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29.10.2012

Ambitioniert und farbig

Das „Simon Seidl Trio“ spielte im Birdland.
Bild: Christian Wurm

Zweites Konzert des Birdland Radio Jazz Festivals

Neuburg An dem Abend fehlte die Live-Atmosphäre: Vergangenen Freitag stieg das zweite Konzert des „2. Birdland Radio Jazz Festival“ und wurde vom Rundfunk mitgeschnitten. Deshalb hielten sich die Hörer zurück, es fehlte der Szenenapplaus. Leider, denn auch für die Radiohörer sind solche Spontanreaktionen stimulierend.

Im legendären Hofapothekenkeller spielte das „Simon Seidl Trio“, ein Heimspiel für den jungen Pianisten Simon Seidl aus Ingolstadt, sein zweites in diesem Jahr – eine seltene Ehre im Birdland oder Vorschusslorbeeren mit gutem Grund, so lautet der Programmtext. Seidl zeigte virtuos sein umfassendes Repertoire. Der Anspruch war spürbar hoch. Der erst 24-Jährige präsentierte sich als Primus inter pares im klassischen Klaviertrio mit ambitioniertem Programm in großer Bandbreite.

Seidls Mitspieler zogen mit – der exzellente Bassist Robert Landfermann auf Augenhöhe, der facettenreiche 20-jährige Schlagzeuger Fabian Arends eine Spur zu defensiv. Im ersten Teil dominierte die „Genese“, das Experimentelle, modern-modale Creative, im zweiten Teil das durchschüttelnd hot „Boppige“. Moderne Klassik und Jazz fusionierten. Gerade die von Jacques Ibert oder Arnold Schönberg inspirierten Nummern zeigten die Schnittstellen. Rhythmus und Farben prägen etwa Iberts Musik, Klangebenen und Bassdrum-Tiefe oder Beckenrauch schufen den Raum, im dem sich das Simon Seidl Trio bewegte.

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Impetus-Welle nahm zu und ebbte ab

Der Pianist übernahm die Führung, seine Anregungen pflanzten sich fort, gern griff er auch rhythmische oder motivische Gedanken auf, die Impetus-Welle nahm zu und ebbte ab: Manchmal erinnerte Seidls Musik mit ihrem Changieren zwischen nebulösen und abstrakten oder figuralen Strecken auf dem zeitlichen Fließband an Kandinsky-Bilder. Improvisation und Absprache wechselten unbemerkt. Unkonventionelle Klangerzeugungen mit klangmalerisch-geräuschigem Ergebnis, das Auskosten und Zelebrieren der Kontrabass-Tiefe, das Wechselspiel mit demselben Ton an Bass und Klavier, der unterschwellig morsende Beat des Schlagzeuges – die drei Twens unternahmen auch souveräne Grenzgänge, Abstecher ins Free-Fach. Erst seit gut einem Jahr spielen sie zusammen und sind schon so gut eingespielt. „Stark in Bewegung halten“ werde Seidl die Pianoszene in Deutschland, prophezeite das Programmheft. Da ist sicher was dran – der Abend klang jedenfalls schon ziemlich danach.

Termin Ausstrahlung in BR2 am 24. November.

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