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Neuburg

01.03.2019

Auf Streife mit der Neuburger Sicherheitswacht

Bei ihrem Rundgang durchqueren die Mitarbeiter der Sicherheitswacht weite Teile des Stadtgebiets.
Bild: Marcel Rother

Seit drei Monaten steuert die Sicherheitswacht gezielt Brennpunkte an. Nicht jeder freut sich über ihr Erscheinen. Manch einer ergreift direkt die Flucht.

Polizeiinspektion Neuburg, kurz vor 17 Uhr, Lagebesprechung. Draußen scheint die Sonne, drinnen wird es ernst. Weiberfasching, unsinniger Donnerstag – „heute kann es wild werden, lasst euch auf nichts ein“. Thomas Reindel von der Polizei Neuburg schwört die beiden Mitarbeiter der Sicherheitswacht auf die bevorstehende Streife ein. Bis 20 Uhr werden Monika Bachhofer und Milos Ilic die Brennpunkte der Stadt ansteuern. Und bei manchen Personen Fluchtinstinkte und andere vielsagende Reaktionen auslösen.

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Ausgestattet mit der typischen Uniform, ein Funkknopf im Ohr, das Reizgas griffbereit, führt die beiden ihr erster Weg Richtung Bahnhof. Alles ruhig, keine Auffälligkeiten. Im Vergleich zu anderen Bahnhöfen, gerade in größeren Städten, macht alles einen aufgeräumten Eindruck. Ob es in Neuburg eine Trinker- oder Drogenszene gibt? „Ja, sogar eine große“, sagt Bachhofer. Was sie meint, wird später deutlich. Noch ist alles friedlich, wie zumeist in den vergangenen drei Monaten, seit sie und ihre Kollegen der neu gegründeten Sicherheitswacht durch Neuburgs Straßen ziehen.

Friedliche Jugendliche, wie hier am Spitalplatz, machen der Sicherheitswacht keine Sorgen.
Bild: Marcel Rother

Das Projekt Sicherheitswacht läuft in Neuburg gerade erst an

„Das Projekt läuft gerade erst an, bislang gab es keine brenzligen Situationen“, berichtet Norbert Bachmaier, Leiter der Polizeiinspektion Neuburg. Die sechs Frauen und Männer der Sicherheitswacht waren bislang nur vereinzelt an Wochenenden unterwegs – und zu besonderen Anlässen wie dem Donauschwimmen, als Ergänzung zu Polizei und Sicherheitskräften. Bis auf ein paar pöbelnde Jugendliche bei der Pistengaudi hätten sie noch keine negativen Erfahrungen gemacht, berichten Bachhofer und Ilic. Das könnte sich ändern, sobald es wärmer werde, mehr Menschen draußen seien, trinken und feiern.

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Einen Vorgeschmack auf das, was sie erwarten könnte, gibt es auch an diesem Abend, dem bislang wärmsten des Jahres. Ist es am Oswald-, Spital- und Schrannenplatz noch ruhig – Kinder spielen Fußball, Jugendliche hängen ab – ändert sich die Stimmung am Donauruderklub. Am Ende der Uferpromenade, bevor der Weg in den Wald abzweigt, stehen zwei wild gestikulierende junge Männer. Bachhofer und Ilic steuern zielstrebig auf sie zu. Als sie die Mitarbeiter der Sicherheitswacht entdecken, geht einer der beiden zu einem Mülleimer und wirft hastig etwas hinein. Bei ihnen angekommen, ist kaum zu übersehen: Die beiden stehen unter Drogen. Pupillen in Irisgröße, wirre Sätze und fahrige Bewegungen – ansonsten aber ungefährlich. Weil Bachhofer und Ilic im Mülleimer keine Drogen entdecken, ziehen sie wieder ab. Andernfalls hätten sie ihre Kollegen von der Polizei verständigt. Es sollte nicht der einzige merkwürdige Vorfall an diesem Abend bleiben.

Für den Ernstfall sind alle Mitarbeiter der Sicherheitswacht mit Reizgas ausgestattet und per Funk ständig mit der Einsatzzentrale verbunden.
Bild: Marcel Rother

Die Sicherheitswacht gibt es bayernweit seit 1998

Die Sicherheitswacht wurde 1998 bayernweit eingeführt, seither wird sie von immer mehr Städten beantragt. Als Doppelstreife, bei Bedarf auch in größerer Gruppe, patrouillieren die Bürger in Uniform in der Innenstadt, vornehmlich am späten Nachmittag und in den frühen Abendstunden. Auf diese Weise ergänzen sie den Kommunalen Ordnungsdienst, der nachts unterwegs ist. Die Streifen sollen vor allem Präsenz zeigen, Vandalismus entgegenwirken und Konflikten vorbeugen, bevor sie eskalieren. „Die Sicherheitswacht ist aber keine Polizei“, betont Bachmaier. Die Mitarbeiter dürfen Befragungen vornehmen, Personalien feststellen und im Ernstfall Platzverweise erteilen. In Ausnahmefällen können wir Personen auch vorläufige festnehmen“, sagt Bachhofer. Gedeckt sei so eine Maßnahme durch das sogenannte „Jedermannsrecht“. Dieses Recht erlaube es grundsätzlich jedem Bürger, bei Gefahr eine vorübergehende Festnahme auszusprechen.

Das geht nur, wenn sich der Verdächtige nicht vorher aus dem Staub macht. So geschehen eine halbe Stunde später am Bücherturm. Während die Tiefgarage darunter im Winter oftmals Schauplatz illegaler Parties sei, seien die Grünflächen darüber als Drogenumschlagplatz bekannt, sagen Bachhofer und Ilic. Kaum angekommen, werden sie von einem jungen Mann, die Haare so schwarz wie die Lederjacke, entdeckt. Ein kurzer ängstlicher Blick, dann haut er ab. Den beiden gelingt es nicht, ihn aufzuspüren. Für den Notfall sind die Streifen mit Reizgas, Taschenlampen und Funkgeräten ausgerüstet und könnten via Polizeifunk schnell Hilfe anfordern.

Noch ist es ruhig bei der Sicherheitswacht Neuburg

An diesem Abend wird das nicht nötig sein. Für Bachhofer und Ilic endet die Streife um 20 Uhr. „Danach wird es heute zu heftig“, sagen sie. Nun übernehmen Polizei und der kommunale Ordnungsdienst die heiße Phase des Weiberfaschings. Im Sommer aber werden sich die Einsatzzeiten der Sicherheitswacht ausweiten. Dann ziehen Bachhofer, Ilic und Kollegen durch die Straßen, bis es dunkel ist. Vor allem der Schrannenplatz dürfte dann verstärkt in den Fokus rücken. Er hat sich in den vergangenen Jahren bei schönem Wetter zu einem Brennpunkt entwickelt. Müll, Lärm und aggressive Jugendliche riefen Geschäftsinhaber, Anlieger und Passanten auf den Plan. Das wird für die Sicherheitswacht eine Bewährungsprobe.

Lesen Sie dazu den Artikel "Warum die Sicherheitswacht sinnvoll ist" von Marcel Rother

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