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28.11.2018

Als ein Japaner deutsche Hygiene lernte

Festvortrag zum 200. Geburtstag von Max von Pettenkofer

Am Montag, 3. Dezember, spricht Beate Wonde über den Einfluss Max von Pettenkofers auf die wissenschaftliche Hygiene in Japan. Zum Abschluss der Pettenkofer-Ausstellung im Haus im Moos laden der Kulturhistorische Verein Donaumoos und die Stiftung Donaumoos zu einem exotischen Vortrag am Pettenkofer-Geburtstag ein. Der Vortrag beginnt um 19.30 Uhr.

Pettenkofer war weltberühmt. Wolfgang Locher schreibt in seiner Pettenkofer-Biografie: Sein Hygieneinstitut machte er „zu einem weltweit einzigartigen Kompetenzzentrum. Bald erbat die ganze Welt von ihm Rat und Auskunft in hygienischen Fragen“. In einer Zeit, wo man Krankheitserreger und ihre Verbreitungswege noch nicht erkennen und die Erreger selbst nicht mit Medikamenten bekämpfen konnte, galt Pettenkofers Hygiene als Wunderwaffe zur Krankheitsprävention. Er forderte gesunde Ernährung, sauberes Wasser, frische Luft und Reinlichkeit in allen Bereichen, insbesondere in Wohnräumen, Krankenhäusern, Gefängnissen und Kasernen. In seinem Institut ließ er Lebensmittel, Abfälle, Luft und Wasser chemisch untersuchen und begründete die behördliche Lebensmittelkontrolle.

Pettenkofer sprach auf Weltkongressen, und aus ganz Europa, den USA, Südamerika, Rußland und Japan kamen Studenten zu ihm nach München. Insbesondere Japan suchte damals den Anschluss an Deutschland. Denn gegen 1870 legte das Land die mittelalterlichen Strukturen ab und wollte sich zu einem modernen Staat entwickeln. Deutschland sollte Lehrmeister und Vorbild sein. So übernahm die neue japanische Regierung beispielsweise das deutsche Bürgerliche Gesetzbuch unverändert. Die deutsche Medizin erklärte sie per Dekret zum bindenden Modell für Japan. Deutsche Wissenschaftler und Ingenieure wurden nach Japan eingeladen und Studenten nach Deutschland geschickt.

Der junge Militärarzt Mori Ogai war einer von etwa 4000 Japanern, die sich damals in Deutschland zu Studienzwecken aufhielten. 1884 bis 1888 studierte er Hygiene und Sanitätswesen in Berlin, Leipzig, Dresden und München. Seine Erlebnisse und Eindrücke dokumentierte er in seinem „Deutschland-Tagebuch“. Fast ein Jahr praktizierte er bei Pettenkofer im Hygiene-Institut. In dieser Zeit lernte er auch den Fasching kennen und das Oktoberfest, trank Bier in Andechs und ruderte auf dem Starnberger See. (nr)

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