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Weichering

01.07.2018

Als halb Weichering in Flammen stand

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3 Bilder
Ein Blick in die Chronik: 1982 musste die Weicheringer Feuerwehr unter anderem zu einem Brand in der Raiffeisenstraße ausrücken.
Bild: Silke Federsel

Als das verheerende Feuer in dem Ort wütete, gab es noch keine Feuerwehr. Das ist seit 140 Jahren aber längst Geschichte.

Es müssen schreckliche Szenen gewesen sein, die sich am 13. März 1856 in Weichering abgespielt haben: An diesem kalten und stürmischen Märztag brach in der heutigen Raiffeisenstraße ein Brand aus, der innerhalb weniger Stunden 41 Häuser und 31 Nebengebäude mitsamt seinem Hab und Gut vernichtete. Weichering zählte damals gerade mal 79 Gehöfte. Die Häuser waren oft nur mit Stroh bedeckt und so konnte das Feuer rasch von einem Gebäude auf das nächste übergreifen. Die verzweifelten Einwohner konnten nur wenig gegen die Flammen ausrichten.

Die Katastrophe war der Auslöser

„Diese furchtbare Brandkatastrophe war der Auslöser, dass man sich im Ort zusammensetzte und beschloss, eine Feuerwehr zu gründen“, erzählt Christian Lautner, Vorsitzender der Feuerwehr Weichering. Für die 140-Jahr-Feier haben er und seine Kameraden sich mit der langen Geschichte des Vereins beschäftigt und auch eine umfangreiche Fotoausstellung auf die Beine gestellt, die Interessierte am Festwochenende im Feuerwehrgerätehaus besuchen können.

Ob es nun um neue Geräte geht, gemeinsame Einsätze oder Jubiläumsfeiern – wer einen Blick auf die Bilder wirft und in den Festschriften blättert, merkt schnell, welchen großen Wandel die Feuerwehr im Laufe der Jahre erlebt hat. Und auch, dass es nicht immer einfach für die Floriansjünger war. Die Aufbaujahre gestalteten sich wohl durchaus schwierig, doch schließlich gelang es einigen Männern unter der Führung des damaligen Bürgermeisters und des Lehrers, 1878 eine Feuerwehr zu gründen. Bald darauf wurde auch das erste „Löschfahrzeug“ gekauft: eine fahrbare, von Hand gezogene Druckspritze. Mit Leinensäcken holten die Männer damals das Wasser aus Brunnen oder der Ach. 1892 bekamen die Feuerwehrleute dann schon ein für die damalige Zeit recht modernes Gerät, mit dem sie noch schlagkräftiger im Brandfall waren: eine Saug-Druck-Spritze, die von Pferden gezogen wurde. Die erste motorisierte Löschspritze kam 1937 in den Besitz der Feuerwehr.

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Der Krieg hinterließ große Lücken in der Wehr

Schreckliche Zeiten brachen mit den beiden Weltkriegen an und beide gingen nicht spurlos an den Feuerwehrlern vorbei, denn viele ihrer Kameraden waren im Krieg gefallen und hinterließen eine große Lücke in deren Reihen. Nach dem Zweiten Weltkrieg hieß es daher erst einmal wieder, die Mannschaft neu zu organisieren. Doch es ging gut voran: 1959 bekamen die Feuerwehrleute ein gut ausgestattetes Gerätehaus in der Raiffeisenstraße, 1963 kaufte die Gemeinde dann ein modernes Löschfahrzeug (LF8), 1985 erhielten sie ein mit allen technischen Raffinessen ausgestattetes LF16. Das musste schon vor seiner Einweihung seine Bewährungsprobe bestehen, als drei schwer verletze Personen aus einem völlig demolierten Auto mit der Rettungsschere befreit werden mussten.

Weil das von den Mitgliedern der Feuerwehr in Eigenleistung ausgebaute Feuerwehrgerätehaus schon bald zu klein war, wurde das heutige Gerätehaus unweit der Grundschule gebaut, das nach zweijähriger Bauzeit am 10. Dezember 1995 eingeweiht wurde. Die gesteigerten Anforderungen an die Feuerwehr verlangten auch schon bald nach einem hochmodernen Hilfeleistungslöschfahrzeug ( HLF 20/16), das 2008 in Empfang genommen wurde und heute noch das „Schmuckstück“ der Feuerwehr ist, wie Lautner erzählt. Außerdem besitzen die Floriansjünger seit 2015 einen Transporter, damit nicht alle Fahrten mit dem privaten Auto erledigt werden müssen.

„Im Laufe der Jahre hat sich die Arbeit aller Feuerwehren stark gewandelt“, erklärt Lautner. Stand vorher die Brandbekämpfung an erster Stelle, sind es heute überwiegend technische Hilfeleistungen bei Naturgewalten oder Verkehrsunfällen. Letztere gehen nicht immer spurlos an den Einsatzkräften vorbei. Deshalb werden sie bei Bedarf auch psychologisch betreut.

Auch Frauen und Mädchen in der Wehr

Heute gehören 445 Menschen in Weichering der Freiwilligen Feuerwehr an. Von den 77 Aktiven sind 18 Frauen und Mädchen. „Über mangelnden Nachwuchs müssen wir uns zum Glück nicht beklagen. Oft sind schon die Eltern bei der Feuerwehr und die Kinder kommen dann später ebenfalls dazu“, freut sich der Vereinschef. Als Stellvertreter steht ihm Georg Niedermeier jun. zur Seite. Als Kommandanten fungieren Karl Beck und Michael Lautner.

Nun gilt es für sie und ihre Kameraden, noch einiges für die große Jubiläumsfeier am kommenden Wochenende vorzubereiten. Dann erwartet die Feuerwehr Weichering neben vielen Gästen und befreundeten Wehren aus den umliegenden Gemeinden auch ihre Partnerfeuerwehren aus Teplá (Tschechien) und Bischofsburg (Polen).

Jubiläumsfest der Weicheringer Feuerwehr ab 7. Juli

Das große Jubiläumsfest feiern die Weicheringer zwei Tage lang. Am Samstag, 7. Juli, startet um 15.30 Uhr das Sautrogrennen. Interessierte können sich noch bei der Feuerwehr anmelden. Ab 18.30 Uhr findet dann ein Grillfest für alle Besucher statt.

Tags darauf am Sonntag, 8. Juli, gibt es nach einem gemeinsamen Weißwurstfrühstück um 10 Uhr einen Festgottesdienst unter freiem Himmel beim Kapellplatz (bei schlechtem Wetter in der Kirche). Anschließend zieht ein Festumzug zum Feuerwehrgerätehaus. Nach einem gemeinsamen Mittagessen sowie Kaffee und Kuchen können die Besucher dann auch die Fotoausstellung besuchen.

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