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Fall Rupp

26.02.2011

Aus Mangel an Beweisen

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Richter Theo Ziegler (Mitte) verkündete gestern um Punkt 9.30 Uhr den Freispruch. Den Angeklagten sei nichts nachzuweisen, so seine Begründung.
Bild: Foto: dpa

Landshuter Richter entscheidet im Wiederaufnahmeverfahren für die Angeklagten. Dennoch sieht er in ihnen die Schuldigen für den ungeklärten Tod des Landwirtes

Neuburg/Landshut Als der Richter den Freispruch verkündet, hört jeder im Sitzungssaal das Schluchzen. Nicht die Angeklagten reagieren so erlöst und emotional auf das Urteil, auf das sie seit zwei Jahren mit ihren Verteidigern hingearbeitet haben. Nein, es ist die Mutter von Matthias E., dem ehemaligen Freund der älteren Rupp Tochter, die ihre Gefühle und Tränen nicht mehr verbergen kann. So gut wie jeden Prozesstag hat sie ihren Sohn nach Landshut begleitet. Seit gestern weiß sie, dass es sich gelohnt hat ihrem Sohn beizustehen. Matthias E. ist – wie die anderen drei Angeklagten auch – vom Verdacht des Totschlags am Landwirt Rudolf Rupp freigesprochen.

Richter Theo Ziegler und seine Beisitzer haben damit das Urteil von Ingolstadt aus dem Jahr 2005 nicht nur aufgehoben, sondern das Gegenteil als rechtens verkündet. Weder der Witwe Hermine, noch ihren Töchtern, noch Matthias E. sei irgendeine Beteiligung am Tod des Landwirts aus Heinrichsheim nachzuweisen.

Doch die Begründung für den Richterspruch trübt die Euphorie aufseiten der Verteidigung. Denn Ziegler führt gut eine Stunde lang aus, dass er trotz seines Urteils überzeugt davon ist, dass Rudolf Rupp in der Nacht auf den 13. Oktober 2001 in seinem Haus durch einen oder mehrere der Angeklagten irgendwie zur Tode gekommen ist. „Aber wir können nicht sicher sein, wer im Einzelnen etwas getan hat“, so Ziegler. „Eine plausible und nachvollziehbare Annahme, wie der Tod überhaupt eingetreten ist, haben wir nicht.“ Deshalb gebe es nur eine Konsequenz: den Freispruch für alle der vier Angeklagten.

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Je länger der Vorsitzende Richter spricht, desto mehr verschwindet das Lächeln auf den Gesichtern der Anwälte. Anfangs noch drücken sie ihren Mandanten die Hände, zwinkern sich zu. Doch am Ende der Urteilsverkündigung sagt Klaus Wittmann in die zahlreichen Fernsehkameras: „Die Kammer hat die heißen Kohlen für die Justiz und die Polizei aus dem Feuer geholt.“ Die Begründung für das Urteil sei eher die für einen Schuldspruch. Außerdem werde er Beschwerde einlegen, dass den Mandanten keine Haftentschädigung gewährt wird (siehe Artikel links).

Tatsächlich machte Ziegler mehr als deutlich, dass er davon überzeugt ist, dass Rudolf Rupp in der Nacht seines angeblichen Verschwindens nach Hause in die Schulstraße in Heinrichsheim gekommen ist. „Eine Vielzahl von Indizien lassen in der Zusammenschau keinen Zweifel“, so der Richter. Ein Unfall, Selbstmord oder ein Überfall sei auszuschließen.

Doch was dann geschehen sei, sei „völlig unklar“. Die Vielzahl der Aussagen der Angeklagten machen es nicht möglich auch nur annähernd zu rekonstruieren, was in der Nacht passiert sei. Außerdem stimme keine der Varianten mit dem Obduktionsergebnis der geborgenen Leiche überein.

Doch Ziegler sieht die Geständnisse der Angeklagten als „voll verwertbar“. Vorwürfe, sie seien unter unzulässigem Druck der ermittelnden Beamten entstanden, könne er nicht als richtig anerkennen. „Ein gewisser Druck ist erlaubt“, resümierte der Richter. Er sehe keine Umstände bei den Vernehmungen, die dazu führen würden, die Aussagen völlig auszublenden. Die Aussage des Schrotthändlers Ludwig H., der im Prozess angegeben hatte, bei einer Vernehmung mit der Pistole bedroht worden zu sein, nannte Ziegler „eine Lüge“.

Die Verteidigung zeigt kein Verständnis für diese Einschätzung des Vorsitzenden: „Ich habe nicht erwartet, dass der Richter seinen eigenen Leuten an den Karren fährt. Aber dieser Persilschein ist für mich sehr enttäuschend“, sagt Verteidigerin Regina Rick. Die Anwältin bekommt von ihrer Mandantin Manuela zum Abschied ein Geschenk. Und auch Hermine Rupp fällt ihrem Anwalt Klaus Wittmann um den Hals. „Ich bin glücklich“, sind ihre letzten Worte, bevor sie in den Aufzug steigt und verschwindet.

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