Newsticker

Zahl der Neuinfektionen in Italien stabilisiert sich - mehr als 100.000 bestätigte Fälle in New York
  1. Startseite
  2. Lokales (Neuburg)
  3. „Aufstand des Gewissens“

Sonderausstellung im Bayerischen Armeemuseum in Ingolstadt

05.02.2013

„Aufstand des Gewissens“

Rekonstruktion der Besprechung in der Wolfsschanze am 20. Juli 1944 kurz vor dem Attentat auf Hitler. Auch das ist in der Sonderausstellung „Aufstand des Gewissens“ im Bayerischen Armeemuseum zu sehen.
Bild: Stefan Küpper

Die Schau beleuchtet die Rolle des Widerstandes in der Deutschen Wehrmacht. Direktor Ansgar Reiß sagt: "Diese Ausstellung beschönigt nichts"

Noch bis zum 21. April ist im Bayerischen Armeemuseum die Wanderausstellung „Aufstand des Gewissens – Widerstand gegen Hitler und das NS-Regime 1933-1945“ zu sehen. Gezeigt wird, wie sich im Zweiten Weltkrieg vereinzelt Widerstand gegen die nationalsozialistische Diktatur innerhalb der Wehrmacht regte und wie es später zu dem gescheiterten Attentatsversuch am 20. Juli 1944 kam. Wir sprachen mit Museumsleiter Dr. Ansgar Reiß.

Herr Dr. Reiß: Wie schätzen sie die Rolle der Wehrmacht unter Hitler ein?

Reiß: Die Wehrmacht war der Erfüllungsgehilfe einer absurden Allmachtsfantasie.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Was zu sehen ist, ist eine Wanderausstellung des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr. Wie würden Sie die Ausstellung einordnen?

Reiß: Die Ausstellung ruft in Erinnerung, dass der Widerstand im Deutschen Reich 1933 – 45 zwar keineswegs ausschließlich beim Militär lag, dass aber das Militär der Bereich war, in dem die Chancen auf Erfolg von Widerstand einigermaßen realistisch eingeschätzt wurden. Und unter den Bedingungen des Krieges war das Militär der einzige Bereich, von dem realistisch ein Umsturz ausgehen konnte.

Die Ausstellung ist von 1999. Fehlt Ihnen etwas, hätten Sie heute etwas anderes gewichtet?

Reiß: Ich denke, man würde heute die zivile Dimension, die zum Netzwerk des militärischen Widerstandes gehört, stärker gewichten. Und damit meine ich nicht nur, dass es viele Zivilisten gab, die im Widerstand tätig waren, sondern ich meine das private Umfeld der Militärs im Widerstand. Und: Man könnte deutlicher hervorheben, inwiefern die Beteiligten des Widerstandes in alten Kategorien der „Offiziersehre“ und Ähnlichem gedacht haben.

Inwieweit sehen Sie die Ausstellung als Ergänzung zu den umstrittenen Wehrmachtsausstellungen? Ist es sinnvoll, eine Ausstellung zum Widerstand in der Wehrmacht zu konzeptionieren, ohne in einem eigenen Teil auf die Verbrechen einzugehen?

Reiß: Die Ausstellung beschönigt nichts. Es wird sehr deutlich gezeigt, dass viele derjenigen, die sich später entschieden, Widerstand zu leisten, zumindest phasenweise von einem starken Deutschland geträumt haben und von Hitler und seiner Politik begeistert waren. Insofern sehe ich nicht, dass es zu einer Verzerrung der Wahrnehmung kommen könnte. Außerdem: Die Verbrechen, die von der Wehrmacht oder mit Duldung der Wehrmacht begangen wurden, diese Verbrechen waren ja für die wenigen der Auslöser für ihren Widerstand. Natürlich wurde aber die Ausstellung auch gemacht, um den Aspekt des Widerstands innerhalb der Wehrmacht etwas hervorzuheben. Sie war auch eine Reaktion auf die Wehrmachtsausstellung.

Hätten Sie die Ausstellung nicht ergänzen müssen?

Reiß: Wir sind dabei, ein eigenes Projekt aufzusetzen, dass genau die angesprochenen alten Kategorien, in denen die Beteiligten des Widerstands dachten, zum Thema macht.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren