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Neuburg

18.08.2019

Auf Achse... mit Göbels Snackwagen

Ariane Heinrich versorgt in ihrem Snackwagen der Bäckerei Göbel Neuburger Firmen in der Mittagspause. Ob leichte Salate, herzhaften Leberkäs oder süße Quarktaschen – sie versucht, auf die Wünsche ihrer Kunden eine Antwort parat zu haben.
Bild: Laura Freilinger

Seit sieben Jahren liefert Ariane Heinrich mit einem Snackwagen Brotzeiten an Neuburger Firmen aus. Wenn ihre Kunden Pause haben, beginnt für sie die Arbeit.

In einem Regal liegen frisch belegte Brötchen mit Salat und Schinken. Daneben reihen sich Butterbrezen gleich neben einigen Quarktaschen. Ein weißer Kleintransporter biegt auf das Grundstück einer Neuburger Firma im Industriegebiet ein. Vorsichtig wird er langsamer. Ein lautes, helles Klingeln ertönt und an der Seite wird ein Klappdach ausgefahren.

Ariane Heinrich, Verkäuferin im Snackwagen der Bäckerei Göbel in Neuburg, begrüßt die ersten Kunden. Seit sieben Jahren übernimmt sie einmal wöchentlich die Ausfahrten zu Firmen aus Neuburg und Rain. An den anderen Tagen wird sie durch eine Kollegin vertreten und arbeitet im Café der Bäckerei. „Mit dem Snackwagen von Firma zu Firma zu fahren, ist ein ganz anderes Gefühl, als Kunden in der Filiale zu bedienen“, beschreibt die Neuburgerin ihren Arbeitsplatz auf Rädern.

Bevor die Klappe des Snackwagens aufgeht, wird die Ware drapiert

Bevor sie den Snackwagen öffnet, wird dieser noch einmal gereinigt und die Ware schön hergerichtet. „Manchmal passiert es eben, dass die Salate nicht mehr gerade dastehen“, erklärt Heinrich. „Aber da ich immer sehr vorsichtig fahre, gab es bisher nie Probleme.“

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Ein guter, sicherer Fahrstil ist aber nicht die einzige Voraussetzung für den Beruf. Schnelles Kopfrechnen, freundlicher Umgang mit Kunden sowie Fleiß seien ebenfalls essenziell. Am Vortag müssen die Waren in der eigenen Bäckerei und Konditorei bestellt und nach der täglichen Reinigung des Transporters am Morgen eingeräumt werden.

„Gerade bei meiner Tätigkeit ist es wichtig, auf die Umwelt zu achten. Ich versuche, möglichst wenige Tüten zu benutzen. Außerdem sollte ich nicht zu viel Essen einplanen, das am Ende gar nicht verkauft wird“, erläutert die Verkäuferin. Seit Kurzem seien außerdem kleine Ketchup- und Senfpackungen durch große Tuben ersetzt worden. Wurden belegte Brötchen am Tagesende nicht mehr verkauft, wird der Schinken an die Hunde ihres Chefs verfüttert, während die Semmeln getrocknet und zur Fütterung von Pferden aufgehoben werden.

Insgesamt 13 Firmen beliefert sie innerhalb der siebenstündigen Fahrt. Zeit für Pause bleibt dabei keine. „Diese haben dagegen unsere Kunden, wenn wir kommen“, erzählt Heinrich. „Ich verstehe mich mit allen wirklich gut.“ Manche Kunden würden so gerne ihre Waren kaufen, dass sie sich – auf ein kurzes Gespräch hoffend – bewusst als letzter in die Schlange stellen würden.

Im Snackwagen ist es im Sommer heiß und im Winter kalt

Das Angebot im Snackwagen variiert täglich. „Wir haben natürlich immer unsere frisch zubereiteten Backwaren. Es gibt aber auch warme Gerichte wie Leberkäse oder Würstchen“, erzählt Heinrich. Außerdem wechselt täglich ein heißes Gericht, am Freitag sei dieses traditionell vegetarisch. Das Angebot würde bestens angenommen werden, betont Heinrich. Immer wieder kämen neue Interessenten hinzu, die möglichst gut in den straffen Zeitplan integriert werden. Der Snackwagen liefert alle Waren zu denselben Preisen wie im Geschäft – ohne von den Firmen für Anfahrt, Wartung und Sprit bezahlt zu werden.

„Natürlich ist es im Sommer oft sehr heiß, das macht die Arbeit anstrengend. Im Winter dagegen darf ich keine Handschuhe tragen und wärme meine Finger dann während der Fahrten an der Heizung wieder auf. Aber das gehört nun mal dazu.“ In den vergangenen Jahren hat sich der Beruf der Verkäuferin im Snackwagen verändert. „Die Lebensmittelvorschriften enthalten immer wieder Neuerungen. Daher gehen wir zweimal pro Jahr auf Schulung. Allerdings war das bisher nie ein Problem, da wir auf Sauberkeit viel Wert legen“, sagt Heinrich.

Für die Verkäuferin waren die ersten Male im Snackwagen eine Herausforderung: Trotz noch fehlender Routine musste sie schließlich pünktlich bei den Firmen ankommen. „Jetzt sitzt aber jeder Handgriff“, versichert sie. Nur einmal sei bisher etwas schiefgegangen: An der ersten Station habe sie an einem Tag bemerkt, die Barbecue-Sauce vergessen zu haben. Die habe ihr Juniorchef ihr dann heimlich durch das Fenster hineingereicht, verrät sie und lacht.

Einen Deutschkurs gibt es im Snackwagen gratis dazu

Die Kundschaft, so Heinrich, sei eine andere als in der Filiale. „Mit meinem Snackwagen fahre ich Firmen an, in denen viele Arbeiter angestellt sind. Diese sind oft ganz lustig drauf und sind glücklich, wenn ich ihnen einen netten Spruch als Begrüßung zuwerfe“, freut sich die Neuburgerin. Einige ihrer Gäste seien keine Muttersprachler. Ihnen bringt sie dann einfache deutsche Sätze bei. „Die Arbeiter kommen dann am nächsten Tag mit einem Lächeln auf dem Gesicht zu mir und bestellen ihr Essen auf Deutsch“, sagt Heinrich stolz.

Dass sie sich ehrlich um ihre Kunden bemüht, merken auch diese selbst. Einige geben ihr großzügiges Trinkgeld, die Umsätze seien in den vergangenen sieben Jahren deutlich gestiegen. Doch wünscht sie sich in manchen Situationen noch mehr Dankbarkeit. Schließlich freut sich jeder über ein frisches Essen in der Pause.

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