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Ingolstadt

06.06.2019

Ankerzentrum erneut in der Kritik 

Die Abschiebelager in Ingolstadt und Manching sind erneut heftig in die Kritik geraten. 
Bild: Julian Stratenschulte/dpa (Symbolfoto)

In einer „Ingolstädter Erklärung“ fordern Parteien, Vereine und Engagierte menschenwürdige Lebensbedingungen für die Flüchtlinge in den Abschiebelagern.

In einer sogenannten „Ingolstädter Erklärung“ haben Parteien, Vereine, Verbände, Initiativen und eine ganze Reihe privater Unterzeichner die Lebensbedingungen für Flüchtlinge in der Anker-Einrichtung Manching/Ingolstadt als „menschenunwürdig“ kritisiert. Frauen und Kinder hätten es dort besonders schwer. Die Zustände in dem Abschiebelager wurden in den vergangenen Jahren schon oft bemängelt.

Ein „erschreckendes Bild“ von Ingolstadt

In der am Donnerstag veröffentlichten Erklärung heißt es: „Inhumane Lebensbedingungen für Asylsuchende sind kein geeignetes Mittel, Migration und Asyl zu steuern. Sie schwächen den gesellschaftlichen Zusammenhalt und das Vertrauen in die staatlichen Institutionen.“ Es dürfe nicht der Eindruck entstehen, so heißt es weiter, „dass an den BewohnerInnen des Anker-Zentrums Exempel statuiert werden, um weitere Flüchtende in den jeweiligen Heimatländern abzuschrecken. Das würde den Menschen unterstellen, dass sie sich aus leichtfertigen und unberechtigten Motiven auf die Flucht begeben haben. Menschen, die fliehen, erleben in aller Regel großes Leid, Gefahren und Heimatverlust.“ Wie schmerzlich das sei, wüssten auch viele Deutsche aus ihrer Familiengeschichte. Die Lager führten die Bewohner in die Depression, erschwerten die Integration und hinterließen bei denen, die abgeschoben würden, „ein erschreckendes Bild“ von Ingolstadt. Eine der Initiatorinnen der Erklärung, die frühere SPD-Stadträtin Gudrun Rihl (Amnesty International) befürchtet, dass sich hier allmählich so etwas wie eine „Zwei-Klassen-Menschlichkeit“ etabliere. Unterstützt wird die Erklärung neben vielen weiteren von den Grünen, den Stadtratsfraktionen von SPD und ÖDP, dem Kreisverband der Linken, von „Ingolstadt ist bunt“ sowie dem Bayerischen Flüchtlingsrat.

Keine ausreichende Hilfe für Traumatisierte und Kranke?

Konkret wird in der „Ingolstädter Erklärung“ unter anderem angeprangert, dass die Asylsuchenden in dem Abschiebelager mit seinen verschiedenen Dependancen viel zu lange – teilweise länger als eineinhalb Jahre – untergebracht seien. Zudem sei der Zugang zu einer unabhängigen Rechtsberatung für das Asylverfahren (erste Anhörung nach drei Tagen) für die Flüchtlinge „kaum noch möglich“. Die Gemeinschaftsräume im Zentrum seien „spärlich ausgestattet“, Zimmer und Sanitärräume dürften nicht abgeschlossen werden. Ferner könnten sich Kinder und Schulkinder in den Lagern nicht adäquat entwickeln und würden nicht ausreichend unterrichtet. Keiner der Bewohner dürfe Besuch empfangen. Zudem fehlten Gewaltschutzkonzepte für die Einrichtung. Und: „Traumatisierte und Kranke bekommen keine ausreichende Hilfe und keine angemessene Behandlung.“

Regierung von Oberbayern weist die Vorwürfe zurück

Die Regierung von Oberbayern will sich am Freitag noch detaillierter zu den erhobenen Kritik äußern. Auf Anfrage hieß es am Donnerstag, man habe die „Ingolstädter Erklärung“ mit „Erstaunen“ zur Kenntnis genommen. Die Regierung weise den Vorwurf, dass die Lebensbedingungen der dort untergebrachten Asylbewerber nicht den humanitären Standards entsprächen, „entschieden zurück“. Wörtlich heißt es: „Die Unterbringung, Versorgung und Betreuung entsprechen den gesetzlichen Vorgaben und werden durch Beratungs- und Betreuungsangebote der vor Ort tätigen Wohlfahrtsverbände und Ehrenamtlichen ergänzt.“ Die medizinische Versorgung sei „umfassend sichergestellt“. Und der Schutz von Frauen sei unter anderem durch die Unterbringung in einem eigenem Gebäude, das durch den Sicherheitsdienst bewacht werde, gewährleistet. Ferner finde die Beschulung schulpflichtiger Kinder statt, erklärt die Regierung weiter. (kuepp) 

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