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Neuburg-Schrobenhausen

08.07.2020

Auch Handwerker suchen einen Arbeitsplatz zum Wohlfühlen

Michael Segeth (links) installiert mit seinen Mitarbeitern Photovoltaikanlagen und alles was dazugehört. Seine Handwerker sind mit ihrem Arbeitgeber sehr zufrieden. Bewerbungen bekommt Segeth trotzdem kaum. 
Bild: Manfred Dittenhofer

Plus Das Handwerk im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen ringt um Facharbeiter. Doch junge Arbeitnehmer wollen heute mehr als nur ein gutes Gehalt.

Verwirrend sind die Meldungen des Arbeitsmarkts. Wie passen Kurzarbeit und drohende Entlassungen bei großen Unternehmen zu dem Facharbeitermangel in der Region? Gegen Airbus macht die IG Metall bereits mobil, um einem angekündigten Stellenabbau entgegenzuwirken. Auf der anderen Seite suchen Handwerksbetriebe auch in Corona-Zeiten händeringend nach Fachkräften – seien es Auszubildende, Gesellen oder Meister. Bei vielen Betrieben müssen die Kunden lange auf die Handwerksleistung warten, weil Personal fehlt. Manche Firmen würden gerne mehr ausbilden, ihnen fehlt aber das Ausbildungspersonal. Und manchmal auch der Lehrling.

So mancher Firmeninhaber lässt sich so einiges einfallen, um Arbeitskräfte anzulocken. Andere wiederum haben immer noch genügend Bewerber. Angesprochen auf den alles dominierenden Arbeitgeber der Region, Audi, reagiert Hans Mayr, Kreishandwerksmeister des Landkreises Neuburg Schrobenhausen, mit einem lachenden und einem weinenden Auge. „Das Unternehmen sorgt für Aufträge. Irgendwie ist jede Firma direkt oder indirekt betroffen und profitiert sicherlich auch von Audi. Auf der anderen Seite zieht das Unternehmen Fachkräfte aus der Region.“ Das bestätigt auch Anton Göbel. Ja, auch viele Bäcker würden in der Produktion von Audi zu finden sein.

Nicht nur im Handwerk sind größere Betriebe mehr gefragt

Fragt man die Handwerkergilde danach, wie sie an Fachkräfte kommt, ist viel von Arbeitsatmosphäre und Psychologie die Rede. Bei der Entlohnung könne das Handwerk nicht mithalten. Außerdem hätten die großen Firmen mehr Zugkraft. Oft zu Unrecht, wie Mayr zu Bedenken gibt. „Der deutsche Mittelstand und die Handwerker brachten 2009 Deutschland durch die Krise und sie bringen das nun wieder fertig.“ Die großen Unternehmen würden schnell ausstellen. Die kleinen würden versuchen, ihre Mitarbeiter zu halten.

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Schaut man in die einzelnen Handwerksbereiche, so fällt auf, dass vor allem die Baubranche inzwischen zu einem hohen Grad von ausländischen Mitarbeitern abhängig ist. Laut Mayr hat es vor 10 bis 15 Jahren noch 1,8 Millionen deutsche Beschäftigte auf dem Bau gegeben. Heute sei es eine Million weniger. „Ohne die Ausländer würden vor allem Großbaustellen still stehen.“

Je bekannter ein Unternehmer, umso geringer ist das Problem mit Fachkräften

Auch die IHK bestätigt: Trotz Corona-Krise, Strukturwandel und der damit steigenden Arbeitslosigkeit hat sich die Fachkräftesituation in der Region nicht sonderlich entspannt. Wie leicht oder schwer es fällt, Mitarbeiter zu finden, hängt laut Elke Christian, Leiterin der IHK-Geschäftsstelle Ingolstadt, sehr vom Bekanntheitsgrad und dem Ruf des Unternehmens ab. Auch die Handwerker wissen das. Zimmerer Christian Stemmer weiß um die Außenwirkung seines Internetauftritts. Eine Firma müsse innovativ und zeitgemäß wirken. Das würden ein Fuhr- und Maschinenpark genauso vermitteln wie ein offener Auftritt. Viele Handwerker werben auf den sozialen Medien.

Laut IHK stellen gerade junge Arbeitnehmer hohe Ansprüche an die Unternehmenskultur. Auch die Sinnhaftigkeit des Arbeitens spiele eine größere Rolle. Und das Schlagwort „Work-Life-Balance“. Dies alles ist bei Michael Segeth erfüllt. Deshalb müsste er für seinen Handwerksbetrieb eigentlich viele Bewerber haben. Der Photovoltaik-Spezialist sucht hauptsächlich Elektriker. Bei Segeth arbeiten alle in einer Vier-Tage-Woche, bei einer 35-Stunden-Woche ist der Freitag frei. Alle Mitarbeiter beziehen ein Festgehalt. Und dennoch: Bewerbungen Fehlanzeige. Hauptsächlich rekrutiert Segeth Mitarbeiter aus dem Bekanntenkreis seiner Mitarbeiter.

Sonax: Mit einer neuen Homepage kamen auch mehr Bewerbungen

Wie leergefegt der Markt vor allem bei IT-Fachkräften ist, erlebt Manfred Hoffmann von Hoffmann Mineral Sonax. Aber auch er merkte eine Verbesserung der Bewerbungen, als die Website des Unternehmens neu gestaltet war. Wichtig seien zudem sogenannte weiche Faktoren: die Unternehmenskultur und die gegenseitige Wertschätzung der Mitarbeiter aller Bereiche. „Jeder ist wichtig und sollte das auch spüren.“ Die Community müsse stimmen. Dafür sieht Hoffmann in seinem Unternehmen alle Voraussetzungen. „Bei uns geht es nicht so anonym zu wie in Großkonzernen, wir sind aber auch nicht zu klein, um Betriebsrat, Beitrat und Ausbildungsbeauftragte zu haben.“ Fast schon nebenbei hilft Hoffmann mit einer Kindertagesstätte beim Unterbringen der Kleinen. Auch ein wichtiger Faktor, weil noch ein riesiges Potenzial an Frauen brach liegt. Ist der Frauenanteil im Konditorhandwerk bei 83 Prozent, sind bei den Bäckern nur 19 Prozent der Angestellten weiblich.

Ein allgemeingültiges Rezept bei der Rekrutierung von Fachkräften gibt es nicht. „Dann würden wir es alle anwenden“, lacht Christian Stemmer. Aber die Unternehmen müssen unterschiedliche Faktoren berücksichtigen. Denn die Fachkräfte sind weiterhin Mangelware. Und aus dieser Situation heraus werden auch die Ansprüche größer.

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