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06.10.2009

Ausgestreckte Hand der Vertriebenen endlich ergreifen

Rennertshofen Mit dem Marsch "Mein Heimatland" und den "Egerländer Volksweisen" begrüßte die Marktkapelle Rennertshofen im Pfarrheim die rund 100 Gäste, die Kreisobmann Burkhard Trompler am Sonntag zum "Tag der Heimat" willkommen hieß. Nicht nur die Instrumentalmusik weckte Erinnerungen an die alte Heimat, mit Liedern und Volkstänzen gaben die Singgruppe und die Bärwurztanzgruppe des Böhmerwaldbundes aus Schrobenhausen gelungene Kostproben des überlieferten Kulturguts. Und auch in den persönlichen Gesprächen war die alte Heimat das Thema.

VON MICHAEL GEYER

Den politischen Teil des Nachmittags prägten mehrere Redner: "Was ist überhaupt Heimat?" Sowohl Bürgermeister Ernst Gebert als auch Michael Kettner, der stellvertretend für Landrat Roland Weigert die Schirmherrenrolle übernommen hatte, beschäftigten sich mit dieser Frage. Heimat sei dort, wo der Mensch seine vertraute Umgebung habe und sich zu Hause fühle, so der einhellige Schluss. "Heimat ist der Inbegriff von Geborgenheit und Sicherheit", formulierte Gebert, "der Ort der Kindheit, der Schulzeit, aber auch der sinnlichen Erfahrung von Klängen, Sprache, Speisen", ergänzte Kettner. Beide Redner erinnerten an die enorme Leistung, die der "vierte bayerische Stamm" der Sudetendeutschen für den Aufbau der neuen Heimat nach 1945 geleistet habe. Erst mithilfe der Heimatvertriebenen habe Bayern den Sprung vom Agrar- zum Industriestaat geschafft, hob Kettner hervor.

Mit dem "Dahoam" verband der Hauptredner, der CSU-Landtagsabgeordnete und schwäbische Bezirksvorstand des Bundes der Vertriebenen (BdV) Reinhard Pachner, nicht nur die heimatliche Geborgenheit, sondern auch die schrecklichen Erlebnisse während der Vertreibung. "Dahoam" bedeute für ihn ebenso Entwurzelung, Verlust und zugleich das "Ärmelhochkrempeln" in der neuen Heimat. "Jede Vertreibung ist ein politisch motiviertes Unrecht", geißelte Pachner jegliche Zwangsausweisung. Er mahnte an, dass nach über 60 Jahren dieses "barbarische Unrecht" immer noch nicht aufgearbeitet sei. Die Vertriebenenverbände seien dafür nicht verantwortlich zu machen, denn bereits 1950 hätten sie in einer Charta festgelegt, auf Revanchismus zu verzichten. Pachner kreidete der offiziellen tschechischen Seite an, sie hätte das Problem der Benes-Dekrete nicht genügend aufgearbeitet. "Die Sturheit der tschechischen Politik ist nicht zu überbieten. Warum kann man nicht die ausgestreckte Hand der Vertriebenen ergreifen und gemeinsam nach Lösungen suchen", fragte er. Kritische Stimmen hätten gemahnt, dass diese Dekrete im Widerspruch zum EU-Recht stünden, und deswegen hätte die Bundesregierung sich der EU-Aufnahme Tschechiens verweigern sollen. Pachner verbat sich eine Einmischung bei der Erinnerung an Flucht und Vertreibung: "Es geht niemanden etwas an, wie wir Deutschen uns daran erinnern."

Wie das deutsche Erbe in der alten Heimat erhalten wird, zeigte der Bittenbrunner Pfarrer Norbert Tuppi, der von der Kirchenrenovierung in Kirchschlag, Kreis Krummau im Böhmerwald, berichtete. Dort wurden 350 000 Euro investiert, 180 000 Euro kamen von ehemaligen Kirchschlägern, was belege, dass auch die Vertriebenen einen wesentlichen Beitrag zum Erhalt des deutschen Kulturerbes in ihrer alten Heimat leisten.

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