemeinderatssitzung geklärt werden. Die Falle kostet rund 250 Euro und benötigt eine Kohlendioxidflasche, die in diesen Kosten nicht enthalten ist.
Bild: Manfred Dittenhofer

Rennertshofen will nicht das gesamte Gemeindegebiet, sondern nur einzelne Gebiete kartieren lassen. Außerdem sollen private Mückenfallen bezuschusst werden.

Zumindest in der Marktgemeinde Rennertshofen soll es den Stechmücken an den Kragen gehen – allerdings als Insellösung und in kleinerem Maßstab, als bisher angedacht. Das entschied der Gemeinderat am Dienstag einstimmig. Damit verabschiedete er sich auch von seinen ursprünglichen Plänen, denn das, was der Gemeinderat jetzt beschloss, ist eine abgespeckte Version der Kartierung von Brutgebieten und der Mückenbekämpfung.

Ursprünglich befasste sich das Gremium, wie schon mehrmals berichtet, mit dem Kostenvoranschlag einer Spezialfirma, die für Kartierung, Erfassung des Larvenbefalls und Vorbereitung zur Bekämpfung auf dem gesamten Gemeindegebiet knapp 40000 Euro berechnet hatte. Das war vielen Gemeinderäten zu teuer. Vor allem deshalb, weil keine Nachbargemeinde bei dem Projekt mitmachen will. Eine Insellösung für die Bekämpfung bringt aber laut Experten bei Weitem nicht den Erfolg, denn die Überschwemmungsmücke fliegt mehrere Kilometer weit. Befürworter und Skeptiker tauschten sich rege aus. Einige waren sich die Räte jedoch bei dem Punkt, dass etwas getan werden müsse.

Da viele durch den Flutpolder bei Riedensheim eine Verschlimmerung der Mückenplage befürchten, will man unbedingt das Wasserwirtschaftsamt Ingolstadt davon überzeugen, dass es die Kosten für Kartierung und Bekämpfung im Poldergebiet übernehmen muss. „Schließlich tragen sie die Verantwortung für das Gebiet, vor allem, wenn pro Jahr mehrmals ökologisch geflutet wird“, befand zweiter Bürgermeister Alfred Ehrnstraßer. Und genauso sei der Freistaat und damit die Untere Naturschutzbehörde in der Pflicht, sich um die vielen neu angelegten Biotope zu kümmern, die als Ausgleichsflächen angelegt worden sind. Mit beiden Organisationen wird die Gemeinde das Gespräch führen. Dazu wird Bürgermeister Georg Hirschbeck die Großgrundbesitzer befragen, ob sie mit dem Einsatz des Eiweißes BTI gegen die Mückenlarven auf ihrem Besitz einverstanden sind. „Denn nur dort, wo wir auch bekämpfen dürfen, macht eine Kartierung und Bestandsaufnahme Sinn.“

Ginge es nach dem Willen der Zuschauer der Gemeinderatssitzung, würde die Gemeinde die Mückenbekämpfung alleine starten und die 40000 Euro in die Hand nehmen. Das zeigte der Applaus bei dem Statement von Ulrike Polleichtner. Die dritte Bürgermeisterin setzte sich dafür ein, dass Rennertshofen den ersten Schritt machen müsse. Außerdem sei die jetzige Kartierung eine Art von Beweissicherung, wenn es dann mit den Polderflutungen tatsächlich schlimmer werde mit den Mücken. Heinrich Müller dagegen sah nicht die Kommune in der Pflicht. Wer sich belästigt fühle, könne sich eine Mückenfalle zulegen. „Die Gemeinde könnte diese Fallen bezuschussen.“ Ein guter Vorschlag, fanden auch viele andere Räte und beschlossen: Der Zuschuss bei dem Eigenschutz der Bürger wird kommen. Allerdings wird der Gemeinderat erst in der nächsten Sitzung darüber befinden, wie und in welcher Höhe die Mückenfallen bezuschusst werden.

Der Gemeinderat hat sich letztlich darauf geeinigt, dass die Gemeinde eine Kartierung und Bestandsaufnahme selbst beauftragt, aber nur die Gebiete untersuchen lässt, auf der sie auch die Freigabe hat, die Mücken zu bekämpfen – sei es durch den Naturschutz oder durch die Grundbesitzer. Wie viel das dann kosten wird, steht in den Sternen. Aber die Räte hoffen, dass es billiger wird als der Kostenvoranschlag. Außerdem will man Druck bei den anderen Gemeinden erzeugen, auch mitzumachen. Denn als Vision steht für viele Gemeinderäte immer noch eine Aktionsgruppe am Horizont, so wie sie am Rhein existiert.

Die vielen Zuhörer, die ins Rathaus gekommen waren, schienen am Ende nicht unzufrieden mit dem Ergebnis. Das sei immerhin etwas, war nach der Sitzung zu hören. In Riedensheim, Stepperg und Bertoldsheim wartet man derweil auf die nächste große Mückenplage. Momentan herrscht noch Ruhe vor dem Sturm.

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