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Ingolstadt

26.02.2018

Anklage fordert zwölf Jahre

Die Staatsanwaltschaft hat in dem Rattengift-Prozess eine Freiheitsstrafe von zwölf Jahren gefordert. Die Verteidigung plädierte auf Freispruch.
Bild: Foto: nr

Die Verteidigung plädiert im Rattengift-Prozess dagegen auf Freispruch. Das Urteil in dem Indizienprozess wird am Landgericht Ingolstadt diesen Freitag verkündet.

Diesen Freitag wird am Landgericht Ingolstadt das Urteil in dem einiges Aufsehen erregenden Rattengift-Prozess gesprochen. Die Staatsanwaltschaft Ingolstadt hat am Montag in ihrem Schlussvortrag eine Freiheitsstrafe von zwölf Jahren für den 53-jährigen Angeklagten gefordert. Die Verteidigung hat dagegen auf Freispruch plädiert. Die Plädoyers wurden unter Ausschluss der Öffentlichkeit gehalten, weil an früheren Prozesstagen Zeugen teilweise auch nicht öffentlich – zum Schutz ihrer Privatsphäre – ausgesagt hatten.

Der angeklagte Mann aus dem Landkreis Eichstätt muss sich seit Januar verantworten. Zunächst wegen dreifachen versuchten Mordes, schwerer und gefährlicher Körperverletzung. In der Anklageschrift steht, er habe aus Habgier mit Rattengift seine Eltern und zudem eine frühere Lebensgefährtin umbringen wollen. Wie ausführlich berichtet, bestreitet der Angeklagte die Vorwürfe vehement. Das wiederholte er nach Angaben seiner Anwältin auch gestern in seinem letzten Wort: Er liebe seine Eltern und habe mit der ihm zur Last gelegten Sache nichts zu tun.

Die Eltern hatten die Vergiftung schwer verletzt überlebt. Bevor gestern die Plädoyers begannen, war auf Antrag der Staatsanwaltschaft der Teil des Verfahrens, der die Ex-Partnerin betrifft, allerdings eingestellt worden. Das Schwurgericht hatte das am vorletzten Prozesstag angeregt. Die sie betreffenden Beweise reichen in dem Indizienprozess offenbar für den Tatvorwurf „versuchter Mord“ nicht aus. Und was dann strafrechtlich bliebe, würde – bei einer etwaigen Verurteilung wegen eines zweifachen Mordversuches – die zu erwartende Strafe nicht wesentlich härter machen.

Wollte der Mann seine Eltern tatsächlich umbringen? Während die Vertreterin der Staatsanwaltschaft, Sandra von Dahl, überzeugt ist, dass der Angeklagte in China Rattengift bestellt und dieses mit tödlicher Absicht seinen Eltern zugeführt hat, sagen seine Verteidiger Alexandra Gutmeyr und Raphael Vergo, dass der Nachweis dafür nicht zu führen ist. Es gebe im Gegenteil „objektive Zweifel“. Es sei zwar unstrittig, dass die Eltern des Mannes Gift im Körper hatten. Es sei allerdings – wenn man den Gutachten folge – nicht auszuschließen, dass die Eltern dieses – auf welche Weise auch immer – schon aufgenommen hätten, bevor ihr Sohn das Gift bestellt habe.

Die Kripo hatte ermittelt, dass der Mann auf seinem Rechner ausgiebig nach Rattengift recherchiert und auch zwei Sendungen mit dem Wirkstoff Brodifacoum bestellt hatte. Er selbst hatte zum Prozessauftakt beteuert, dass er das Gift sofort nach der Annahme der Pakete entsorgt habe.

Die Verteidigung bemerkte gestern ferner, dass es nicht ausgeschlossen sei, dass auch ein Dritter sich Zugang zum Haus verschafft und Gift zum Beispiel ins Essen gemengt hätte. (nr,kuepp)

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