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28.07.2010

Alleine schafft es keiner

Nicht nur der kleinen Schwester (rechts, Margret Authenried), auch dem sonst so starken "Kämpfer" (links, Uwe Weber) wird bei diesem Rollentausch Angst und bange: Hauptschüler Levin (Mitte) spielt die Mutter mit grausamer Härte. Foto: Badberg
Bild: Badberg

Neuburg "Ich bin eine Schmusedecke, ein Prinz, ein fliegender Teppich" - Sucht hat viele Gesichter, sie schützt, schmeichelt und ist allgegenwärtig. So brachte es das Nürnberger Forumtheater Thevo mit seinem Stück "traumhaft" auf den Punkt. In der Turnhalle der Hauptschule Neuburg demonstrierten die vier Darsteller vor 120 Schülern der siebten Klassen mit eindringlichem, realitätsnahem Spiel die große Anziehungskraft der Sucht.

Computerspiele, Partynächte, Bulimie und Drogen

Der Amerikaner Shaun verbringt zu viel Zeit mit Computerspielen, Sarah, die nur als die "Dicke" verlacht wird, hat Bulimie und die selbstbewusste Franzi nimmt Drogen, um ihre langen Partynächte zu überstehen. Vertieft allerdings wird die Rolle des "Kämpfers", der eigentlich Mark heißt. Er hält sich für unbesiegbar, will alle platt machen. Zu oft trinkt er die "volle flat" bis zum Umfallen und wird dann aggressiv. In der Schule fällt er nur durch seine Unverschämtheit auf, seine Freunde fürchten ihn.

Verzicht auf Requisiten

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Durch den Verzicht auf Requisiten und Bühnenbild wirken die vermeintlich selbstsicheren Sprüche und Gesten der vier Charaktere hohl und aufgesetzt - auch die Starken sind eigentlich schwach. Nach der Einführung der Rollen ist die Mitarbeit der jungen Zuschauer gefragt: "Alles kann anders werden oder bleiben wie es ist". Die Schüler sind aufgerufen, aktiv in das Spiel einzugreifen und alternative Handlungen mit den Schauspielern zu improvisieren, alles ist erlaubt. Während Manuel der lieblosen Mutter des Kämpfers einen verständnisvollen Charakter verleiht, findet Levin sie viel zu lasch und spielt sie mit fast schon grausamen Zügen.

Auch der Kämpfer wandelt sich, wird einmal zum höflichen Vorzeigesohn, dann jedoch zum brutalen, wenn auch nüchternen Schläger. Die Spielfreude der Schüler ist offensichtlich und beeindruckend- auch wenn sie die Handlung des Stückes nicht immer zum Positiven wenden. Dass sie die Botschaft trotzdem verstanden haben, zeigt die Abschlussdiskussion: "Kämpfer sollte weniger trinken, sonst endet er im Knast". Aber alleine schafft das keiner.

Nicht belehrend

An der Parkschule ist für solche Krisen Schulsozialarbeiter Markus Bach da, auch Angela Mayr von der Suchtberatung der Caritas ist regelmäßig vor Ort. Beide zeigten sich gestern begeistert: "Das Stück ist nicht belehrend, sondern spricht erfolgreich verschiedene Gefühlslagen der Kinder an."

Das Theater thevo besteht seit 1982 und wird rechtlich getragen von dem gemeinnützigen Verein zur Förderung des Theaters von Menschen für Menschen e.V.. Im vergangenen Jahrtausend hieß es noch "ThevoMefüMe - THEater VOn MEnschen FÜr MEnschen". Seit 2000 nur noch thevo. Die Truppe agiert weltweit, so etwa in Australien, Irland, Japan, Zimbabwe, der Ukraine und Bulgarien.

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